Paula Birnbaum © Alan Ovaska

Durch die sozialen Medien kann man sein öffentliches Bild bis zu einem gewissen Grad gut selbst steuern.

von Laura Bähr

Paula, du hast deine Karriere bei verschiedenen TV-Formaten gestartet. Was denkst du heute über diese Zeit? 
Angefangen habe ich mit elf Jahren bei der ersten Staffel von Internat Schloss Einstein und wenn ich das nicht gedreht hätte, wäre ich heute nicht die Person, die ich jetzt bin. Das hört sich wahrscheinlich drastischer an als es ist, aber das war mein Einstieg in die Filmbranche, der natürlich meine gesamte Entwicklung geprägt hat. Andere fangen mit zehn an zu tanzen oder zu reiten und auch das prägt deren Persönlichkeit und ich habe angefangen mich mit Schauspiel zu beschäftigen und dafür zu begeistern. Die Zeit am Set war großartig, wir waren ja alle in etwa in einem Alter und eine große Clique. Es war eine sehr besondere und auch sehr glückliche Zeit für mich.

Wird man als Kind vor der Kamera schneller erwachsen? 
Wir waren ja fast nur Kinder vor der Kamera, insofern war das was anderes als hätte ich als einziges Kind neben Erwachsenen in einem Film gespielt, wir waren wirklich irgendwann Freunde und haben auch viel Quatsch zusammen gemacht, sind quasi gemeinsam vor der Kamera zusammen groß geworden. Parallel haben wir uns auch in unserer Freizeit getroffen, Freundschaften sind entstanden, das erste Verlieben – das ist was anderes, als wenn man nur mit erwachsenen Schauspielern am Set dreht. Aber natürlich muss man professionell sein, seine Texte lernen, parallel zur Schule gehen und auch mit der Popularität „umgehen“. Aber als bspw. – Handballer muss man auch sehr diszipliniert sein, trainieren und zu Turnieren fahren, drehen war wie ein Hobby für mich. Das hat sich bei mir alles irgendwie intuitiv eingestellt und ich habe das nie als Last und teilweise auch gar nicht als besonders wahrgenommen, mich erstaunt heute manchmal meine Normalität des Umgangs damals damit. Die Popularität hat mir wahrscheinlich ein paar „Coolness“ Punkte bei anderen Kindern eingebracht, das hat bestimmt ein paar Türen geöffnet und auch das Selbstbewusstsein gestärkt – aber das kann ich auch eher aus der heutigen Perspektive sehen, als das mir das damals bewusst war.

Was hat dir die Schauspielerei gegeben? 
Ich habe einfach wahnsinnig gerne gespielt, das hat mich entfacht! Schauspiel war meine Leidenschaft, eine tolle Form sich ausdrücken oder auch ausleben zu können. Außerdem habe ich dadurch viele Gleichgesinnte getroffen, die bspw. ähnlich laut oder verspielt, kreativ waren wie ich und mit denen ich auf einer menschlichen Welle war. Ich fühlte mich verstanden, angekommen – das war ein großes Geschenk! Außerdem habe ich ja dann mit 14 angefangen professionellen Schauspielunterricht zu nehmen und dadurch früh auch Handwerk gelernt: Menschen beobachten und Stimmungen wahrnehmen, Szenen analysieren, ein gewisse Präsenz und Haltung aber auch Sensibilität und Offenheit trainieren, nicht zu vergessen sogar die Stimme richtig einzusetzen. Das erlernte habe ich dann direkt in der Arbeit anwenden können. Ich habe Interviews gegeben, Erfahrungen am Set und bei Castings gemacht, mit Agenten und Presseagenten zusammengearbeitet, über 500 Drehtage gehabt.  Das war wie eine unterschwellige Ausbildung über zwanzig Jahre, diese Zeit bildet einen Großteil des Fundaments meiner Arbeit heute und lässt mich meine Klienten sehr gut verstehen und in ihrem Sinne handeln.

Bist du bis heute ein Fan der deutschen Fernsehlandschaft? 
Ich verstehe diesen „Trend“ der Abneigung gegen die deutsche Fernsehlandschaft nicht, es gibt wirklich tolle deutsche Filme und Serien. Immer wieder lese ich Drehbücher und sehe Filme, die mich umhauen und auch berühren oder Dinge sichtbar machen… gerade erst war ich bei der Verleihung der Deutschen Fernsehakademie und habe eine geballte Ladung toller deutscher Filme präsentiert bekommen!

Wieso hast du mit der Schauspielerei aufgehört? 
Ich hatte immer auch andere Interessen, habe parallel zum drehen Philosophie und Theaterwissenschaften studiert, sehr gerne gemalt, gelesen etc. Außerdem waren auch die Rollen-Angebote, die ich hatte, gelinde gesagt nicht so spannend, es schlichen sich langsam Zweifel ein und die Freude am Spiel wich. Diesen Rollen nun mein Leben widmen? Dazu gab es Jahre in denen ich grad mal zehn Drehtage hatte und damit wuchs das Lampenfieber, das einen unter großen Druck setzen kann. Das ist dann ein Kreislauf gegen den man wenig ausrichten kann, man kann nicht einfach sagen, nun bin ich besonders fleißig und dann wird es wieder. Das hat mich gestört, ich wollte mein Leben in meiner Hand haben oder wenigstens das Gefühl haben selbst zu steuern. Dann wurde mir nach meinem Studium die Leitung der Abteilung Schauspiel in einer großen Berliner Agentur angeboten und ich habe mich in den Beruf des Agenten verliebt: auf einmal konnte ich handeln, mich einsetzen und steuern- eine neue Leidenschaft war geboren! Alles schien möglich, wo mir vorher die Hände gebunden waren und ich konnte meine praktischen Erfahrungen und Beobachtungen der letzten zwanzig Jahre weitergeben und miteinfließen lassen…

Du hast Philosophie und Theaterwissenschaft an der Freien Universität Berlin studiert. Was hast du aus deiner Studienzeit mitgenommen? 
Denken! Also tatsächlich: Anfangs habe ich mich in Seminaren nicht getraut meine Gedanken auszusprechen, da waren so viele andere kluge Studenten und mit der Zeit habe ich gelernt, dass ich meinen eigenen Gedanken vertrauen kann und sie auch wirklich weiterdenken und ausformulieren kann ohne mich vorab selbst gedanklich zu beschneiden „weil man das ja sowieso nicht verstehen kann“-  das Vertrauen in den eignen Kopf, war eine wichtige Lektion für mein gesamtes Leben. Außerdem wurde ich sensibilisiert etablierte Begriffe erstmal anzusehen und sich zu fragen, was bedeutet das eigentlich? Eine Art „Gedankengenauigkeit“. Und natürlich habe ich einen Haufen herrlicher Theaterstücke gesehen und die Küche meiner damaligen WG hat Geschichte geschrieben!

2018 hast du dich mit deiner PR & Management Agentur selbstständig gemacht. Wie kam es dazu? 
Ich wollte mich nicht auf den ersten Job nach dem Studium gleich festlegen und auch noch andere Richtungen ausprobieren – so habe ich nach der Leitung der Abteilung Schauspiel noch kurz bei einer Casterin gearbeitet, war an einer Filmhochschule hinter den Kulissen tätig, habe für die Aurelia Stiftung eine Veranstaltungsreihe – den Aurelia Salon – aufgebaut und in einer renommierten Presseagentur gearbeitet… aber mich hat das Grundgefühl als Agentin etwas bewegen zu wollen nie losgelassen und so habe ich 2018 aus jedem Bereich etwas mitgenommen und mich selbständig gemacht. 

Deine Agentur verknüpft PR und klassische Agenturvertretung. Was ist das Besondere an dieser Symbiose? 
Normalerweise haben Schauspielagenturen keinen eigenen PR-Bereich, das machen generell externe PR-Agenten. Aber durch meine Zeit als Presseagentin habe ich gelernt wie wichtig ein Presseagent ist und wie stark diese Arbeit sich auf die Karriereentwicklung eines Schauspielers auswirken kann. Durch das Angebot von beiden Bereichen, kann ich das inhouse gut steuern und in allen Bereichen trommeln…

Was macht eine gute Pressearbeit in Zeiten von sozialen Medien und Influencern aus? 
Eine gute Pressearbeit findet natürlich auch in den sozialen Medien statt, was wird, wann und wie gepostet. Dazu gibt es ja auch extra Formate für Instagram & Co. Gerade auf Instagram kann man sehr gut die Werbetrommel rühren oder auf Linkedin Artikel platzieren. Durch die sozialen Medien kann man sein öffentliches Bild bis zu einem gewissen Grad gut selbst steuern. Trend ist, dass einige Schauspieler und Moderatoren mittlerweile den Influencer – Markt bedienen und manche Influencer versuchen den der Schauspieler oder Moderatoren zu erreichen. 

Braucht man heute überhaupt noch eine Agentur, wenn man sich durch Instagram ganz einfach selbst vermarkten kann? 
Natürlich. Instagram kann als ein Werbemittel genutzt werden, aber das kann man mit der Arbeit einer PR-Agentur, die eine durchdachte Platzierung und eine Strategie verfolgt, sowie über ein Netzwerk und Erfahrungswerte verfügt, überhaupt nicht vergleichen.

Wonach wählst du deine Klienten aus? 
Ich muss komplett hinter der Idee, der Vision oder dem Können stehen. Ich will und muss für meine Klienten brennen, sonst kann ich als Agentin nicht gut sein. Außerdem spielen Sympathie und ein hohes Maß an Professionalität eine wichtige Rolle, wir arbeiten eng zusammen, und ich möchte bei meinen Klienten ausschließlich gern ans Telefon gehen. Bei den Schauspielern muss ich sofort eine Vision für den Schauspieler haben und fest davon überzeugt sein, dass es sich um ein Ausnahmetalent handelt.  Bei der Personality-PR muss mich die Persönlichkeit begeistern.

Was muss man heute als Nachwuchstalent mitbringen, um in der Medienbranche erfolgreich zu sein? 
Die Medienbranche ist ja ein weiter Bereich, das kommt jetzt sehr darauf an wo. Generell: Sich nicht von seinem Weg abbringen lassen und immer weiter gehen, nicht stillstehen, sondern immer weitermachen. Das klingt wie eine Phrase, aber das ist meiner Meinung nach wirklich die Grundlage. Und mein Vater sagte mal zu mir „Go with the flow“ – das war tatsächlich immer irgendwie richtig.

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