Sarah Alles © Bernd Brundert 

Das Tolle am Synchronisieren ist, dass die Stimme und nicht der Körper im Mittelpunkt steht und man somit in viele verschiedene Rollen schlüpfen kann, weil es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt.

von Laura Bähr

Frau Alles, mögen Sie Ihre Stimme? 
Sarah Alles: Ich war es als junges Mädchen nicht gewohnt, meine Stimme zu hören und habe mich auch oft erschrocken, wenn ich mich dann im Fernsehen und bei Tonaufnahmen gehört habe. Ich glaube, das geht vielen Menschen so.Mittlerweile ist sie für mich nicht zuletzt auch durch meinen Beruf zu einem wichtigen Werkzeug geworden und ich habe meine Stimme sehr zu schätzen gelernt. An der Schauspielschule in der Sprecherziehung habe ich gelernt, wie ich sie am besten einsetzen und variieren kann. Sie ist mein Instrument und ich bin dankbar, dass sie so gut funktioniert.

Sie wurden 1999 mit 12 Jahren von einem Talentscout auf der Straße entdeckt. Wieso wurden gerade Sie angesprochen und ausgewählt? 
Es war ein offenes Casting, von dem ich übers Radio erfuhr. Es wurde eine junge Frau gesucht. Mit meinen zwölf Jahren dachte ich, ich würde auf das Profil perfekt passen (lacht). Das war aber leider nicht der Fall, weil ich für die Rolle natürlich deutlich zu jung war. Eine kleine Rolle habe ich dennoch abgestaubt und dort meine erste Agentin, eine Kinderagentin, kennengelernt.

Durch die Generation der Influencer wollen immer mehr Kinder und Jugendlichen „entdeckt“ werden. Birgt dieser Wunsch des „berühmt“ werden auch Gefahren mit? 
Ich finde es richtig, daran zu arbeiten, dass die Dinge, von denen man träumt, sich erfüllen! Früher war es mein Berufswunsch Schauspielerin oder Prinzessin (lacht). Mir geht es beim Schauspiel aber um ganz andere Ziele als „berühmt“ zu werden: Tolle Rollen zu spielen, von meiner Kunst leben und ständig besser werden und neue Techniken erlernen zu können, ist mein großer Wunsch. Ich weiß, dass der Beruf eines Influencers auch mit viel Arbeit und Selbstdisziplin zu tun hat, auch wenn es auf den Fotos meistens nach Spaß aussieht. Die meisten haben sich ihre Karriere selbst aufgebaut, in dem sie schon in jungen Jahren täglich interessanten Content geliefert haben. Dadurch steht man in gewisser Weise auch ständig unter Beobachtung der Öffentlichkeit, das sollte jedem bewusst sein, der diesem Beruf nachgehen möchte.

Sie sind neben Ihrer Tätigkeit als Schauspielerin in den letzten Jahren auch verstärkt als Synchronsprecherin tätig. Ihre Stimme ist unteranderem aus der Serie „Orange Is the new black“ bekannt. Müssen Sie sich mit jeder Figur, der Sie Ihre Stimme leihen, irgendwie identifizieren können?
Das Tolle am Synchronisieren ist, dass meine Stimme und nicht der Körper im Mittelpunkt steht und ich somit in viele verschiedene Rollen schlüpfen kann, weil es nicht auf Äußerlichkeiten ankommt: Ich kann zum Beispiel am selben Tag einer großen korpulenten Frau, einem kleinen Jungen und einem Stachelschwein meine Stimme leihen. Bislang ist es noch nicht vorgekommen, dass ich mich in eine Figur beim Synchron nicht einfühlen konnte.

Was muss ein guter Synchronsprecher mitbringen?
Für die Synchronarbeit sind folgende Fertigkeiten wichtig: Rhythmusgefühl, Schauspieltalent und Training in Sprache und Stimme. Das muss nicht zwangsweise durch eine Sprech- oder Schauspielausbildung sein. Es gibt auch viele brillante Quereinsteiger!

Wie fühlen Sie sich in die Rolle Ihrer Figur ein, wenn Sie diese nicht selbst spielen und verkörpern können? 
Eigentlich ist es beim Synchron genau wie beim Schauspiel: Ich schaue, worum es in der Szene geht: Was möchte die Figur? Was hindert sie? Und welche Strategien wendet sie an, um trotzdem zu bekommen was sie will? Ich spiele auch im Synchronstudio immer mit dem ganzen Körper mit, auch wenn ich vor dem Mikro stehe. Das sieht oft lustig aus. Aber für mich ist das wichtig, denn in der Stimme ist auch zu hören, was der Körper macht.

Aktuell scheint die Welt sehr fokussiert auf die visuellen Reize. Warum spielt die Tonspur Ihrer Ansicht nach trotzdem eine so wichtige Rolle, die nicht in den Hintergrund geraten darf? 
Ich denke, der auditive Eindruck beeinflusst uns zwar subtiler, spielt aber bei vielem eine entscheidende Rolle. Ohne Visualisierung müssen wir die Bilder in unserem Kopf selbst entstehen lassen und das regt die Phantasie an.

Können Sie aus der Stimme eines Menschen Dinge über seinen Charakter heraushören? 
Soweit würde ich nicht gehen! (lacht) Aber ich kann zum Beispiel innerhalb von wenigen Minuten sagen, ob mir jemand sympathisch ist oder nicht. Ganz instinktiv, auch wenn ich nicht genau benennen kann, ob es die Stimme, das Auftreten oder was genau es ist.

Sie waren vor Ihrer Schauspielkarriere in der Karate-Nationalmannschaft, waren dreifache Berliner Meisterin. Welche Dinge lernt man durch den Sport, was einem sonst niemand oder nichts beibringen kann? Fehlt Ihnen der Leistungssport im alltäglichen Leben?
Kampfsport hat mich viele Dinge gelehrt: Fairness gegenüber Kontrahenten, Aufzustehen, auch wenn es weh tut und vor allem, dass wir oft zu mehr imstande sind als wir es uns zutrauen! Ein Leben ohne Sport kann ich mir nicht vorstellen. Deshalb bin ich immer noch fleißig am Trainieren. Mein Kampfsportverein Chimosa ist ein bisschen wie mein zweites Wohnzimmer, viele Trainer und Trainingspartner gehören mittlerweile zu meinen engsten Freunden.

Wie wichtig ist Sport als Selbstverteidigung im Leben von jungen Mädchen? Spielt diese Kompetenz auch in einer scheinbaren „sicheren“ westlichen Welt eine wichtige Rolle?
Kampfsport kann jedem helfen, die eigenen Stärken zu entdecken und sich selbstbewusster und besser zur Wehr zu setzen, nicht nur jungen Mädchen. Allerdings ist es keine Wunderwaffe, denn in einer Gefahrensituation spielen so viele Komponenten mit: Wer ist mein Gegenüber? Wie viel Masse hat er? Hat er eventuell auch Kampfsporterfahrung oder trägt er sogar eine Waffe? Dessen sollte man sich immer bewusst sein und im Ernstfall schnellstmöglich Hilfe holen.  

Wie wichtig ist Sport im Leben der Menschen? Mittlerweile gehört ja eine Mitgliedschaft bei einem Fitnessstudio beinahe zum guten Ton… 
Mir bringt Sport Spaß und ich fühle mich danach immer wie neu geboren und ich weiß, es ist für meine Gesundheit wichtig. Ein Stuhl hat vier Beine, fehlt auch nur ein Bein, bricht er zusammen. Für mich stellen Gesundheit und Sport eines dieser Beine des Lebens dar. 

Sport gilt ja auch als seelischer Ausgleich für viele negative Gedanken. Eine Alternative für Menschen, die sehr negativ eingestellt sind?
Für mich ist Kampfsport wie eine Achtsamkeitsübung: Im Sparing-Ring bekomme ich den Kopf vollkommen frei! Denn wenn ich beim Kämpfen über andere Dinge nachdenke, fange ich mir direkt eine. Komplett im Hier und Jetzt zu sein, tut mir immer gut! Ich habe auch mal gelesen, dass Sport depressiven Menschen helfen kann, aus dem Kreislauf negativer Gedanken auszubrechen. Es gibt viele Studien die zeigen, dass Bewegung eine heilsame Wirkung auf verschiedene Krankheiten ausübt.

Sie spielen bei „Kreuzfahrt ins Glück- Hochzeitsreise in die Normandie“ mit. Mit an Bord Neu-Kapitän Florian Silbereisen. Was halten Sie von Kollegen die als „Quereinsteiger“ in die Schauspielbranche einsteigen? 
Ähnlich wie beim Synchron gibt es auch beim Schauspiel kein Erfolgsrezept. In der Branche gibt es viele Quereinsteiger, die ich grandios finde! Ebenso wie fantastische Schauspielkollegen, die Schauspiel studiert haben. Wenn mich ein Schauspieler berührt, ist es mir gleich, ob er Quereinsteiger ist oder an einer renommierten Schule war. Für mich war es immer wichtig, meinen Körper als Instrument weiter auszubilden.

Sind solche Formate wie das Traumschiff mittlerweile in einer so komplexen Welt überhaupt noch zeitgemäß? Am Ende wartet, so kann sich der Zuschauer sicher sein immer ein „Happy End“… 
Gerade in einem so schnelllebigen Zeitalter und bei all den Weltproblemen, sehnen wir uns doch alle nach einem Happy End … 

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