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Gründerin Jula Holtzheimer von JAN‘ N JUNE © Bart Barczyk

Es wird immer schwieriger die Augen vor den widrigen Produktionsbedingungen der Modebranche zu verschließen.

von Laura Bähr & Jan Pries

Im August 2014 habt ihr euer eigenes Modelabel gegründet. Warum habt ihr euch mit JAN‘ N JUNE selbstständig gemacht und wie kam es dazu?

Anna und ich sind 2014 mit der Intention an den Start gegangen, ein nachhaltiges Label zu gründen, was bezahlbar und gleichzeitig hochmodisch ist. Wir sind beide Fashionlover und haben uns immer gefragt, warum es keine stylische Mode gibt, die zugleich auch nachhaltig ist: nachhaltig, modisch und bezahlbar sollte unser Alleinstellungsmerkmal sein. Ausschlaggebend war dann letztendlich ein Besuch auf der Ethical Fashion Show in Berlin, wo wir gemerkt haben, dass es damals sowas nicht wirklich gab. In dem Moment wurde uns klar, dass wir unbedingt unser eigenes Label gründen müssen, sonst hätte jemand anderes diese Marktlücke besetzt.

Jula, Wie kamst du zur Mode?

Ich habe Mode und Designmanagement in Hamburg und Supply Chain Management in Schweden studiert. Ich habe mich vor allem im Master in Schweden sehr viel mit Nachhaltigkeit beschäftigt. Anna und ich haben uns damals für die Selbstständigkeit entschieden, weil wir uns sicher waren, das ist eine Marktlücke, das müssen wir machen, auch wenn wir davor nie den Plan hatten uns mit einem eigenen Label selbstständig zu machen.

Nachhaltige Mode boomt nun schon einige Zeit. Wie kannst du dir das erklären?

Ich glaube es wird immer schwieriger die Augen vor den widrigen Produktionsbedingungen der Modebranche zu verschließen. Zuerst wurde es bei den Lebensmitteln immer wichtiger, dann bei den Beautyprodukten. Die Mode stand immer ein bisschen hinten an. Aber wenn man keine Mango aus Spanien mehr kaufen will und auf Bio-Eier achtet, dann kann man eben auch nicht mehr das Shirt für 4,99 Euro kaufen. Zum anderen wehren sich immer mehr Kunden gegen die Flut an neuen Kleidungsstücken.

Wie läuft die Produktion ab und welchen Weg nimmt ein Kleidungsstück bei euch?

So eine Wertschöpfungskette in der Mode ist super komplex. Die fängt ja meistens schon bei dem Anbaugebiet der Baumwolle an. Wir unterscheiden zwischen ökologisch und fair und achten natürlich immer auf beides. Unsere Produktionsstätte ist in Polen, ein Familienbetrieb, der mit der Herstellung unserer Kleidungsstücke mittlerweile voll ausgelastet ist. Das gute ist dort, dass die Näherinnern fest angestellt sind, fair entlohnt und nicht nach Stück bezahlt werden, sondern ein festes Gehalt bekommen. Das ist in der Branche nicht üblich, aber für uns als nachhaltiges Label sehr wichtig. Wir stehen in engem Kontakt zu den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und besuchen den Betrieb auch mehrmals im Jahr persönlich.

Und wie nachhaltig sind eure Materialien, die ihr verwendet?

Anna macht sich für unsere Kollektionen immer auf die Suche nach tollen Materialien. Uns war es von Anfang an wichtig, dass wir nicht nur Naturfasern, wie Leinen und Baumwolle verwenden, sondern auch außergewöhnlichere Stoffe, die zum Beispiel aus Altkunststoffen aus dem Meer hergestellt werden. Das Material ist atmungsaktiv und eigentlich für den Sport gedacht. Wir haben das aber einfach zweckentfremdet und machen daraus jetzt Mode, die auch alltagstauglich ist. Beim Einkauf der Materialen sind wir auf die ausgewiesenen Zertifikate angewiesen. Es steht einfach nicht in unserer Macht jeden Stoff einzeln zu überprüfen, deswegen müssen wir uns da auf die gängigen Zertifikate verlassen. Aber da achten wir sehr genau drauf und kaufen auch nur Stoffe ein, die mit vertrauenswürdigen Zertifikaten versehen sind.

Was macht eure Mode besonders?

Wir sind natürlich nordisch unterwegs, also eher zurückhaltender und schlichter. In dieser Saison gibt es zum ersten Mal Prints, aber ansonsten sind unsere Entwürfe minimalistisch geprägt. Viele vergleichen uns mit Labels aus Dänemark und Schweden.

Woher nehmt ihr die Inspirationen für eure Entwürfe?

Wir designen eigentlich bis heute für uns selbst. Wir schauen in unseren Schrank und fragen uns, worauf wir gerade Lust haben und was wir persönlich gerne tragen würden. Dazu gehören zum einen besondere Lieblingsteile und natürlich Alleskönner, die man immer wieder trägt, aber auch ein paar Key-Pieces, die gerade im Trend sind.

Gibt es ein Teil von JAN‘ N JUNE, das heraussticht?

Wir haben ein Top, das „Triangle-Top“, das ist unser Bestseller. Wir bieten das in weißem Leinen, aber auch in schwarzem Tencel an. Das ist ein ganz schöner, angenehmer Stoff, quasi die nachhaltige Viskose. Es ist eigentlich ganz schlicht mit Spaghettiträgern, die aber relativ weit hoch gehen. Ich glaube das ist das Geheimnis, dass man den BH nicht sieht und man sich damit ein bisschen angezogener fühlt.

Designt ihr auch Mode für Männer?

Das ist auf jeden Fall geplant, auch noch für dieses Jahr. Zunächst erstmal nur für unseren Online-Store, aber wir nehmen uns den Männern bald an *lacht*.

Wie entwickelt sich euer Geschäft?

Man sagt bei Mode immer, dass man dem ganzen mindestens 6 Kollektionen, also 3 Jahre geben muss, bevor man sagen kann, ob sich ein Label trägt oder nicht. Das Ganze ist schließlich ein Lifestyleangebot, wofür man eine Marke entwickeln muss. Bei uns war das schon früher klar. Wir sind mit kleinen Schritten gestartet, aber mittlerweile haben wir sogar festangestellte Mitarbeiter und sind in 70 Läden in ganz Europa vertreten. Wahrscheinlich würden wir deutlich mehr verdienen, wenn wir beide nach dem Studium zu einem großen Label oder einer Marke gegangen wären, aber dafür sind wir nun unsere eigenen Chefs und machen das, was wir lieben.

Ist die Marktlücke mittlerweile nicht gefüllt?

Es sprießen natürlich immer mehr junge Labels aus dem Boden, die sich nachhaltiger Mode widmen. Ich halte den Markt aber noch lange nicht für gesättigt und ich glaube, da herrscht auch eine gute Konkurrenz. Mit mehr Labels können wir auch immer mehr Menschen für nachhaltige Mode gewinnen. Wenn man einen eigenen Stil ausgearbeitet hat, dann sehe ich die Vielfalt eher als Bereicherung in der Branche.

Was hälst du von den „grünen Modelinien“ großer Konzerne wie H&M oder Mango?

Einerseits finde ich das natürlich gut, weil sie eine große Masse erreichen, die sich dadurch vielleicht zum ersten Mal mit nachhaltiger Mode auseinandersetzt, andererseits ist es natürlich „greenwashing at it‘s best“, um die eigene Marke positiver darzustellen, als sie ist.

Wie wichtig sind Social Media wie Instagram für euer Geschäft und kommt man als Modelabel noch ohne aus?

Tatsächlich bekommen wir den meisten Traffic auf unserer Webpräsenz über Social Media. Das ganze Social-Media-Prinzip ist eigentlich super für junge Unternehmen, weil man sich so kostengünstig selbst vermarkten und eine eigene Marketingstrategie entwickeln kann.

Wie bezahlbar ist eure nachhaltige Mode?

Natürlich können wir nicht mit Preisen von Großkonzernen wie H&M mithalten. Die produzieren allerdings auch unter sehr fragwürdigen Bedingungen. Zudem ist es so, dass H&M beispielsweise die T-Shirt-Preise subventioniert, indem andere Produkte im Angebot umso teurer sind. H&M kann T-Shirts für 4,99 Euro eigentlich gar nicht mehr herstellen, dafür sind die Baumwollpreise viel zu hoch. Die haben ihre Kunden sehr stark konditioniert und kommen jetzt davon nicht mehr los. Das teuerste Teil unserer aktuellen Kollektion ist ein Mantel für 180 Euro. Also ein gutes mittelpreisklassiges Segment. Man findet aber auch bereits T-Shirts für 30 Euro.

Zum Abschluss noch eine Frage: Wie wird sich JAN‘ N JUNE im Sommer 2019 präsentieren?

Die Kollektion bekommt wieder einen Print, weil der in dieser Saison so gut lief. Von den Farben her wird es sehr frisch, aber natürlich sind die Klassiker schwarz, grau und weiß auch vertreten. Und wir vergessen natürlich auch nicht, dass wir in Hamburg eigentlich nicht so viel Sommer haben, deswegen ist an den meisten unserer Teile auch ein bisschen mehr Stoff dran *lacht*.