Lena Meckel © Michael Groeger

Lena Meckel: „Mein Beruf ist ein Bestandteil meiner Identität, er ist das, was mich mit ausmacht und ich bin jeden Tag, auch wenn ich nicht direkt drehe, mit ihm konfrontiert.“

von Laura Bähr

Lena, du hast mal in einem Interview gesagt „Glück ist meines Erachtens ein großer Bestandteil in dem Beruf des Schauspielers: zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein.“ Wie gehst du damit um, dass dein Schicksal immer von jemandem abhängt, der vielleicht etwas in dir sieht und dich besetzt? 
Lena Meckel: Das gewisse Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kann in diesem Beruf absolut nicht schaden. Natürlich ist das nicht immer leicht und man muss lernen damit umzugehen, dass man nun mal nicht jeder/jedem Caster:in, Produzenten:in und Regisseur:in gefallen kann. Daran arbeite ich auch immer noch, aber solange ich mir selbst nicht den Vorwurf machen kann, zu wenig für diesen Beruf zu brennen und bei jedem Casting und jedem Drehtag alles gegeben zu haben, vertraue ich darauf, dass alles so kommt, wie es kommen soll. Durchhaltevermögen ist jedenfalls kein schlechter Wegbegleiter für diesen Beruf.

Aktuell bist du Teil der Serie „Start the fck up“ auf ZDFneo und spielst die Influencerin Melina, die zunächst oberflächlich belächelt wird, bevor sie sich als smarte Businessfrau herausstellt. Wie stehst du zu der Macht der sozialen Medien?
Lena Meckel: Auch ich habe mich dabei erwischt, als ich anfangs mit großer Skepsis das Rollenprofil der Influencerin Melina gelesen habe. Ich hatte Schwierigkeiten, mich mit der Rolle zu identifizieren, war in gewisser Weise etwas voreingenommen, was diese Welt und Personen betrifft. Ich selbst bin auch in den sozialen Medien aktiv und sehe es inzwischen als einen weiteren Bestandteil des Berufes.

„Das gewisse Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kann in diesem Beruf absolut nicht schaden.“

Jedoch habe ich in der Vergangenheit oft vermieden zu viel Zeit auf Instagram und Co zu verbringen und alles mit einem gesunden Abstand zu betrachten. Durch die Rollenarbeit mit Melina für START THE FCK UP habe ich jedoch schnell gemerkt, dass hier eben doch etwas mehr dahintersteckt als eine oberflächliche rosa Produktwelt, voller Rabattcodes. Die Verantwortung  die  Influencer:innen, besonders jungen Menschen gegenüber tragen, ist immens und würde mich persönlich etwas einschüchtern. Sie erreichen teilweise Millionen und sind die Vorbilder und Idole der Generation Z. Umso wichtiger finde ich es, dass die Verantwortung, die hier getragen wird nicht schamlos ausgenutzt, sondern sinnvoll genutzt wird.

Wichtige und relevante Themen Aufmerksamkeit zu schenken oder darüber zu informieren und sich dann in den Communities dazu auszutauschen. Ich finde, es gibt hier wirklich tolle Beispiele an Influencer:innen wie Louisa Dellert oder Luisa Neubauer die genau das für sich erkannt haben, sich ihrer Verantwortung bewusst sind und inhaltlich toll umsetzen. Die Macht der sozialen Medien ist inzwischen gewaltig und nimmt einen riesigen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die persönliche Entwicklung.

„Die Macht der sozialen Medien ist inzwischen gewaltig und nimmt einen riesigen Einfluss auf unsere Gesellschaft und die persönliche Entwicklung.“

Die Unternehmerin Tijen Onaran hat vor Kurzem den Ratgeber „Nur wer sichtbar ist, findet auch statt“ rausgebracht. Kann man heutzutage ohne Personal Branding noch erfolgreich sein?
Lena Meckel: Ich bin absolut kein Experte auf diesem Gebiet, daher kann ich hier nur nach meinem Gefühl gehen und ja, ich denke, heutzutage ist eine gewisse Art von Personal Branding relevanter geworden. Zwar liegt die Aufgabe des Schauspielers primär darin, die Geschichte von fiktiven Figuren zu erzählen, jedoch lassen wir viel Persönliches mit einfließen, um der Figur die Tiefe und Emotionalität zu verleihen, die es braucht, um den Zuschauer mit auf die Reise der Geschichte zu nehmen und hoffentlich am Ende damit zu berühren. Es entstehen also automatisch Bindungen nicht nur zu der Figur in der Geschichte, sondern eben auch dem Schauspieler, der sie verkörpert. 

„Zwar liegt die Aufgabe des Schauspielers primär darin die Geschichte von fiktiven Figuren zu erzählen, jedoch lassen wir viel Persönliches mit einfließen, um der Figur die Tiefe und Emotionalität zu verleihen, die es braucht, um den Zuschauer mit auf die Reise der Geschichte zu nehmen und hoffentlich am Ende damit zu berühren.“

Wie schafft man sich seinen Marktwert in der Branche?
Lena Meckel: Die perfekte Formel oder Anleitung kenne ich nicht, zumindest noch nicht, ansonsten hätte ich bereits bestimmt versucht meinen eigenen Marktwert zu erhöhen, aber den/die ein oder anderen guten Film oder Serie gedreht zu haben, der/die eine gewisse mediale Aufmerksamkeit erhält und dann vielleicht noch charakterlich, sympathisch und offen zu sein, kann bestimmt nicht schaden, sich einen Marktwert zu schaffen. Hinzu kommt sicherlich ein gutes Management, das einen berät und unterstützt die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Du bist Teil der ersten Mockumentary-Produktion „Wrong“ von TVNOW. Sind solche Formate deiner Ansicht nach die Zukunft? Wie unterscheidet sich dein Schauspiel hier im Vergleich zu klassischen Produktionen wie bei „Traumschiff“ oder „Inga Lindström“?
Lena Meckel:  Aktuell passiert einfach unheimlich viel in der Branche und speziell Serienformate boomen. Tatsächlich ist der Unterschied sowohl im Spiel als auch in der Art und Weise wie am Set gearbeitet wird im Vergleich zu den etablierten und älteren Formaten groß. Speziell die Mockumentary „Wrong“, welche voraussichtlich Februar 2021 bei TVNOW zu sehen sein wird, war sowohl die Vorbereitung als auch die Umsetzung am Set nicht mit einem Format wie beispielsweise „Inga Lindström“ zu vergleichen.

„Die Verantwortung  die  Influencer:innen, besonders jungen Menschen gegenüber tragen, ist immens und würde mich persönlich etwas einschüchtern.“

Wir hatten zwar Drehbücher, jedoch dienten diese lediglich als Orientierung, damit wir wissen was in der Szene ungefähr passieren wird. Die Umsetzung und der Text blieb uns überlassen, was definitiv zu manchen Überraschungen und vielen Lachern führte. Auch was die Kameraarbeit betrifft wurde hier fast ausschließlich mit dokumentarischer Handkamera gedreht. Diese Art von Improvisation war sowohl für uns Schauspieler als auch das gesamte Team hinter der Kamera eine große Herausforderung. Ich persönlich finde den eigenen Charme, den das beim Drehen und beim Output hat, wirklich gelungen. Gerade bei den klassischen Formaten wie den genannten, wäre diese Art der Umsetzung so nicht möglich gewesen.

Lernt man bei jedem Filmprojekt auch immer etwas Neues über sich selbst?
Lena Meckel: Jedes Filmprojekt ist eine Reise, die eine vielleicht etwas länger als die andere, aber in jedem Fall lerne ich aus jedem Projekt etwas Neues über mich selbst oder werde durch meine Kolleg:innen inspiriert. Tatsächlich gab es auch schon Projekte, die im Anschluss mein komplettes Leben auf dem Kopf gestellt haben. Besonders wenn man über mehrere Wochen/ Monate nicht in seinem gewohnten Umfeld ist, neue Leute, Geschichten und Gespräche um sich hat und die Zeit Vergangenes zu reflektieren und aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Diese Reisen können dazu führen, dass man auch sich selbst auf eine andere Art und Weise wieder neu kennenlernt. 

Brauchst du manchmal Entzugsphasen von Rollen und Projekten? Wie laufen diese ab?
Lena Meckel: Entzugsphasen sind nicht mein Ding. Ich gehöre wohl eher zu der Kategorie Mensch, die nicht will, dass überhaupt irgendwas, irgendwann endet (lacht). Daher fällt es mir auch immer wahnsinnig schwer, wenn ein Projekt sich dem Ende neigt, weil man weiß, das es so nie wieder sein wird. 

„Entzugsphasen sind nicht mein Ding.“

Du bist sehr jung in die Schauspielbranche gestartet, hast du manchmal Angst, etwas verpasst zu haben oder wenn du einem Projekt zu- und drei anderen absagst?
Lena Meckel: Das Einzige was ich wirklich bereue verpasst zu haben, war das Skilager in der 6. Klasse, weil ich bevorzugt habe zu drehen. Ansonsten war ich auch schon in jungen Jahren einfach unheimlich dankbar, dass meine Schule und Eltern es mir ermöglicht haben drehen zu dürfen. Es war mein Hobby, so wie andere gerne zum Fußball oder zum Reiten gingen. Dass ich dann auch noch „Schulfrei“ dafür bekommen habe, war eigentlich der absolute Jackpot!

Ist der Druck sich entscheiden zu müssen, die größte Herausforderung unserer Generation? Wie gehst du damit um?
Lena Meckel: Viele Möglichkeiten sich zwischen Dingen frei entscheiden zu können, hatten unsere Eltern und Großeltern nicht. Ich glaube, dass es das für die aktuelle Situation nicht unbedingt leichter macht. Viele Menschen sind einfach schlichtweg überfordert. Ich glaube auch, dass die, die keine Wahl haben sich frei entscheiden zu müssen manchmal nicht verstehen können, wie ein gewisser Stress entsteht. Außerdem versuche ich mich von meinem Bauchgefühl treiben zu lassen, verzichte aber auch nicht auf meine Vertrauenspersonen, die mich beraten.

„Ich glaube, dass die, die keine Wahl haben sich frei entscheiden zu müssen manchmal nicht verstehen können, wie ein gewisser Stress entsteht.“

Inwiefern hat das Filmbusiness deine Jugend und deinen Blick aufs Leben verändert?
Lena Meckel: Ich bin schon in Jahren in die Berufswelt beim Film eingetaucht und hatte damals schon viel in Kontakt mit den unterschiedlichsten Menschen. Allein an den verschiedensten Orten habe ich früh gelernt selbstständig zu sein.

Arbeiten war schon in meiner Jugend ein großer Bestandteil und wenn ich nicht gerade am Set stand, dann habe ich nebenbei im Café oder Restaurant gejobbt. Diese Zeit hat mich geprägt und mir ein besseres Verständnis für Geld und Arbeit gebracht. Zudem habe ich dadurch einfach schon früh gelernt, dass einem nichts im Leben geschenkt wird. Es braucht einiges an Durchhaltevermögen, Zeit und harter Arbeit, um seine Ziele zu erreichen.

„Ich habe schon früh gelernt, dass einem nichts im Leben geschenkt wird. Es braucht einiges an Durchhaltevermögen, Zeit und harter Arbeit, um seine Ziele zu erreichen.“

Aktuell regiert das Zeitalter des Individualismus, jeder möchte sich gerne selbst verwirklichen. Außerdem hat man das Gefühl, wir müssen ständig an uns arbeiten und weiterkommen, ständig „Aufblühen“. Wie stehst du zu dieser ständigen Selbstoptimierung?
Lena Meckel: Auch ich habe das Bedürfnis ständig weiter zu wachsen und mehr zu erreichen. Eine Entwicklung, die wir vielleicht nicht unbedingt aufhalten können, aber definitiv lernen sollten damit umzugehen und einen eigenen gesunden Weg zu finden, wie wir trotz des Bedürfnisses ständig an uns zu arbeiten und weiter aufzublühen den Fokus nicht verlieren glücklich zu sein.

Egoismus scheint neben Selbstverwirklichung eine große Rolle in der aktuellen Gesellschaft zu spielen. Muss man Ihrer Ansicht heute egoistisch sein, um etwas zu erreichen?
Lena Meckel: Nein. Es ist absolut richtig, auch mal an sich zu denken und seinen Weg zu gehen, manchmal vielleicht auch Entscheidungen für sich allein zu treffen, weil man nicht immer nur für das Glück der anderen verantwortlich sein darf. Jedoch vertrete ich die Meinung, dass es gerade jetzt so wichtig wie noch nie ist, sich gegenseitig zu unterstützen und ein Netzwerk zu bilden, um gemeinsam weiter zu wachsen und seine Ziele und Träume so zu verwirklichen.

„Es ist absolut richtig, auch mal an sich zu denken und seinen Weg zu gehen, manchmal vielleicht auch Entscheidungen für sich allein zu treffen, weil man nicht immer nur für das Glück der anderen verantwortlich sein darf.“

Wir haben vor Kurzem mit der Autorin Nina Kunz gesprochen, die in ihrem Buch „Ich denke, ich denke zu viel“ über das Phänomen „Workism“ schreibt, dass sich die jüngeren Generationen nur noch über ihre Arbeit definieren. Ist deine Arbeit auch Hauptteil deiner Identität?
Lena Meckel: Das Thema Arbeit spielt in meinem Leben eine große Rolle. Ich erwische mich oft dabei, mich nur dann vollkommen zufrieden und erfüllt zu fühlen, wenn ich viel drehe. Natürlich ist mein Beruf ein Bestandteil meiner Identität, er ist das, was mich mit ausmacht und ich bin jeden Tag, auch wenn ich nicht direkt drehe, mit ihm konfrontiert. Manchmal wäre es bestimmt nicht schlecht, auch anderen Dingen im Leben mehr Gewicht zu verleihen. Daran arbeite ich auch aktuell und versuche mich aktuell im Surfen. 

Welche Rolle spielt denn das Aussehen für dich? Wie gut bist du darin, dich selbst zu lieben?
Lena Meckel: Ich habe, wie viele andere auch, lange gebraucht mich so zu akzeptieren, wie ich bin. Ich lege weiterhin Wert darauf mich gesund zu ernähren und Sport zu treiben, um mich wohlzufühlen. Aber speziell in den letzten Jahren wo es so langsam auf die 30. zu geht, merkt man, dass es eben nicht nur auf das Äußerliche ankommt, sondern so viel mehr.

„Ich habe, wie viele andere auch, lange gebraucht, mich so zu akzeptieren, wie ich bin.“

Ich verurteile niemanden dafür, sich in seiner Haut nicht wohlzufühlen und ständig weiter optimieren möchte. Wenn diese Person sich dann wohler in ihrem Körper fühlt und dadurch mehr Stärke und Selbstbewusstsein erlangt finde ich das toll. Für mich selbst habe ich bereits meinen eigenen Weg gefunden und gelernt mich nicht über mein äußeres Erscheinungsbild definieren zu müssen. Auch wenn das heutzutage mit den Einflüssen der sozialen Medien und Co alles andere als leicht ist und viele darunter leiden. Aber ein gesunder Humor und ein Lächeln auf den Lippen ist für mich persönlich immer noch das attraktivste was ein Mensch ausstrahlen kann.

Du hegst auch eine große Liebe zur Regie. Welche Art von Filmen braucht die Welt aktuell?
Lena Meckel: Jegliche Art von Filmen braucht die Welt. Wir brauchen Filme die Geschichten erzählen, uns inspirieren und zum Nachdenken anregen. Filme, die aktuelle Themen aufgreifen und uns Hoffnung schenken und zum Träumen anregen. Aktuell bekommen wir so ein tolles und breit gefächertes Angebot an den unterschiedlichsten Formaten und Inhalten präsentiert. Da fällt es manchmal sogar fast schwer sich auf nur eines zu konzentrieren.

TIPP: „Start the fck up“

ZDFneo: Seit 2. November 2021, 23.15 Uhr, dienstags in Doppelfolgen
ZDFmediathek: Seit 2. November 2021, 10.00 Uhr, alle Folgen für ein Jahr abrufbar

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