Hassan Kadbi © Hapimag

Urlaub wird immer wichtiger, weil unser Lebensrhythmus viel schneller geworden ist.

von Laura Bähr

Herr Kadbi, die Grundidee von Hapimag basiert auf dem Prinzip des Teilens. Was hat es damit genau auf sich?
Hassan Kadbi: Hapimag bedeutet Sharing Economy, teilen liegt uns im Blut. Es ist unser Geschäftsmodell. Das Unternehmen wurde vor über 55 Jahren mit der genossenschaftlichen Idee “gemeinsam investieren – individuell nutzen” gegründet. Das Besondere ist, dass unsere Gäste gleichzeitig auch die Aktionäre unseres Unternehmens sind, sie teilen sich 58 Urlaubsresorts mit rund 5200 Ferienwohnungen. Alle haben ein gemeinsames Interesse an persönlichem Service, hochwertiger Ausstattung und einem individuellen Urlaub. Durch dieses Sharing-Konzept wird der Wohnraum in den Hapimag Resorts über das gesamte Jahr gut und sinnvoll ausgelastet und ist nachhaltig. Es geht um einen schonenden und sinnvollen Umgang mit unseren Ressourcen, um Urlaub mit Verantwortung.

Welche Rolle spielt der Urlaub Ihrer Ansicht nach heute im Leben der Menschen?
Urlaub wird immer wichtiger, weil unser Lebensrhythmus viel schneller geworden ist. Unser Urlaub muss heute perfekt sein. Mit neuen Technologien dreht sich unser Leben viel schneller, wobei diese Geschwindigkeit wiederum zum Stressfaktor werden kann. Sowohl unser Berufsleben, als auch unser privates Umfeld ist mittlerweile super komplex und anspruchsvoll geworden. Dies führt unteranderem dazu, dass viele Menschen auch bei der Urlaubswahl Stress verspüren. Kein Vergleich zu früher, als man zum Beispiel einmal im Jahr in ein Reisebüro seines Vertrauens ging, sich beraten ließ und danach drei passende Vorschläge zur Wahl standen. Heutzutage kann es sehr anstrengend sein, den richtigen und perfekten Urlaub für sich zu finden. Man klickt sich täglich durch schöne Urlaubsziele auf Instagram, Empfehlungen auf Facebook usw. Das Angebot lockt permanent. Und die Informationsflut ist überwältigend. Deshalb sollte Urlaub entschleunigen, inspirieren und die Möglichkeit bieten, Dinge zu tun, die man liebt. 

Wie haben sich die Ansprüche an diese „freie Zeit“ in den letzten Jahren genau verändert?
Enorm. Arbeitszeit und Freizeit überschneiden sich heute mehr und mehr. Wir haben Freizeit, während wir arbeiten, und wir arbeiten, während wir Freizeit haben. Wir nutzen täglich den privaten Instagram- oder Facebook-Account im Büro. Dafür arbeiten wir abends zu Hause nochmals eine halbe Stunde, wenn die Kinder im Bett sind. Das ist normal. Diese Überschneidung zwischen Privat- und Geschäftsleben ist für die jüngere Generation bereits selbstverständlich. Aber wenn man sich vorstellt, dass Vorgesetzte vor 10 Jahren Memos geschrieben haben, um Social Media während der Arbeitszeit zu verbieten, hat sich schon viel verändert. Früher war es zum Beispiel auch kein Problem, wenn es keine Internetverbindung im Hotel gab, schließlich haben sich alle aufs offline Urlaub machen konzentriert, heute ist eine schlechte WLAN-Verbindung eine Katastrophe. Sie kann den ganzen Urlaub ruinieren.  

Was macht ein tolles Urlaubsziel aus?
Das ist sehr individuell. Für mich persönlich ist es das Wichtigste, dass ich viel Zeit mit meinen Liebsten verbringen kann. Da spielt der Ort an sich keine Rolle. Menschen, die alleine in den Urlaub fahren, sollen hingegen eine gute Zeit mit sich selber verbringen oder sogar neue Bekanntschaften schließen können. In erster Linie geht es eigentlich darum, wirklich da zu sein. Und auch wirklich da sein zu können. Es soll einfach an nichts fehlen. Alles darf, aber nichts muss.

Kann man alle Menschen in verschiedene Reisetypen einteilen?
Nicht kategorisch, aber meistens für eine gewisse Zeit. Es gibt Menschen, bei denen sich das Reiseverhalten laufend ändert. Denken wir zum Beispiel an eine Mutter, die im Sommer Familienurlaub in einem Strand-Resort genießt. Im Herbst wird sie einen Citytrip nach London mit ihren Freundinnen planen, im Winter fährt sie mit ihren Eltern in den Schweizer Alpen Ski und im Frühling ist Wanderurlaub auf Teneriffa angesagt, vielleicht ganz alleine. Menschen lassen sich nicht nur in eine Kategorie einteilen. Sie wechseln ihren Reisetyp. 

Sind Konzepte wie Airbnb und Couchsurfing eine Konkurrenz?
Den wesentlichen Unterschied zwischen Hapimag und solchen Online-Plattformen macht die Community. Hapimag hat rund 125 000 Aktionäre und Mitglieder, die gleichzeitig unsere Gäste sind. Dazu kommen ihre Familienangehörigen und Freunde. Da unsere Gäste auch Miteigentümer des Unternehmens sind, bestimmen sie viel mit, haben Einfluss auf Entscheidungen und auch eine starke emotionale Bindung zu Hapimag. Sie tragen Sorge zur Infrastruktur, verschwenden keine Ressourcen und schätzen Werte wie soziale Verantwortung, Zuverlässigkeit und Rücksicht. Hapimag verwaltet und betreibt die Resorts im Interesse der Aktionäre und Mitglieder. Dieses besondere Verhältnis von Kunde zum Produkt unterscheidet Hapimag von anderen Anbietern. 

Wer Urlaub mit Hapimag machen möchte, muss Mitglied oder Aktionär des Unternehmens werden. Warum? Schreckt das nicht viele potentielle Kunden ab?
Hapimag ist im Grunde eine Gemeinschaft und in einem Nischenmarkt tätig, das stimmt. Aber das unser Konzept potenzielle Kunden abschreckt, glaube ich nicht. Denn wer sich intensiver damit beschäftigt und Hapimag ausprobiert, bleibt meistens dabei. Unsere Resorts sind in erster Linie für unsere Community reserviert. Trotzdem sind viele Unterkünfte auch auf dem freien Markt verfügbar. Wir bieten zudem eine Probemitgliedschaft an, damit man Hapimag unverbindlich testen kann.

Warum kommt das Prinzip einer Community und eines Punkte-Bewertungssystems auch in der Reisebranche so gut an?
Eine Community ist viel mehr als eine reine Kundenbeziehung. Bei einer Community geht es häufig eben auch um gemeinsame Werte wie Vertrauen, Zuverlässigkeit und Verantwortung. Wir sind wie eine Familie. Und auch finanziell gesehen ist unsere Idee  attraktiv, weil sich der Kauf der Aktie nach wenigen Urlauben amortisiert hat. 

Wie reagiert Ihr Unternehmen auf Diskussionen wie den CO2-Abdruck bei Urlaubsreisen?
Hapimag ist in dieser Diskussion ein Beispiel dafür, dass Tourismus und Verantwortung Hand in Hand gehen können. Ich denke, Tourismus und Verantwortung müssen und können vereinbar sein. Wir betreiben unsere Resorts möglichst ressourcenschonend und sind da ganz ehrlich: Wir machen das nicht in erster Linie, um uns mit Umwelt-Zertifikaten zu schmücken. Nein, wir möchten Geld und Ressourcen sparen und gleichzeitig unseren Gästen den Service bieten, den sie erwarten. Wir setzen seit Jahren auf ein konsequentes Abfallmanagement, Solarpanels und Erdsonden, gute Wärme-Isolierungen, geothermische Anlagen und sinnvolle Wasseraufbereitungsanlagen. Und da unsere Gäste auch Aktionäre sind – also Eigentümer – tragen sie Sorge zur Infrastruktur und haben ein Wörtchen mitzureden, wenn es um Fragen rund um den Verbrauch, Anschaffungen oder Neubauten geht. Hapimag ist also Sharing & Caring in Reinform.

Was macht nachhaltiges Reisen aus?
Ich denke, es hat vor allem mit Rücksicht, Verantwortung und der richtigen Einstellung zu tun. Ein möglichst umweltfreundliches Fortbewegungsmittel zu wählen ist das eine, den richtigen Anbieter oder die richtige Destination zu wählen, das andere. Ferienwohnungen, die zum Beispiel über das Jahr hinweg kaum genutzt werden, sind weder ökologisch noch ökonomisch sinnvoll. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen sich eine Ferienwohnung in einem Küstenort in Spanien. Vielleicht würden Sie zwei bis vier Wochen Urlaub pro Jahr dort verbringen. Und selbst wenn Sie Freunde und Verwandte einladen und die Wohnung insgesamt acht Wochen genutzt wird, entspräche das noch immer einer Belegung von unter 20 Prozent. Wenn das 1000 weitere machen, wäre dieser Küstenort praktisch leer. Restaurants können nur für ein paar Wochen im Jahr öffnen. Die öffentliche Infrastruktur ist für eine gewisse Zeit voll ausgelastet, für den Rest des Jahres gar nicht. Sie wurde aber von der lokalen Bevölkerung bezahlt. Das ist alles andere als Nachhaltig. Unsere durchschnittliche Belegung liegt bei 70 Prozent und wir investieren in die Gemeinschaft und schaffen Arbeitsplätze. 

Kann man heute überhaupt noch ohne schlechtes Gewissen verreisen?
Ja, das kann man. Indem man einen verantwortungsvollen Urlaubsanbieter wählt, das passende Transportmittel wählt und seinen Urlaub so genießt, dass man nicht bereits nach zwei Wochen den nächsten braucht.  

Welche Maßnahmen müssen getroffen werden, um die aktuell verrufene Reisebranche aus dem Tief zu holen?
Ich glaube nicht, dass die Reisebranche aus einem Tief geholt werden muss. Wie jede Branche steht auch die Reisebranche vor den Herausforderungen unserer Zeit. Vor allem in den Bereichen Digitalisierung und Produktinnovation haben wir viel aufzuholen. Im Gegenzug dazu sehen wir eine sehr positive Entwicklung von Tourismus-Start-Ups, die allmählich innovative Konzepte zum Leben erwecken.

Welche Rolle spielen soziale Medien und Influencer für Ihr Unternehmen?
Hapimag ist ein Urlaubsanbieter und Urlaub ist ein sehr emotionales Produkt. Es geht um Erholung, Gemeinschaft und Erinnerungen. Um diese Themen zu transportieren braucht es vor allem Bilder und Videos mit tollen Destinationen und echten Menschen. Social Media und Influencer Marketing sind für uns daher sehr wichtige Tools, um die Besonderheit von Urlaub mit Hapimag zu transportieren und auch Werbung für unser Produkt und unsere Resorts zu machen. Eine gute Kampagne für ein Reiseunternehmen hat meines Erachtens drei zentrale Eigenschaften. Zunächst muss sie auffallen. Bei der Vielzahl an Angeboten ist vor allem Kreativität gefragt. Zweitens muss die Kampagne Emotionen wecken, den Mehrwert für den Kunden vermitteln und die Frage beantworten: Warum sollte ich mich für dieses Unternehmen entscheiden? Zuletzt, so denke ich, muss eine Kampagne langfristig gedacht sein. Potentielle Kunden brauchen heute mehr als ein Dutzend Touchpoints bevor sie eine Entscheidung  treffen und gerade wenn es um Urlaub geht, können Entscheidungsfindungen auch mal Monate dauern.

Sie haben vor kurzem einen Co-Working-Space für Start-Ups gegründet? Warum?
Es ist wichtig, Start-Up-Unternehmen zu unterstützen und ihnen eine Chance zu geben. Wir bieten jungen Menschen die Möglichkeit, ihre Ideen und Produkte zu testen und zu verbessern. Gemeinsam arbeiten wir an innovativen Projekten, um langfristig einen Mehrwert für alle Beteiligten zu schaffen. Als etablierter Anbieter in der Tourismusbranche können wir Start-ups Zugang zu einem internationalen Markt bieten, damit sie ihre Produkte ausprobieren können. Wir bieten ihnen neben dem Coworking Space auch einen potentiellen Zugang zu unseren 58 Hapimag Resorts und unserer Community von rund 125’000 Aktionären und Mitgliedern an. Auf der anderen Seite profitieren wir von Know-how sowie innovativen Produkten und können für unsere Community Zusatzangebote anbieten. 

Aktuell geht der Trend zum „Individualtourismus“ – jeder möchte ganz exklusiv reisen – inwiefern verändert dieser Trend das System?
Ich denke, es hängt davon ab, wie man Exklusivität definiert, schließlich ist das Verständnis von Exklusivität individuell. Ich glaube nicht, dass Menschen nach einem Angebot suchen, das ausschließlich für sie gemacht ist – das ist vielen zu luxuriös. Ich glaube, dass die Menschen bei Reisen nach persönlichen Erlebnissen suchen, nach positiven Erfahrungen. Klar bieten wir auch schöne Pools und tolle Wellnessbereiche, aber es sind meistens die Menschen und die Momente, die lange in Erinnerung bleiben und den Urlaub zu etwas Besonderem machen. Mit der richtigen Marketing-Automatisierung und engagierten Mitarbeitenden, die einen sehr persönlichen Service bieten, können wir unseren Kunden helfen, diese Exklusivität zu finden, indem wir ihnen die Wahl erleichtern und unser Angebot an Ihre Erwartungen anpassen.

Über Hapimag

Hapimag ist ein Schweizer Urlaubsanbieter mit 58 verschiedenen Resorts in 16 Ländern, vorwiegend in Europa, aber auch in den USA (Florida), Nordafrika (Marokko) und der Türkei. Ihren knapp 125.000 Aktionären und Mitgliedern bietet Hapimag komplett ausgestattete Ferienwohnungen und ein generationsübergreifendes und nachhaltiges Urlaubskonzept. Um Teil der Community zu werden, erwirbt man Aktien und erhält Zugang zur Hapimag Urlaubswelt. Über eine Probemitgliedschaft können Interessenten Hapimag unverbindlich ausprobieren.

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