Fabian Köster © Knacker Einfach/Fabian Stuertz

Fabian Köster: „Ich habe heute oft das Gefühl, dass wir nur noch Scheindiskussionen führen.“

von Laura Bähr

Herr Köster, was bietet Köln seinen Bewohnern, dass so viele Comedy-Talente von dieser Stadt geformt werden?
Fabian Köster: Kölsch und Karneval natürlich (lacht). Und diese gewisse rheinische Frohnatur macht in der Branche glaube ich, auch vieles einfacher. Aber Köln ist natürlich auch die Medienstadt schlecht hin und das liegt dann natürlich in der Natur der Sache, dass man hier schneller und einfacher mit Medienberufen in Berührung kommt und die Menschen deshalb vielleicht auch häufiger Gefallen daran finden. 

Sie wurden bei der „heute show“ als Praktikant eingeführt und sind heute festes Mitglied der Redaktion und als Außenreporter bekannt. Was können Sie besser als Lutz van der Horst?
Fabian Köster: Mhm, Lutz ist natürlich mein großes Vorbild. Kann und darf ich überhaupt irgendwas besser können? Vermutlich eher nicht (lacht). 

Sie üben ja mehr oder weniger den gleichen Beruf aus, stammen aber aus unterschiedlichen Generationen. Erkennen Sie einen Unterschied in ihren Arbeitsweisen?
Fabian Köster: Ich glaube unser Beruf ist in den letzten Jahren inhaltlicher geworden, da sich die Gesellschaft politisiert hat, das ist zumindest mein Eindruck. Dadurch sind die Arbeitsweisen vielleicht etwas weniger albern geworden. Lustig sind wir aber natürlich immer noch.

„Ich glaube unser Beruf ist in den letzten Jahren inhaltlicher geworden, da sich die Gesellschaft politisiert hat, das ist zumindest mein Eindruck.“

Stefan Titze sagte in einem Interview mit uns: „Das Wort Talent ist meiner Meinung nach überholungsbedürftig“. Braucht es Ihrer Ansicht nach Talent, um lustig zu sein oder ist alles nur Übungssache?
Fabian Köster: Ich würde da vorsichtig widersprechen. Ich glaube ein gewisses Talent und eine Begabung brauch es auch beim Comedy-Handwerk. Es gibt einfach immer Menschen, die können bestimmte Dinge besser als andere und das macht den Job dann auch sehr viel einfacher. Wenn ich jetzt zum Beispiel Tischler werden müsste, würde ich das bestimmt auch irgendwie lernen. Es wäre allerdings eine Qual und am Ende würde bestimmt auch keiner gerne meine Tische kaufen (lacht). Ein gewisses Grundtalent unterscheidet uns Menschen ja auch voneinander. Und das ist auch richtig und wichtig. 

Wann haben Sie für sich erkannt, dass da durchaus Talent vorhanden ist? 
Fabian Köster: Als ich meinen ersten Poetry-Slam gewonnen habe, dachte ich das zumindest (lacht). Mir ist dann erst später aufgefallen, dass es eine Applaus-Abstimmung war und mich meine Schulkameraden gegenüber dem Besseren des Wettbewerbs einfach nach vorne applaudiert haben und zum Sieg gejubelt haben. 

Was ist das für ein Gefühl, wenn ein Gag nicht funktioniert? 
Fabian Köster: Man spricht dann immer vom sogenannten Stahlbad. Man muss die Situation auf jeden Fall aushalten können, das ist, glaube ich, das Wichtigste. So was kann man auch schlecht vorab trainieren, das erwischt einen in der Situation dann immer kalt von links. Ich habe mal beim Comedy-Preis eine Laudatio gehalten und da musste ich wirklich fünf Minuten lang den Stahlbad machen (lacht). Da saßen die ganz Großen im Publikum und wirklich keiner hat gelacht. Das war eine sehr gute Übung und sehr lehrreich, wie man mit solcher einer Stille umgeht und trotzdem noch frohen Mutes weitermacht. 

„Ich glaube ein gewisses Talent und eine Begabung brauch es auch beim Comedy-Handwerk.“

Ihr Ziel bei der „heute show“ ist es, Informationen unterhaltsam zu überspitzen, ohne jemanden lächerlich zu machen. Wie schafft man es, diesen schmalen Grat einzuhalten? Haben Sie schon mal jemanden mit Worten verletzt?
Fabian Köster: Es ist natürlich oft ein schmaler Grat. Ich finde, ein guter Gradmesser ist ganz häufig, dass man darauf achtet, dass die eigenen Worte nicht persönlich werden. Es sollte immer um die Sache gehen. In der Sache kann man dann schon auch satirisch hart unterwegs sein. Aber so was wie die Familie oder andere private Details haben in dieser Art von Diskussion nichts verloren. Ansonsten ist das Thema, wie alles in der Comedy auch wieder sehr subjektiv und damit natürlich auch schwer einschätzbar. Was der eine noch superlustig findet, findet der andere schon verletzend. Das macht es natürlich nicht einfacher. 

Gibt es einen Witz, mit dem Sie alle zum Lachen bringen können oder ist Humor zu individuell? 
Fabian Köster: Ich glaube alle zum Lachen zu bringen, schafft nur Mario Barth (lacht). Nein, ich glaube, die Art von Humor, die alle zum Lachen bringt, gibt es nicht. Und das ist auch gut so. Sonst wäre unser Job zu einfach und langweilig. 

Waren Sie vor Ihrer Karriere bei der „heute show“ an Politik interessiert? 
Fabian Köster: Ja, ich habe mich schon immer für Politik interessiert. Ich habe 2014 Abitur gemacht und da gab es die „heute show“ schon fünf Jahre. Bei mir hat die Sendung damals wie heute, großes Interesse an der Politik geweckt. Und auch heute, in Zeiten, in denen ich selbst Teil davon bin, ist es das größte Kompliment, wenn gerade jüngere Menschen auf mich zukommen und sagen, sie haben dank unseres Formats wieder mehr Lust, sich mit der Politik zu beschäftigen und auseinanderzusetzen. Ich glaube, dass wir viele Menschen abholen, die sich ohne dieses Format nicht mehr für Politik interessieren würden. 

„Ich glaube, dass wir viele Menschen abholen, die sich ohne dieses Format nicht mehr für Politik interessieren würden.“

Wie muss man die wichtigen Themen für Jugendliche aufbereiten, damit diese neben dem Musikhören auf Youtube und den Beautybloggern bei ihnen hängen bleiben? 
Fabian Köster: Ich glaube, das was die „heute show“ ausmacht, ist, Information mit Unterhaltung zu verbinden. Der Zuschauer soll regelmäßig lachen, aber eben auch „schlauer“ aus der Sendung gehen, als er reingekommen ist. Wenn wir dieses Ziel erreichen, haben wir unseren Job erfüllt. 

Sie meinten in einem Interview, dass immer mehr Politiker sich Ihren Fragen stellen. Inwiefern hat dieser Kampf um Bildschirmzeit Ihre Arbeit verändert? 
Fabian Köster: Ich finde das eine sehr positive Entwicklung, dass sich immer mehr Politiker dem Gespräch stellen. Ich freue mich über einen Schlagaustausch und glaube, dass man als Politiker in solch einer Sendung auch gewinnen und sympathisch und positiv rüberkommen kann. Nur weil Lutz oder ich im Gespräch vielleicht mal einen Punkt machen, heißt das ja auch noch lange nicht, dass die Zuschauer dann auf unserer Seite sind und er Politiker „verloren“ hat.

Sie sind dafür bekannt, andere und unerwartete Fragen zu stellen. Fehlt es dem Journalismus aktuell an innovativen Herangehensweisen oder ist das nicht seine Aufgabe? 
Fabian Köster: Also ich finde nicht, dass es dem klassischen Journalismus an innovativen Herangehensweisen mangelt. Ich lese aktuell so viele spannende Interviews und Geschichten in der FAZ und in der Zeit, die mich bewegen und die mich auch weiterbringen. Wir haben natürlich eine andere Art, Fragen zu stellen. Unser Credo ist es, in erster Linie zu unterhalten und das ist natürlich nicht das vorrangige Ziel, das der Spiegel verfolgt. Das kann man nicht vergleichen. 

„Ich finde das eine sehr positive Entwicklung, dass sich immer mehr Politiker dem Gespräch stellen.“

Haben Sie vor oder während Ihrer Karriere jemals überlegt klassisch Journalismus zu studieren?
Fabian Köster: Ich habe Sozialwissenschaften studiert und wollte mich dann für Politikwissenschaften einschreiben, bevor mein Job bei der „heute show“ dazwischenkam. Seitdem habe ich eigentlich nicht mehr darüber nachgedacht, noch mal die Schulbank zu drücken. Ganz ausschließen würde ich es aber auch nicht, mal schauen, was die Zeit noch so bringt. Zum Glück habe ich ja das Abitur. 

Sie haben in Köln Sozialwissenschaften studiert, bevor Sie Comedian wurden. Was ist Ihrer Ansicht nach das größte Manko unserer Gesellschaft? 
Fabian Köster: Persönlich würde ich sagen, dass der 1. FC Köln schon so lange kein deutscher Meister mehr geworden ist (lacht). Nein, ernsthaft. Was mich stört, ist das aktuell Diskussionen immer sehr hitzig geführt werden und häufig die Sachlichkeit verloren geht. Nur weil man in einer Diskussion Argumente austauscht, muss man auch nicht immer gleich in eine Schublade gesteckt werden. Ich habe heute oft das Gefühl, dass wir nur noch Scheindiskussionen führen. Denn zu einer echten Diskussion gehört für mich die Bereitschaft, dass man eventuell auch von einer anderen Meinung überzeugt wird.

Dass man zumindest in Erwägung zieht, dass der andere einen mit den besseren Argumenten vom Gegenteil überzeugt und man die eigene Ansicht anpasst. Heute gehen beide Seiten aber meistens mit unverrückbaren Ansichten ins Gespräch, sodass der Austausch überhaupt nichts bringt. Schließlich soll so eine Diskussion ja dazu führen, dass sich Ansichten und Meinungen auch ändern. Wenn wir aber nur aneinander vorbeireden und den Worten des anderen gar keine Bedeutung schenken, können wir es auch lassen. 

Wer hat Sie zuletzt von einer anderen Meinung überzeugt? 
Fabian Köster: Meine Freundin, dass wir uns einen Gasgrill und keinen Kohlegrill kaufen. 

Mit welcher Art von Humor bringt man Sie zum Lachen? 
Fabian Köster: Ich bin ein Fan von total albernem Humor. Und mein guilty pleasure sind schlechte Wortspiele. 

„Zu einer echten Diskussion gehört für mich die Bereitschaft, dass man eventuell auch von einer anderen Meinung überzeugt wird.“

Gibt es einen Unterschied zwischen dem privaten Fabian Köster und dem Menschen, den wir im TV sehen? Muss man heutzutage in der Öffentlichkeit eine Art Kunstfigur von sich schaffen, um sich privat zu schützen?
Fabian Köster: Also ich bin da relativ offen. In meinem öffentlichen Dasein klammere ich mein privates Dasein einfach aus. Ansonsten sehen die Menschen den Charakter, der ich auch wirklich bin. Wenn ich von meinen Fragen und meinen Witzen privat nicht auch überzeugt wäre, würde ich sie nicht stellen und erzählen.

Wie hat Social Media die Comedy Branche verändert? 
Fabian Köster: Auf jeden Fall dahingehend, dass es viel einfacher ist, über Nacht viral zu gehen und berühmt zu werden. Das war vor 20 Jahren noch nicht so. Chris Tall ist das beste Beispiel. Mit dem bin ich vor 10 Jahren in Mixed-Shows bei Nightwash aufgetreten. Und dann hatte er diesen einen TV total-Auftritt mit „Darf er das?“ und der ging im Netz so viral, dass er quasi über Nacht berühmt wurde und jetzt bei RTL als Moderationsgesicht gar nicht mehr wegzudenken ist. Mittlerweile schafft man es auch, ohne den klassischen steinigen Weg übers Fernsehen berühmt zu werden. 

Wie würde Ihr ideales eigenes Format aussehen?
Fabian Köster: Gemeinsam mit Lutz habe ich das ja quasi schon (lacht). Und wir machen genau das, was wir am liebsten tun. Reportagen über die wichtigen Themen unserer Zeit drehen und die unterhaltsam verpacken.

Sendetipp: Hier geht es zur heute- show spezial

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