Nikeata Thompson © Rakuton Makino

Nikeata Thompson: Erfolg bedeutet für mich das Gefühl, etwas verändern zu können.

von Laura Bähr

Frau Thompson, Sie sind als Athletin und Choreographin bekannt geworden. Was hat Ihnen der Sport in Ihrem Leben gegeben und was genommen? 
Nikeata Thompson: Als Leistungssportlerin lernt man vor allen Dingen Disziplin. Gerade an Tagen, an denen ich Motivationsprobleme hatte, hat mir Disziplin geholfen mich aufzurappeln. Es geht darum über seine mentale Grenze hinauszuwachsen. Der Sport hat mir aber auch geholfen selbstbewusster zu werden und Freundschaften zu knüpfen. 

Wenn man früh zum Sport findet, dann hat man wenige weitere Interessen. Zumindest war das bei mir am Anfang so. Ich habe mich komplett darin verloren und im Teenageralter gemerkt, dass ich wenig Zeit für andere Dinge hatte. Ich war mir bewusst, dass ich nicht frei sein konnte und verlor den Spaß und das Interesse daran auf dem Platz zu stehen. Das war der Moment, an dem ich wusste, dass ich aufhören muss. 

„Gerade an Tagen, an denen ich Motivationsprobleme hatte, hat mir Disziplin geholfen mich aufzurappeln.“

Beim Tanzen geht es auch um das Wohlfühlen im eigenen Körper. Ein Zustand für den in der heutigen Zeit mit „Body Positivity“ wieder bewusst gekämpft werden muss. Was ist Ihr Tipp für alle jungen Menschen, die sich in ihrem Körper unwohl fühlen?
Nikeata Thompson: Um sich in seinem Körper wohlzufühlen, egal wie man gebaut ist oder an welchem Startpunkt man steht, muss man diesen erst einmal wieder spüren. Sobald man etwas körperliches tut, und dabei ist egal ob man tanzt, läuft oder Rad fährt, schätzt man ihn mehr.

Man bemerkt wie viel Energie man anfangs aufbringen muss und kann einen Fortschritt bemerken, solange man kontinuierlich dranbleibt. Das anschließende Gefühl von Stolz macht einen selbstbewusster. Wir sollten uns mehr auf unser Können konzentrieren und weniger auf die Optik. Ich möchte keine Welt, in der es nur Kleidergröße 34 gibt. Ich möchte eine Welt der Vielfalt in allen Farben und Formen, in der wir uns gesund verhalten und darauf hören was unser Körper braucht.

Der Begriff des Selbstwertgefühls scheint in der Gesellschaft aktuell auch dank Social Media eine große Rolle zu spielen. Wie schaffen Sie es mit Vergleichen umzugehen und wie gut sind Sie darin sich selbst zu lieben? 
Nikeata Thompson: Vergleiche sind für mich absolut unnötig. Wir haben gelernt Menschen miteinander zu vergleichen. Wir sind alle Unikate. Ich bin für mich ein Unikat. Gibt es überhaupt einen Grund für Vergleiche untereinander? Ist es wirklich wichtig wer schöner ist, wer eine:n Partner:in hat, oder ob man jemandem ähnlich sieht? Wieso schauen wir auf andere? Ich möchte als Nikeata gesehen werden. Punkt. 

„Wir sollten uns mehr auf unser Können konzentrieren und weniger auf die Optik.“

Aber Selbstliebe ist komplex. Manche Tage sind gut, manche Tage sind schlecht. Ich denke ich komme aber ziemlich gut mit mir selbst aus. Vor Kurzem war ich alleine im Urlaub und habe es sehr genossen. Man sollte nicht zu streng mit sich sein, wirklich regelmäßig in den Spiegel schauen und sich Dinge sagen, die man an sich mag. Das bewirkt viel. Probiert es doch mal aus, auch wenn es sich anfangs komisch anfühlt. Es hilft! 

In der letzten GNTM-Staffel haben Sie als Gastjurorin den Kandidatinnen den perfekten Walk nähergebracht. Was bedeutet Schönheit für Sie? 
Nikeata Thompson: Schönheit ist relativ und vor allem subjektiv. Es gibt hier noch ein veraltetes gesellschaftliches Schönheitsideal von der blonden, schlanken, blauäugigen und großen Frau, dass sich nach und nach zu wandeln scheint. Gott sei Dank, habe ich mich davon nicht irritieren lassen. Wir sind alle außergewöhnlich, einzigartig, Unikate. Schönheit hat für mich viel mit Ausstrahlung, Aura und Selbstbewusstsein zu tun. Es ist nicht nur die Optik, die mich begeistert, sondern das Auftreten eines Menschen, der Gang in einen Raum und die Energie, die diesen Menschen umgibt.  

„Es ist nicht nur die Optik, die mich begeistert, sondern das Auftreten eines Menschen, der Gang in einen Raum und die Energie, die diesen Menschen umgibt.“

Mittlerweile haben Sie ein eigenes Modelabel und sind CEO der Tanz-Agentur „NT Agency„. Was macht Erfolg für Sie aus? Hat sich diese Definition in den letzten Jahren verändert? 
Nikeata Thompson: Erfolg ist für mich Wachstum. Ein kontinuierlicher Prozess mit sich selbst. Nur wenn wir dauerhaft an uns und unseren Gewohnheiten arbeiten, können wir wirklich erfolgreich sein. Für mich ist Eigentum nicht wichtig. Erfolg bedeutet für mich das Gefühl, etwas verändern zu können. Mütter wie Väter von POC Kindern zufällig auf der Straße zu treffen und zu hören, dass es wichtig ist, dass ich in der Öffentlichkeit stehe und das es vielen den Mut gibt an sich zu glauben. Erfolg messe ich nicht an meinem Kontostand, sondern an meinem Durchhaltevermögen weiter an meine Ziele zu glauben. 

Sie haben die Agentur für Tänzer:innen gegründet, um gute Honorare und Arbeitsbedingungen für diesen Berufszweig zu schaffen. Nervt es Sie, dass man seine Arbeit im kreativen Bereich immer anders begründen muss als beispielsweise in der Wirtschaft?
Nikeata Thompson: Und wie! Seit Jahren arbeite ich an dem Verständnis, dass dieser Berufszweig mehr Anerkennung verdient. Professionelle Tänzer:innen arbeiten über Jahre hart und das sollte wertgeschätzt werden. Entertainment ist eines der ältesten Gewerbe der Welt und dient vielen als Inspiration. Tänzer:innen gehören genauso dazu wie Musiker:innen, Comedians oder Maler:innen. Die Anerkennung ist aber eine ganz andere. Von der Bezahlung und der Behandlung möchte ich erst gar nicht anfangen. Tänzer:innen sind Unikate und ich möchte das man sie als solche auch behandelt. 

„Erfolg messe ich nicht an meinem Kontostand, sondern an meinem Durchhaltevermögen weiter an meine Ziele zu glauben.“

Der Druck der Kreativen ist auch häufig, dass man an einem Projekt eigentlich unendlich weiterarbeiten und man immer wieder alles umwerfen könnte. Wünschen Sie sich manchmal einen Job, den man ausführen könnte, auch wenn man gerade nicht superkreativ ist? Wie gehen Sie mit Frust in diesem Bereich um?
Nikeata Thompson: Nein, ganz und gar nicht. Jeder von uns hat Druck in seinem Job. Druck gehört für mich dazu. Ich habe gelernt damit umzugehen und auch mal einen Punkt zu setzen in meiner kreativen Arbeit und mit dem Ergebnis zufrieden zu sein. Ich mache diesen Job jetzt bereits seit 21 Jahren und ich denke der Druck macht mich sogar besser.

Welche Rolle spielt Geld in Ihrem Leben? Wofür geben Sie am liebsten Geld aus?
Nikeata Thompson: Geld ist ein Mittel. Ich habe keine emotionale Bindung zu Geld. Ich finde es teilweise sogar überbewertet, aber da wir nur diese Währung kennen, um in den Austausch zu gehen ist sie natürlich notwendig. Dass ich meine Eltern finanziell unterstützen kann, so wie sie es jahrelang gemacht haben, ist für mich das schönste. Etwas zurückgeben zu können macht mich glücklich.

„Ich habe keine emotionale Bindung zu Geld.“

Auf Ihrem Instagram-Account betiteln Sie sich selbst als „Personality“ und „Presenter“. Wie schafft man es in der heutigen Welt voller Zweifel und Vergleiche zu einer Persönlichkeit zu werden?
Nikeata Thompson: Nicht hinhören. Sich selbst eine Meinung bilden und diese auch vertreten. Wenn man sich die ganze Zeit nur auf das fokussiert was andere sagen, dann ist es nur nachgesprochen und ohne Berücksichtigung der eigenen Werte. Man darf sich auch mal trauen gegen den Strom zu schwimmen und nicht immer nur mitzulaufen. Ich denke das macht eine starke Persönlichkeit aus. 

Sie sagten in einem Interview mit der VOGUE, Sie bräuchten immer wieder „diesen Hunger einer Anfängerin“. Sind wir häufig zu träge und in der reizüberfluteten Welt zu ängstlich, um uns aus unserer „comfort zone“ zu bewegen und an neue Dinge zu trauen? 
Nikeata Thompson: Auf jeden Fall. Die „comfort zone“ ist ein Ort ohne große Risiken und ohne große Neuanfänge. Man fühlt sich geschützt und sie ist wie das Wort schon sagt: gemütlich.  Viele von uns denken, dass wir im Leben irgendwo ankommen müssen, aber ich finde das müssen wir gar nicht. Ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Ich denke wir wachsen mit jeder Erfahrung und jede davon ist gut auf unserem Weg. Hinter allem was man von außen sieht, steckt meistens viel Fleiß, Disziplin und der Mut sich etwas neues zu trauen. 

„Viele von uns denken, dass wir im Leben irgendwo ankommen müssen, aber ich finde das müssen wir gar nicht. Ganz nach dem Motto: Der Weg ist das Ziel.“

Die Schauspielerin Denise M´Baye meinte im Interview mit uns: „Antirassismus muss man täglich leben. Und das ist eine Aufgabe, die sehr viel unprätentiöser ist als ab und zu auf Instagram eine schwarze Kachel zu posten.“ Sie selbst sagten in einem Interview: „Egal wie weit ich komme im Leben, das Stigma eines schwarzen Menschen ist sehr schwer loszubekommen.“ Haben Sie das Gefühl, dass wir die leidige Diskussion um die Hautfarbe irgendwann ad acta legen können? Woran liegt es, dass die Kommunikation rund um dieses Thema nach wie vor nicht richtig funktioniert?
Nikeata Thompson: So lange wir die Deutsch-Afrikanische Geschichte nicht im vollen Umfang kennen und auch in der Schule die deutsche Kolonialisierung nur angeschnitten wird, wie können wir dann denken, dass es das richtige Verständnis in unserer Gesellschaft gibt?

Wir als Volk können ohne das dazugehörige Wissen keine Empathie empfinden. Und ohne Empathie gibt es kein Verständnis. Und ohne Verständnis wird es keine Akzeptanz geben. Solange diese Themen nicht richtig kommuniziert werden, werden sie falsch gelernt & WEITERGEGEBEN. Ein schwarzer Mensch ist genauso deutsch wie ein weißer Mensch. 

„Ein schwarzer Mensch ist genauso deutsch wie ein weißer Mensch.“

Ende August erscheint Ihr erstes Buch „Schwarz auf weiß: Trau dich zu träumen und schaff das Unmögliche“. Wovon träumen Sie aktuell?
Nikeata Thompson: Vor allen Dingen visualisiere ich viel, so wie ich es auch in meinem Buch beschreibe. Ich visualisiere meine Ziele & Wüsche und tatsächlich haben meine bewussten Visualisierungen auch Einfluss auf meine Träume, was mich auch besser schlafen lässt. Wovon ich jedoch träume bleibt bei mir, denn sonst gehen sie ja nicht in Erfüllung (lacht). 

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