
Torsten Sträter: Auf der Bühne bin ich die bessere Form von mir selbst.
von Laura Bähr
Herr Sträter, Sie waren früher Schneider. Heute sind Sie Comedian. Was ist Ihrer Ansicht nach das ideale Outfit für die Bühne?
Torsten Sträter: Am liebsten trage ich schwarz. Das ist eigentlich die ungünstigste Farbe, weil man meist einen schwarzen Hintergrundvorhang bei Auftritten hat, aber ich habe mich für diese Farbe entschieden und jetzt ist es so. Wenn ich so darüber nachdenke, weiß eigentlich gar nicht mehr warum. Was ich gar nicht leiden kann, ist, wenn Kleidung schnell knittert. Ich finde Leinen ist zum Beispiel ein unmögliches Material. Deshalb wird es bei mir meistens ein Mischgewebe, Jeans oder Schurwolle.
Sie schreiben auf Ihrer Website, dass Ihr Programm auch für Tiere geeignet sei. Wie kommen Sie darauf?
Torsten Sträter: Das habe ich tatsächlich nur geschrieben, weil mal jemand mit seinem Hund in meiner Show war. Und ich habe festgestellt, dass es dem Hund nicht geschadet hat. In Duisburg sitzt immer eine charmante Dame im Publikum, die ihren Therapiehund dabei hat. Und dieser Therapiehund ist derartig gechillt, dass er mich quasi parallel immer noch mittherapiert. Aber um auf Ihre Frage zu antworten, ich habe das auf meine Website geschrieben, weil ich bescheuert bin (lacht).
Das würde ich so nicht sagen, vermutlich sind Tiere wirklich das bessere Publikum…
Torsten Sträter: Ja, das vermute ich ehrlich gesagt auch.
Sie gehören zu den beliebtesten Comedians Deutschlands. Was muss man Ihrer Ansicht nach mitbringen, um heute in der Szene Erfolg zu haben?
Torsten Sträter: Das weiß ich leider nicht. Ich weiß es wirklich nicht. Ich würde unglaublich gerne irgendetwas Schlaues dazu sagen. Wie zum Beispiel, dass man unbedingt seinen eigenen Stil braucht. Das heißt aber nichts, denn nur weil man seinen eigenen Stil hat, muss man nicht unbedingt Erfolg haben. Ich persönlich denke darüber einmal in der Woche nach, wie es eigentlich zu meinem Erfolg kommen konnte. Ich habe keine komplizierten Aufbauten auf der Bühne, bei mir wird keine Musik gespielt, ich kann nicht singen, ich kann noch nicht einmal Stimmen imitieren.
Mein Spektrum ist eigentlich sehr, sehr klein. Für mich ist es deshalb immer noch erstaunlich und wundersam, dass das immer noch funktioniert. Es wäre natürlich super, wenn man genau wüsste, wie man zu sprechen und auszusehen hat, wenn man Erfolg haben will. Dann könnte man das genau durchkalkulieren. Aber so einfach ist es leider nicht und ich habe ja auch über 10 Jahre dafür gebraucht. Selbst wenn man die Erfolgsformel kennen würde, würde es vermutlich trotzdem nicht funktionieren.
„Ich persönlich denke darüber einmal in der Woche nach, wie es eigentlich zu meinem Erfolg kommen konnte.“
Mit welcher Intention gehen Sie auf die Bühne? Möchten Sie möglichst viele Menschen zum Lachen bringen oder selbst eine gute Zeit haben?
Torsten Sträter: Ehrlich gesagt, habe ich öfters auch mal keine gute Zeit auf der Bühne, so rein seelisch gesehen. Aber in erster Linie möchte ich die Menschen zum Lachen bringen, ja. Das ist das oberste Ziel. Es wäre schön, wenn dieses zum Lachen bringen eine Art Rahmenhandlung hätte. Da gebe ich mir immer allergrößte Mühe. Ich bin Komiker. Weder Philosoph noch Weltverbesserer und auch nicht besonders edgy oder subversiv. Ich will nur, dass die Leute mich und mein Programm witzig finden. Wenn ich mir gerade selbst zuhöre, finde ich meine Antworten unglaublich einfältig und trivial, aber gut, so ist es nunmal.
Ich finde das sehr erfrischend…
Torsten Sträter: (lacht). Danke!
Wie schafft man es, dem Publikum trotzdem eine gute Zeit zu ermöglichen, wenn man selbst vielleicht gar nicht so gut drauf ist?
Torsten Sträter: Das habe ich mich die letzten Wochen häufiger gefragt, weil ich das ja immer wieder mache. Egal, wie es mir geht, um 20:01 Uhr ist das nicht von Relevanz. Ich lasse es immer ein bisschen durchscheinen und vermittel dem Publikum, dass es mir gerade nicht so gut geht. Wenn es mir gut geht, erzähle ich das immer allen, wenn es mir allerdings selbst nicht so gut geht, ist das von Zeit zu Zeit gar nicht so einfach.
Es ist ein bisschen ambivalent. Mir fällt es genauso schwer, wie allen anderen auch, aber ich versuche es irgendwie charmant und im besten Fall sogar noch ein bisschen witzig miteinzuweben. Ich finde auch, dass es dem Publikum in gewisser Weise zusteht, zu wissen, wie es mir gerade geht. Wer immer Offenheit predigt, zum Thema Depression, der muss dann auch selbst ran, wenn es im Inneren mal nicht so läuft.
Woran denken Sie kurz vor dem Auftritt?
Torsten Sträter: Ich bin komplett beim Publikum. Kurz vorher mache ich nochmal schnell einen Popelcheck und vergewissere mich, dass meine Mütze sitzt. Das muss sein. Und dann aber husch und gar nicht mehr so viel nachdenken. Ich bin auch ein Fan davon, erstmal die Stimmung abzuchecken. Also zu Beginn gar nicht so viel Stimmung zu machen, sondern erstmal herauszufinden, wie das Publikum gerade drauf ist.
Die Stimmung entscheidet dann über die ersten fünf Minuten und dann versuch ich mich ins Programm einzufädeln. Ich bin keiner, der dieses Armrudern kann. Rauskommen und überwältigt sein, diese Kurve bekomme ich nicht. Dieses „Hey Berlin, Wahnsinn, dass ihr hier seid!“ Ich sage überhaupt keine Städtenamen fällt mir gerade auf. Das verstehe ich auch nicht. Berlin ist eine Stadt, das sind nicht die Leute, die da sind.
„Ich finde, dass es dem Publikum in gewisser Weise zusteht, zu wissen, wie es mir gerade geht.“
Ist es nicht unfassbar anstrengend von dem Geschmack eines nie ganz greifbaren Publikums abhängig zu sein?
Torsten Sträter: Ja, ist es. Aber wenn man sich selbst klarmacht, dass man nur diese Form von Humor hat, in meinem Fall dieses leicht alberne, obwohl, da tue ich mir gerade unrecht, manchmal sind da schon echt gute, tiefgründige Sachen dabei, dann ist das ok (grinst). Ich glaube, dass ich seit ein paar Jahren einen richtig guten Lauf habe. Aber da ich nur diesen Humor kann, wird er gewiss irgendwann von jemand anderem abgelöst werden, der einen anderen, frischeren Humor hat, eine neuere Tonart findet und der ganz besonders trendy ist. Das verstehe ich und das ist auch okay so. Dann werde ich einfach viel kleiner spielen und weniger bekannt sein.
Eine Zukunftsvision mit der Sie leben können?
Torsten Sträter: Ja klar. Ich bin ja jetzt keine 24 Jahre mehr und falle danach in ein Erfolgsloch. Wenn mich keiner mehr sehen will, dann spiel ich halt seltener. Ich mach den Menschen auch gar keinen Vorwurf, man muss einfach von Zeit zu Zeit Neues sehen. Aber ganz aufhören, kann ich nicht. Das steht nicht zur Debatte. Ich möchte schon noch lustige Sachen erzählen, auch wenn ich nicht mehr die ganz großen Hallen füllen würde. Aufhören ist keine Option.
„Wenn mich keiner mehr sehen will, dann spiel ich halt seltener.“
Sind Sie besonders stolz, wenn Sie die großen Hallen füllen oder in ein einzelnes glückliches Gesicht am Ende Ihres Programms schauen? Was macht Erfolg für Sie greifbar?
Torsten Sträter: Wenn mein Plan funktioniert. So ein Programm ist zwar keine technische Sache, aber eine handwerkliche. Wenn der Humor einer kleinen Bühne mit rund 50 Leuten hochrechenbar ist, auf 10.000 Leute, wenn der Gag noch gut genug für diese Anzahl an Personen ist und sie erreicht, dann hab ich alles richtig gemacht. Mit den glücklichen Gesichtern ist das aber immer so eine Sache…
Warum?
Torsten Sträter: Wenn Sie vor einem sitzen, sind Sie in der Regel glücklich, aber man darf immer nicht vergessen, dass diese Gesichter auch gekommen sind. Vermutlich sind Sie im Stau gestanden und haben dann ewig einen Parkplatz gesucht. Dann sind die Stühle in großen Hallen auch nicht immer gut, die Klos sind zu weit weg und man muss immer lange anstehen. All diese Dinge, muss ich sehen. Man steht in großen Hallen auch besonders lange für Getränke an, weshalb mein Programm eigentlich noch besser sein muss, als es sowieso schon ist. Die Menschen haben in großen Hallen sehr viel auf sich genommen, um mich zu sehen.
Das heißt, es ist schwieriger große Hallen glücklich zu machen?
Torsten Sträter: Ja, das ist es.
Wird es mit den Jahren einfacher einzuschätzen, was funktioniert und was nicht oder ist es immer noch die gleiche Ungewissheit?
Torsten Sträter: Es wäre besser, wenn es die gleiche Ungewissheit bliebe, wie zu Beginn, dann bleibt man nämlich geistig flexibel. Aber man hat eben seine 4-5 Erzählmechanismen, die man immer wieder bedient und aus der Trickkiste rausnimmt. Auf denen ruht man sich auch meist ein bisschen aus. Bei mir ist das zum Beispiel: Epischer Anlauf, dann Bullshit, dann Auflösung. Dieter Nuhr hat mal zu mir gesagt, sobald du weißt, wie dein Zeug funktioniert, ändere es.
„Wenn man viel lächelt und allgemein diese Fähigkeit besitzt, sich Zugang zu Menschen zu verschaffen, ist das viel wert.“
Braucht es Talent fürs Lustig sein oder ist alles nur Übungssache?
Torsten Sträter: Es braucht Übung und Routine. Talent ist aber hilfreich. Wenn man viel lächelt und allgemein diese Fähigkeit besitzt, sich Zugang zu Menschen zu verschaffen, ist das viel wert. Manche haben diesen Zugang, andere nicht. Der lässt sich auch leider nicht künstlich erzeugen. Wenn man den nicht hat, kann man trotzdem noch ein solides Programm machen.
Wir machen als Gesellschaft gerade einiges mit. Lachen hilft von Zeit zu Zeit. Wann kommt Humor an seine Grenzen?
Torsten Sträter: Humor kommt ständig an seine Grenzen. Humor ist ähnlich wie Trauer. Irgendwann kann man einfach nicht mehr. Solche Sätze wie „Humor hilft heilen“ sind mir immer ein bisschen zu sehr aufgeladen. Mir reicht es, das man Humor und das damit verbundene Lachen nicht unterdrücken kann. Lachen ist gut für den Kopf und entspannt, das muss reichen. Lachen macht Dinge erträglicher in einer gewissen, gesunden Dosierung. Diese Dosierung zu finden, ist häufig viel wichtiger als die Qualität des Gags selbst.
„Lachen ist gut für den Kopf und entspannt, das muss reichen.“
Der schmale Grad bei Comedy ist es, lustig zu sein, ohne die Gefühle, anderer zu verletzen. Wie geht man damit um, wenn dies trotzdem mal passiert?
Torsten Sträter: Mein Humor ist zufällig und unpolitisch. Jeden Politikwitz, den ich mir überlege, hat Micky Beisenherz vor drei Wochen schon besser gemacht, deshalb lasse ich es direkt. Ich persönlich habe auch erstmal generell eine Akzeptanz für jeden, deshalb wird es von mir auch keine Transgenderwitze oder Ähnliches geben. Nichtsdestotrotz passiert es natürlich auch mir von Zeit zu Zeit, dass ich jemanden unfreiwillig verletzte.
Ich habe vor Kurzem in meinem Programm beispielsweise einen Witz über die Krankheit Krebs gemacht. Und so blöd wie das klingt, auf den war ich auch echt stolz. Er war top im Aufbau, dumm aber auch schlau. Nach dem Gag hat eine Person im Publikum gerufen, wie geschmacklos dieser Witz wäre und das sie in der Familie eine krebskranke Person hätte, das würde ja gar nicht gehen. Ich hätte theoretisch drüber stehen können und entgegnen, dass sie sich mal bitte nicht so anstellen solle, aber ich habe mich in Grund und Boden geschämt und nie wieder diesen Witz gemacht. Obwohl er wirklich gut war, in der Theorie. Man muss in solchen Momenten einsehen, dass man daneben lag und dann auch den Mut haben, sich zu entschuldigen.
Sie waren in der Vergangenheit, gerade in Bezug auf Ihre Krankheit sehr offen. Gibt es überhaupt noch eine Abgrenzung zwischen dem privaten Torsten Sträter und der Figur auf der Bühne? Und muss man sich heute diesbezüglich noch schützen oder ist das überholt?
Torsten Sträter: Ich muss mich schützen, weil ich privat einfach meine Ruhe haben möchte. Ich bin keine Kunstfigur, aber ich bin auf der Bühne schon sehr sortiert, organisiert und zugewandt. Alles Dinge, die mir privat eher abgehen. Ich bin jetzt kein knöttriger, alter Mann, aber mit zunehmendem Alter, werde ich immer eigener. Dieses typische Midlife-Crisis-Gemache eben. Ich versuche auf der Bühne immer zehn Jahre jünger zu sein, als ich bin. Das funktioniert manchmal besser und manchmal schlechter. Privat bin ich einfach schwieriger im Umgang. Auf der Bühne bin ich die bessere Form von mir selbst. Und das kann ich im richtigen Leben nicht durchhalten.
„Ich versuche auf der Bühne immer zehn Jahre jünger zu sein, als ich bin.“
Sie sprechen sehr offen über Ihre Depression. Was hat sich seitdem für Sie verändert?
Torsten Sträter: Nichts. Ab und zu wird man dafür gelobt, aber da weiß ich immer nicht so ganz, was ich darauf antworten soll. Ich heile ja nichts.
Es gibt auf Social Media viele Fan-Accounts für Sie, aber keinen offiziellen Account von Ihnen. Warum?
Torsten Sträter: Für mich ist das Personenüberhöhung. Natürlich fühle ich mich auf eine gewisse Art und Weise geschmeichelt, aber so richtig verstehen, kann ich es nicht. Wenn sich die Leute für das interessieren, was ich tue, dann können sie sehr gerne in eines meiner Programme kommen. Ich weiß natürlich, dass das Geld kostet, aber ich laufe ja auch ab und zu im TV oder auf diversen Streamingdiensten. Aber wer will denn sehen, wie ich den Rasen mähe? Da komme ich bis heute nicht ganz dahinter.
Und ich bin auch einfach nicht gut darin Social Media zu bedienen. Ich lese regelmäßig bei Twitter mit, aber bin seit zwei Jahren wie gelähmt, da mal wieder einen eigenen Beitrag zu verfassen. Das hilft mir nur die Welt zu verstehen, die Debattenkultur und die Themen der Zeit, aber ich selber habe nicht viel zu sagen, außerhalb von der Bühne. Das ist auch bei Interviews regelmäßig das Problem. Sie merken es ja gerade. Man hätte sich längst mal ein paar coole Antworten überlegen können, aber ich bekomme die Kurve einfach nicht.
„Wer will denn sehen, wie ich den Rasen mähe? Da komme ich bis heute nicht ganz dahinter.“
Ich würde vermutlich am ersten Tag meiner neuen Social-Media-Welt posten, wie ich am Bahnhof stehe, am zweiten dann mein Essen backstage präsentieren und am dritten Tag müsste ich mich langsam fragen, was ich hier mache. Bei der Rückfahrt könnte ich dann das andere Gleis zeigen, aber dann hört es bei mir schon auf. Ich bin auf Social Media einfach nicht gutaufgehoben, auch wenn mir regelmäßig gesagt wird, dass das sehr gut für meine Karriere wäre.
Wer sagt Ihnen das?
Torsten Sträter: Die höheren Stellen. Social Media sei wichtig, um meine Karriere voranzutreiben. Aus meiner Sicht gibt es allerdings nur eine einzig wirklich wichtige Sache für meine Karriere: gute Gags.
Heutzutage scheint die Comedybranche immer weitläufiger zu werden. Es gibt Schauspieler, Künstler und Sänger, die sich als Comedian versuchen. Stört Sie das? Und nehmen Sie das eher als Chance oder Gefahr für die Branche wahr?
Torsten Sträter: Nein, das stört mich nicht, schließlich verdrängt man ja in dem Sinne keinen. Es gibt ja keine Maximalzahl an möglichen Comedians auf der Welt. Man verkauft seine Tickets und freut sich. Und wenn die Halle nur halbausverkauft ist, freut man sich auch und wenn sie nur viertel voll wird, überlegt man vielleicht beim nächsten Mal einfach eine kleinere Halle zu nehmen.
Ansonsten rutschen frische, neue Leute, die an sich arbeiten, nach. Das ist der natürliche Prozess. Der Künstler oder die Künstlerin, der oder die mich verdrängen wird, steht auch schon in den Startlöchern, davon bin ich überzeugt. Er oder sie übt schon und das ist auch gut so. Die Comedy-Branche erneuert sich jeden Tag, wie eine Frischzellenkur. Ob man als Schauspieler oder Instagram-Bekanntheit jetzt automatisch ein guter Comedian ist, weiß ich nicht, aber Leute, die an ihrem Material arbeiten, werden über kurz oder lang immer gut werden.
„Der Künstler oder die Künstlerin, der oder die mich verdrängen wird, steht auch schon in den Startlöchern, davon bin ich überzeugt.“
Wie wird der Humor der Zukunft aussehen?
Torsten Sträter: Das kann ich nicht absehen, aber ich hoffe, dass er vielfältig bleibt. Ich mag Humor, der es nicht nötig hat auf Randgruppen rumzuhacken, das ist mir immer ein bisschen zu simpel. Aber vermutlich ist das auch der Humor, der die Massen am einfachsten erreicht. Ich glaube der gute Humor in all seinen Arten wird sich immer durchsetzen. Ob man davon immer wie ein König oder überhaupt leben kann, ist eine andere Frage. Aber wenn man einigermaßen sympathisch ist und einen überraschenden Humor hat, dann wird sich das über kurz oder lang durchsetzen. Man braucht allerdings einen langen Atem.
Also ist Comedian ein Beruf, den Sie ruhigen Gewissens der Jugend empfehlen würden?
Torsten Sträter: Auf jeden Fall. Aber man sollte es am Anfang vielleicht eher als Praktikum sehen, denn viel rum kommt die ersten Jahre nicht.
Wären Sie gerne früher erfolgreich gewesen?
Torsten Sträter: Eine gute Frage. Ja, ich wäre gerne früher erfolgreich gewesen, bin mir aber nicht sicher, ob ich schlau oder unverkrampft genug, gewesen wäre, gute Sachen zu schreiben. Manchmal frage ich mich, ob man dafür nicht ein gewisses Alter braucht und es nicht genau richtig war, dass ich zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben erfolgreich wurde. Ich habe mich selbst rückblickend im Verdacht, das ich mit 25 Jahren dumm war wie 10 Meter Feldweg. Und ich glaube, ich hätte es nicht früher hingekriegt.
„Ich habe mich selbst rückblickend im Verdacht, das ich mit 25 Jahren dumm war wie 10 Meter Feldweg.“
Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben?
Torsten Sträter: Es ist gar nicht so schlimm, wie ich dachte. Ich verdiene natürlich verhältnismäßig viel Geld. Es ist aber nicht so ein großes Ding für mich. Meine Ausgaben sind erziehungsbedingt eher auf Grundbedürfnisse zugeschnitten. Also Wasser, Strom und Telefon. Und Benzin, ein Thema, über das ich mich jeden Tag aufregen könnte. Dabei ist es auch egal, wieviel ich verdiene, ich finde, unser Benzin ist zu teuer.
Es gibt bei meinen Ausgaben Grenzen, die ich nicht überschreite. Sei es für Autos, Urlaube, Hosen oder Schuhe. Weil ich tief in mir drin, weiß, dass es irgendwann nicht mehr nachvollziehbar und damit auch unsinnig ist. Und dann sitzt man da mit seiner teueren Uhr, die man sich mal gegönnt hat, als man ein Charakterloch hatte und seiner Hose für 25 Euro. Solche Dinge passieren. Geld definiert mich nicht so, wie ich anfangs kurz dachte. Gott sei Dank.
„Es gibt bei meinen Ausgaben Grenzen, die ich nicht überschreite. Sei es für Autos, Urlaube, Hosen oder Schuhe.“
Was war die größte Enttäuschung in Ihrem Berufsleben?
Torsten Sträter: Ich hatte mal ein Treffen mit einem Kollegen, den ich angebetet habe und der nicht so nett zu mir war. Aber das passiert. Danach war ich verletzt und gekränkt für einen Tag oder zwei oder ein halbes Jahr. Danach ging es wieder. Eine richtige Enttäuschung war das aber nicht. Ansonsten passieren eben manchmal nicht optimal laufende Dinge, aber ich versuche mich dann immer daran zu erinnern, dass wir Comedians meistens noch nicht mal halbtags arbeiten. Wir haben immer nur mit lachenden Leuten zu tun, verdienen viel Geld und werden gefeiert, also ich glaube, es könnte schlechter für uns laufen. Was für Enttäuschungen sollten das also sein?
In meinem Berufsleben davor hatte ich allerdings so einige Enttäuschungen. Ich glaube niemand in meiner Familie wurde so oft wegen Demotivation gekündigt, wie ich. Die größte Enttäuschung war für mich auch, dass ich mit einem geringen Gehalt einfach nicht gut auskomme in meinem Leben. Und ich hab immer sehr wenig verdient. Mittlerweile komme ich mit meinem Geld viel besser hin, das kann aber auch daran liegen, dass ich mittlerweile mehr Geld verdiene.
„Die größte Enttäuschung war für mich, dass ich mit einem geringen Gehalt einfach nicht gut auskomme in meinem Leben.“
Was ist das aktuell größte Manko in unserer Gesellschaft?
Torsten Sträter: Das ist eine schwierige Frage, bei ich vermutlich morgen eine andere Antwort geben würde, als heute. Das geht von Rassismus über Antisemitismus bis hin zu einer unverhältnismäßigen Steuerbelastung. Manchmal sage ich wir leben in einer perfekten Welt, wenn wir anfangen würden, uns alle ein bisschen mehr anzunähern. Es wäre gut, wenn wir uns bemühen würden, die Welt nicht zusätzlich zu verschlechtern. Ich glaube sehr viel mehr können wir gar nicht machen.
Was möchten Sie am Ende Ihres Lebens gewesen sein?
Torsten Sträter: Ein guter Vater und ein umgänglicher Typ. Ansonsten kann es mir ja eigentlich komplett egal sein, ob die Welt mich als Soziopathen oder tollen Komiker im Gedächtnis behält. Aber es wäre schon schön, wenn man an mich zurück denkt und einen lustigen Typ im Kopf hat. Und meine Familie soll mich in guter Erinnerung behalten. Was viele immer vergessen, ist, dass das eigene Leben meist nur für einen kleinen Personenkreis von Relevanz ist und das ist auch okay so. Ah da fällt mir ein, ich möchte bitte verbrannt werden. Die Vorstellung in einer Holzkiste vergraben zu werden, erscheint mir nach wie vor antiquiert und bei den aktuellen Landpreisen auch bescheuert. Man sollte sich selbst und sein Dasein nicht allzu ernst nehmen. Der Weg ist das Ziel.