Jane Chirwa © Aleksander Stojanov

Ich glaube, dadurch dass zum Glück immer mehr Menschen eine Stimme bekommen, wird es auf der Welt immer lauter.

von Laura Bähr

Jane, du bist als Kind von Mannheim nach Berlin gezogen. Worin liegen die größten Unterschiede zwischen dem Norden und dem Süden Deutschlands? 
Jane Chirwa: Ich war natürlich noch sehr jung, als ich im Süden großgeworden bin, habe aber immer noch Freunde dort.Die Menschen im Süden sind geschwätziger und man spürt auch deutlicher den Wohlstand. Ich mag es sehr im Süden zu sein, nicht nur wegen den putzigen Dialekte, sondern auch aufgrund der Herzlichkeit der Menschen. 

Du hast eine Zeitlang in Südafrika gelebt und bist zur Hälfte Afrikanerin. Was bedeutet Heimat für dich? 
Heimat kann unglaublich viel sein. Eine Person, bei der man sich sofort zuhause fühlt oder Musik. Heimat kann aber auch eine Sozialisierung sein, Dinge, die man mit Orten oder der Sprache verbindet. Ich glaube dafür braucht es nicht unbedingt eine nachweisbare Verbindung, sondern einfach ein gutes Gefühl. Natürlich verspüre ich auch eine große Sehnsucht nach Afrika, weil da meine Wurzeln sind. Diesen Kontinent möchte ich in den nächsten Jahren noch viel besser kennen lernen.

Du hast schon früh „die Bretter der Welt“ betreten und dich mit Schauspiel beschäftigt. Was fasziniert dich an dem Beruf? 
Ich habe mit fünf Jahren angefangen zu tanzen und fand es damals schon toll einen Ort zu haben, wo man alles darf. Beim Film fasziniert mich die Reichweite, die man als Schauspieler bekommt. Man kann Menschen, mit dem was man tut, berühren. Die Möglichkeit Geschichten zu erzählen und mit anderen Menschen in Kommunikation zu treten, ohne sie zu treffen. Ich liebe es auch immer wieder neue Dinge von mir selber zu lernen, die durch die verschiedenen Figuren, die ich spiele, zu Tage kommen. In andere Identitäten zu schlüpfen hat teilweise etwas Übernatürliches.

Gibt es auch Schattenseiten?
Man wird natürlich auch manchmal durch das Spielen einer Rolle mit negativen Dingen konfrontiert. Eine Schattenseite ist aber meiner Ansicht nach eher das große Filmbusiness drum herum. Um sich in diesem Business nicht zu verlieren, muss man sehr auf sich hören und Acht geben.

Wie wichtig ist Aussehen in der Schauspielbranche? 
Beim Film spielt Aussehen natürlich eine viel wichtigere Rolle, als zum Beispiel beim Theater. Die Frage ist immer inwieweit spielt man bei dem Spiel, was einem die Gesellschaft vorgibt, mit und inwieweit macht man das, womit man sich selber wohlfühlt. Gehe ich öfter zum Sport und achte auf meine Ernährung oder mag ich mich so, wie ich bin, auch wenn ich dann vielleicht nicht dem Idealbild entspreche. Aber ich glaube, dass ich einige Rollen auch bekommen habe, weil ich ein Gesicht habe, das dem aktuellen Schönheitsideal entspricht. Da sollte man sich nichts vormachen.

Du hast über 20 Tausend Follower auf Instagram. Wie nutzt du die App für dich?
Ich folge ganz vielen Kameraleuten, Fotografen, Choreografen und Tänzern. Die App birgt wirklich tolles Inspirationspotential. Ich liebe es auch, dass man mit vielen internationalen Künstlern in Berührung kommt und man sich über Länder und Meere hinweg kennenlernen kann. Außerdem nutze ich die Plattform als Sprachrohr für verschiedene Themen, die mir am Herzen liegen.

Viele Jugendliche scheinen sich heutzutage beinahe nur noch über ihr Äußeres und ihr Auftreten in den sozialen Medien zu definieren. Kennst du das Gefühl des Vergleichens durch den Gebrauch dieser Medien? 
Ja natürlich. Ich glaube, wenn man so jung ist, ist das wirklich die Hölle und richtig gefährlich. In diesem Alter versteht man noch nicht, wie Menschen sich verkaufen und wie das ganze System funktioniert. Viele Jugendliche können nicht zwischen der Realität und dieser Scheinwelt unterscheiden. Deswegen ist es mir auch so wichtig, dass ich diesem Trend durch mein Profil nicht folge. Natürlich habe ich auch manchmal Tage, an denen ich mich vergleiche und mich nicht gut fühle. Aber es wird immer Menschen geben, die da sind, wo man hinwill. Es wird aber auch immer Menschen geben, die da sind, wo man selber schon war. Und das gab es natürlich auch beides schon vorInstagram und Co. Meistens spielen sich solche Szenarien im Kopf ab, werden aber natürlich von den sozialen Medien extrem getriggert.

Auf deinem Instagram-Account teilst du außerdem viel Kunst. Ist Kunst für unsere Gesellschaft heute noch von Relevanz? 
Da muss man sich erstmal die Frage stellen, was ist Kunst und ab wann ist etwas Kunst und wer darf das überhaupt entscheiden (lacht). Was ich nicht mag, ist, wenn Leute nur etwas kreieren, um der breiten Masse zu gefallen und es gar nicht mehr um die Kunst oder die Aussage an sich geht. Zum Beispiel beim Film: Früher war es ein Highlight ins Kino zu gehen, heute schauen Menschen Filme als Nebenbeschäftigung, während sie sich unterhalten oder kochen und putzen. 

Also verändert sich alles zum Schlechten? 
Nein, es verändert sich eben. Man sollte versuchen positiv zu denken darf auch nicht nur negativ eingestellt sein, sonst vergeht einem die Lust auf alles. Es gibt wahnsinnig tolle Künstler, aber natürlich ist es frustrierend, wenn nur die kommerziellen Projekte gefördert werden und die genialen Projekte kaum oder gar nicht unterstützt werden.

Du spielst seit einiger Zeit in der Serie „In aller Freundschaft die jungen Ärzte“ mit. Welchen Zugang hast du zur Medizin? 
Medizin war für mich ein ganz neues Gebiet. Ich war zum Bespiel vorher auch noch nie im Krankenhaus. Hilfreich war tatsächlich, dass meine Cousine aktuell Assistenzärztin ist und ich sieviel fragen durfte, wie man etwas ausspricht und so weiter (lacht). Mittlerweile habe ich gemerkt, dass ich viel weniger Angst vor dem Krankenhaus habe und den Menschen dort eher mit Interesse und Neugier begegne. 

Du hast auch bei der Netflix Serie „Berlin Station“ mitgespielt, bei der eine internationale Spionage-Geschichten aus amerikanischer Sicht in Berlin erzählt wird, und spielst an der Seite von Kirsten Stewart in „Charlies Angels“. Worin unterscheiden sich internationale Produktionen von den Deutschen? 
Die größten Unterschiede bei internationalen Projekten sind für mich der freundlichere Umgang und dramatischere Szenen. Bei den deutschen Filmen sind die Dinge organisierter. In Deutschland bekommt man Wochen vorher das Drehbuch und es läuft alles nach Plan –international wird da viel mehr spontan umgestellt. Aber natürlich kommt es auch immer auf das Team und den Regisseur an. 

Die zweite Staffel überrascht im Herbst 2017 mit einem sehr deutschen Thema, denn es geht um eine erstarkende rechte Partei, die der AfD ähnlich scheint, und „Perspektive für Deutschland“ heißt. Wie stehst du zur aktuellen politischen Lage?
Ich glaube das Wichtigste ist, dass wir Menschen uns mehr aufeinander einlassen und uns zuhören. Eine größere Sensibilität entwickeln und füreinander einstehen. Unseren Mund aufmachen, selbst wenn uns ein Problem nicht direkt betrifft.  Wenn wir es schaffen, die Grenzen zwischen uns einzureissen, werden wir stärker als Gruppe. Und das ist dringend nötig.

Haben wir es verlernt aufeinander zu hören? 
Ich glaube, dadurch dass zum Glück immer mehr Menschen eine Stimme bekommen, wird es auf der Welt immer lauter. Jeder, vor allem in der westlichen Welt, hat heute die Möglichkeit etwas zu sagen und seine Meinung öffentlich zu machen. Diese Veränderung macht „nicht unterdrückten Menschen“ Angst, weil sie nicht mehr alles für sich alleine haben können und dadurch oft andere Stimmen gar nicht erst hören oder zulassen wollen. 

Du setzt dich auf deinen sozialen Netzwerken für große Themen, wie den Welthunger und den Plastikkonsum ein. Was möchtest du damit erreichen?
Ich glaube die Frage ist immer, mit was wir uns auseinandersetzen. Je mehr man sich mit Dingen Tag für Tag beschäftigt, desto normaler werden sie. Ich hoffe, dass ich durch die Präsentation dieser Themen auf meinem Profil Menschen näher an die Problematik heranführen kann. Irgendwann ist es für sie dann auch ganz normal keine Plastiktüte mehr zu kaufen (lacht). 

Gab es da schon positives Feedback? 
Ja, bei einigen schon und das ist ein tolles Gefühl. Wenn ich zum Beispiel morgens zum Sport gehe und dann von einigen Followern ein Bild zugeschickt bekomme, dass sie sich aufgrund meines Bildes auch aufraffen konnten oder mir Tanzvideos mit ihrer eigenen Choreographie schicken- das freut mich immer sehr! 

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