Josephin Busch © Alexander Hoerbe

Als Musicaldarsteller sollte man nicht an den tollen hohen Ton zu denken, sondern an den Inhalt.

von Laura Bähr

Josephin, was verbinden Sie persönlich mit der Musik von Udo Lindenberg?
Josephin Busch: Eine wunderbare Zeit, in der ich mit ihm zusammen auf Tournee gehen durfte und ein wundervolles Musical gespielt habe. Jetzt ist das alles schon über 2 Jahre her und wenn ich heute Udo höre, denke ich hauptsächlich an diese wichtige Episode meines Lebens, während ich jetzt schon in der nächsten schönen Episode stecke. Heute ist der Tag, an den wir morgen zurückdenken.

Auf welche Emotionen und Momente greifen Sie zurück, wenn Sie Freiheitshymnen wie „Hinterm Horizont geht’s weiter“ singen?
Josephin Busch: Dieses Lied im Stadion gemeinsam mit Udo zu singen und tausende Menschen singen mit, jeder mit seiner eigenen Verbindung zu diesem wundervollen Text. Da bin ich dann einfach nur in genau diesem Moment.

Udos Geschichte ist jetzt auch im deutschen Kino zu sehen. Mit welchem Format kann man seiner Geschichte ihrer Ansicht nach näherkommen? Als Musical oder als Film?
Josephin Busch: Schwer zu sagen. Beides hat seine ganz eigene Wirkung. Unser Musical hat Facetten von Udo abgedeckt, die im Film nicht vorkommen, weil der Film vorher spielt, die ich aber für Udo‘s Geschichte sehr wichtig finde und auch sehr emotional. Dafür erfährt man im Film viel über Udos Wurzeln. Das ist auch spannend. Aber ich hänge natürlich mehr an der Geschichte, die ich selber über 1300 Mal erzählt habe.

Was kann man aus Udos Biografie mitnehmen?
Josephin Busch: Auf sein Alleinstellungsmerkmal als Mensch zu vertrauen. Jeder ist auf seine eigene Art besonders.

Sie sind Schauspielerin und Musikerin. Was macht einen guten Musicaldarsteller aus?
Josephin Busch: Eine Geschichte erzählen zu wollen und die Rolle über sich selbst zu stellen. Nicht an den tollen hohen Ton zu denken, sondern an den Inhalt.

Wie erklären Sie sich den Erfolg von so vielen Musicals in Deutschland?
Josephin Busch: Wenn es gut gemacht ist, dann kann dieses Medium einen wirklich mitreißen. Durch die Musik und den Tanz, bieten sich nochmal mehr Möglichkeiten, den Zuschauer zu berühren!

Während die Besucherzahlen den Musicalproduktionen für sich sprechen, hat man immer noch das Gefühl, dass diese Art der Unterhaltung von Kunstkritikern nicht wertgeschätzt wird. Können Sie das verstehen?
Josephin Busch: Ich glaube, das liegt daran, dass manchmal nicht genug Wert auf das Spiel der Darsteller gelegt wird und es natürlich auch viele Produktionen gibt, die inhaltlich nicht so in die Tiefe gehen. Was mich aber ärgert ist, dass das immer auf das gesamte Genre übertragen wird, dabei gibt es wunderbare, wichtige Geschichten, die toll gesungen und gespielt werden. Ich habe das Glück bald in Hamburg „Cabaret“ zu spielen. Ein tolles, tiefgründiges Stück und ein leider aktuelles Thema. 

Sie sind neben ihrer Karriere als Schauspielerin auch Frontfrau der Band „Prag“. Was gibt Ihnen die Musik, was Ihnen ihre Arbeit vor der Kamera nicht geben kann?
Josephin Busch: Das sind wunderbare Musiker und es macht so viel Spaß Musik mit denen zu machen. Musik ist einfach wundervoll für die Seele, für alles. Vor der Kamera durfte ich ja bislang leider noch nicht singen.

Sie sind bei Prag in die Fußstapfen von Nora Tschirner getreten. Vermutlich keine leichte Aufgabe?
Josephin Busch: Darüber habe ich nie nachgedacht. Ich glaube, wir haben beide unsere Qualitäten und das tut der Band auf die jeweils eigene Art gut.

Von Ihrer eigenen Platte haben Sie mal gesagt, es sei Ihr vertontes Tagebuch. Wenn morgen wieder eine Platte von Ihnen rauskommen würde, welche Themen, privat und gesellschaftlich würden darin vorkommen?
Josephin Busch: Aus diesem Grund muss meine nächste Platte etwas warten. Alles verändert sich immer. Ich bin Mutter geworden und habe meine eigene kleine Familie. Da verändern sich die Themen und Ansichten. Zum Glück. Wäre ja sonst langweilig.

Was macht Sie aktuell wütend?
Josephin Busch: Die politische Lage, das auseinander driften der Gesellschaft und die Angst davor, dass sich die Geschichte wiederholt. Wenn Menschen nur an sich denken. Auch was den Klimawandel betrifft.

Sie haben in einem Interview mal gesagt „Viele fürchten sich heute vor Dingen, deren Ausgang ungewiss ist.“ Was meinen Sie genau damit? Wie schaffen Sie es diese Angst hinter sich zu lassen?
Josephin Busch: Ich habe auch immer Angst vor dem Ungewissen. Angst ist normal. Ist ab und zu ein guter Diener, aber ein sehr schlechter Herrscher.

Sie spielen in „Letzte Spur Berlin“ die Polizistin Lucy Elbe. Wie schätzen Sie den Beruf des Polizisten in der aktuellen Gesellschaft ein?
Josephin Busch: Ich habe von vielen Polizisten gehört, dass der Umgang sehr „roh“ geworden ist. Das stelle ich mir sehr schwer vor.

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