Julia Wulf © RTL II

Es gibt immer Ausnahmen und Nischen in der Szene, aber die muss man auch erstmal finden und besetzen können.

von Laura Bähr

Julia, ab dem 27. April bist du in der RTL II Serie „Wir sind jetzt“ bei TVNOW zu sehen. Wie bist du zur Schauspielerei gekommen?
Julia Wulf: Tatsächlich wurde ich überraschend zum Casting eingeladen, habe meinen Text vorgetragen und bin direkt genommen worden. Natürlich hatte ich schon länger mal über einen Ausflug in die Schauspielerei nachgedacht, weil es sich in meiner Branche auch einfach anbietet. Aber der Gedanke war noch nicht genug ausgereift, dass ich das Ganze selbst in die Hand genommen hätte und jetzt hat es sich eben von ganz alleine ergeben.

Du hast für deine Rolle bei drei Monate lang eine Schauspielschule besucht. Braucht man deiner Meinung nach eine Schauspielausbildung um vor der Kamera wirklich zu überzeugen?
Ich habe die Schauspielschule tatsächlich erst nach den Dreharbeiten besucht, davor hatte ich nur ein paar Stunden. Es sagt einem vor Drehbeginn natürlich keiner „hey, mach jetzt mal bitte einen Kurs“, aber ich dachte mir Schauspielerei ist ein Handwerk, genauso wie singen oder tanzen, dass man lernen kann. Mir war klar, dass ich auf dem Gebiet auch in Zukunft tätig sein möchte, deswegen wollte ich das einfach lernen, um mich wohler zu fühlen. Gerade beim „Aussichrauskommen“ hat mir die Schule da sehr geholfen. Da ist man dann mal eine halbe Stunde ein Wurm und robbt auf dem Boden. Das sind Sachen, die man als Schauspieler schamlos abrufen können muss, sich so aber nie trauen würde. Da helfen einem solche Übungen schon sehr – Übung macht den Meister.

„Wir sind jetzt“ gilt als Generationsportrait – spiegeln die Probleme der Protagonisten deiner Ansicht nach wirklich die Probleme der Jugend von heute?
Sicherlich. Ich hatte persönlich nie so viele „Jungsprobleme“, wie in der Serie thematisiert werden. Aber das lag auch einfach an mir, dass ich da nie so viel Interesse daran hatte. Den Rest kann ich aber auf jeden Fall nachfühlen.

Die Serie stellt die Frage, was es bedeutet erwachsen zu werden. Was bedeutet es für dich?
Man schaut plötzlich über einen ganz anderen Tellerrand. Früher ist man zur Schule gegangen und alle Dinge waren irgendwie damit verknüpft. Man beschäftigt sich in dieser Zeit gar nicht mit den ganzen Welten, die außerhalb dieses Kosmos liegen. Nach der Schule ist man dann plötzlich auf sich alleine gestellt, muss sich selbst finden und so komplizierte Dinge wie eine Steuererklärung machen. Und nicht nur die Steuererklärung – auf einmal kommen ganz viele Probleme auf einen zu, die man nie in der Schule gelernt hat. Es ist auf jeden Fall ziemlich anstrengend und ich glaube ich bin auch noch lange nicht fertig mit dem Erwachsen werden. (lacht)

Werden wir heute langsamer erwachsen als unsere Eltern und Großeltern?
Auf jeden Fall. Heute ist es normal, dass man viel mehr Pausen macht, sich mehr Zeit gönnt sich zu finden und die Welt zu entdecken. Das ist meiner Meinung nach auch ein enormer Fortschritt, schließlich ist das Leben in erster Linie dazu da, gelebt zu werden und nicht nur um zu arbeiten.

Du hast mit Anfang 20 früh geheiratet. Teilst du das Gefühl, dass unsere Generation sich nicht festlegen will und das schon gar nicht in Sachen Partnerschaft?
Ja, definitiv. Man bekommt durch das Internet in ganz vielen Bereichen ständig das Gefühl vermittelt, etwas zu verpassen und da ist die Liebe keine Ausnahme. Jeder sammelt so viel Erfahrung im Leben und kommt mit so vielen Menschen in Kontakt, dass viele glaube ich Angst haben, etwas Besseres vorbeiziehen zu lassen, wenn sie sich zu früh festlegen. Ich hatte die Angst tatsächlich gar nicht und war glücklich so schnell so jemanden gefunden zu haben.

Die „Wir sind jetzt“-Story wird auf verschiedenen Social-Media-Kanälen weitererzählt. Ist das für dich ein Format der Zukunft?
Ich denke man muss heutzutage aufs Internet ausweichen, um die Geschichten zu erzählen. Ich kenne so viele Menschen in meinem Alter, die gar keinen Fernseher mehr besitzen, ich selbst auch nicht. Vielleicht ist das auch nur ein Großstadtphänomen, ich denke da häufig auch nur im Berlin-Hamburg-Spektrum. (lacht) Trotzdem müssen sich die ganzen Fernsehmacher auch ein neues Jahrhundert einstellen. Ich bin auch gespannt wie lange Instagram noch so bestehen bleibt. Facebook war schließlich auch lange Zeit das Größte, was man sich im Netz vorstellen konnte und dann haben sie sich selber zerstört.

Welchen Stellenwert nimmt Instagram in deinem Leben ein? 
Instagram hat mein Leben verändert, eigentlich sogar revolutioniert. Wenn ich viel in der Bahn sitze, nutze ich auch viel Instagram und ertappe mich immer wieder dabei mir irgendwelche Stories anzuschauen, obwohl ich das eigentlich weniger machen wollte, weil es einem am Ende des Tages nichts bringt. Ich muss mich da auch nicht unbedingt updaten, was andere machen, sondern nutze das eher nur für mich als persönlichen Kanal.

In einem Interview sagtest du mal, du verfolgst auf IG keine Strategie – ist das immer noch so?
Ja, das ist immer noch nicht so. Ich tue mich aber auch einfach schwer einem Stil zu folgen, sowohl in der Art meiner Bilder, als auch in meinem Style. Ich bin kein Blogger und will auch nicht so aussehen – alles perfekt inszeniert – jedes Bild derselbe Look. Ich möchte da keinen verurteilen, aber es wäre einfach nicht mein Ding.

Du machst immer wieder mit ehrlichen Posts auf dich aufmerksam, wie beispielsweise Bildern, die dich mit Dehnungsstreifen zeigen. Wie sehr beeinflusst dich das „immer perfekt sein müssen“ in der digitalen Welt?
Tatsächlich sehr wenig, weil ich die Leute auch häufig „in echt“ kenne und mich oft frage, wie das ein und dieselbe Person sein kann. (lacht) Ich finde man sollte sich dem ganzen Trend nicht zu sehr beugen.

Du wirst immer wieder mit Gerüchten um deine Figur konfrontiert – als Person der Öffentlichkeit, inwieweit muss man sich den Fragen und der Kritik der Gesellschaft stellen?
Ich finde das Thema einfach total unnötig und frage mich auch oft, was die Leute da eigentlich für einen Narren an mir gefressen haben. Ich habe noch nicht einmal Untergewicht! Manchmal macht es auf mich auch den Anschein, als ob die Presse immer irgendwas braucht, um darüber zu schreiben und herzuziehen und bei mir ist es jetzt halt die angebliche Magersucht.

Man kennt dich auch aus deiner Zeit bei GNTM. Konntest du während der Show viel für dein Business heute mitnehmen?
Ich kann immer noch nicht so gut meine Klappe halten, obwohl ich weiß, dass man sich in dem Bereich besser tut, wenn man einfach immer lächelt und nickt. Wie die Branche eben ist, vorneherum ganz freundlich und hintenherum wird dann gelästert. Man muss da einfach aufpassen, was man wie zu welchen Menschen sagt, aber den Bogen habe ich auch noch nicht ganz raus. (lacht)

Formt die Show wirklich Models oder nicht eher Persönlichkeiten für die deutsche Promi-Szene?
Definitiv eher Promis für die Szene. Es wird ja auch zum Beispiel gar nicht mehr auf Maße geachtet. Klar gibt es immer Ausnahmen und Nischen in der Szene, aber die muss man dann auch erstmal finden und besetzen können. GNTM nimmt ja mittlerweile auch Models an, die viel zu klein sind und niemals die passenden Maße haben werden. Die Macher casten ihre Mädchen eher nach dem Unterhaltungsprinzip.

Du hast nach deinem Ausstieg bei GNTM ein Praktikum bei „You & Idol“ gemacht. Wäre das auch ein Job für dich?
Nein. Ich wusste schon immer, dass ich irgendwas Eigenes aufbauen möchte und nicht von „9 to 5“ arbeiten. Gerade wenn man auch schon mal ein bisschen Geld gemacht hat und selbständig arbeiten durfte, will man da auch keinen Rückschritt in Kauf nehmen. 

Verlangt unsere Generation da vielleicht zu viel? Die Arbeit muss uns erfüllen, gut bezahlt sein und mit flache Hierarchien…
Nein, finde ich nicht. Vielleicht ist unsere Mentalität noch nicht so weit, aber in anderen Ländern funktioniert es ja schließlich auch. Das ist ein bisschen wie bei den Taxis und dem Car-Sharing-Prinzip. Natürlich waren die Taxis zuerst da und haben auch immer gut funktioniert, aber das ganze Car-Sharing-Prinzip hat den Markt einfach revolutioniert. Es ist einfach viel besser und effizienter, wenn man mehrere Menschen mitnimmt und dafür vielleicht einen kleinen Umweg in Kauf nimmt. Auch wenn etwas von Anfang an so war, heißt das ja nicht, dass es nicht noch eine bessere Lösung gibt. Und „mehr vom Leben haben“ ist meiner Ansicht nach auf jeden Fall die bessere Lösung.

Dein großes Hobby sollen Ikea-Besuche sein. Wie wichtig sind dir Möbel und Designgegenstände?
Ich liebe Ikea als Erlebnis – überall gibt es was zu Essen und schöne Dinge, da herrscht einfach ein tolles Flair. In meiner eigenen Wohnung ist aber tatsächlich nur die Küche von Ikea, weil ich das Gefühl nicht mag, wenn man irgendwo reinkommt und es sieht aus wie bei jedem. Da shoppe ich lieber ein bisschen individueller und auch mehr Vintage. Wenn ich nicht Model wäre, wäre ich auf jeden Fall Makler geworden.

Was macht ein schönes Zuhause aus? 
Ich liebe Altbauten und hohe Decken. Viel Stuck und große alte Möbel – nichts Modernes. In Schlössern fühle ich mich pudelwohl.

Du kaufst gerne Vintage ein. Hat der nachhaltige Modetrend deiner Meinung nach wirklich eine Chance und nutzt du selbst Apps wie Kleiderkreisel und Vestaire Collective?
Auf Kleiderkreisel wurde tatsächlich mein Account gesperrt, weil ich ein Paket zu spät abgeschickt hatte. (lacht) Ich freue mich natürlich sehr, dass sich der Trend immer mehr durchsetzt und ich habe auch die Hoffnung, dass das so bleibt. Dass immer mehr Menschen das vier Euro T-shirt hinterfragen. Klar ist das bestimmt ein tolles Shirt und ein unschlagbarer Preis, aber meistens hat man schon ganz viele tolle Shirts und wenn man sich überlegt, wie dieses Kleidungsstück gefertigt wurde, hat man vielleicht auch weniger Freude daran. Ich schaffe es aber natürlich auch nicht immer mich der Fast-Fashion-Amziehung zu entziehen, aber ich glaube, wenn jeder da ein bisschen mehr darauf achten würde und nur jedes dritte Teil kauft, dann wäre der Welt schon viel geholfen. 

Du bist mittlerweile auch Gesicht für große Kampagnen von Marken wie Converse. Musst du persönlich immer Fan der Marke sein oder ist das für dich Teil des Jobs?
Ich lege auch Wert drauf, dass ich ein Produkt vermarkte, dass mir gefällt. Außer die machen mir ein Angebot, dass ich nicht abschlagen kann. (lacht)

In einem Interview mit Stylebook hast du von Plänen in der Gastronomie gesprochen. Was macht gutes Essen für dich aus?
Gute Produkte sind mir sehr wichtig. Saisonal und regional – da lege ich sehr viel Wert drauf und dass die Dinge gut verpackt sind. In Sachen Nachhaltigkeit können wir bei Verpackungen noch viel lernen.

Was sagst du zum Trend sich immer mehr Essen liefern zu lassen – geht unsere Esskultur so zugrunde?
Ich glaube vor ein paar Jahren haben sich die Menschen mehr im Supermarkt gekauft und mittlerweile sind sie fauler geworden. (lacht) An der Esskultur an sich hat sich aber glaube ich nicht viel verändert.

Was braucht ein gutes Restaurant, um bei der heutigen Konkurrenz zu bestehen?
Es muss auf jeden Fall gute vegetarische und vegane Gerichte geben. Ganz auf Fleisch auf der Karte zu verzichten, wäre glaube wirtschaftlich unklug, dafür gibt es noch zu viele, die nicht auf ihr Schnitzel verzichten möchten. Die Lage ist auch sehr entscheidend – und viele Plätze im Freien. In Zeiten der Klimaerwärmung eine gute Investition. (lacht)

 „Wir sind jetzt“ ab Samstag, den 27. April auf RTL II, vorab bei TVNOW

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