Florian Froschmayer

Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis. Um kommerziell erfolgreich zu sein, muss ich einen Kinosaal mitreißen können. Das schaffen zurzeit nur Superhero Filme und in Deutschland oft Komödien.

von Laura Bähr

Herr Froschmayer, drehen Sie Ihre Filme für sich selbst oder für andere? 
Florian Froschmayer: Ich drehe Filme in erster Linie für den Zuschauer. Zu Beginn meiner Regietätigkeit habe ich erstmal versucht alles zu drehen, was mir angeboten wurde, weil mir der Drehprozess so unglaublichen Spaß macht. Aber mittlerweile habe ich das Privileg, meine Filme noch sorgfältiger auswählen zu können, weil ich als Regisseur am wertvollsten für ein Projekt bin, wenn ich einen guten Zugang zum Thema und der Geschichte habe.

Was macht einen guten Film heutzutage aus? 
Florian Froschmayer: Ich denke, das Wichtigste ist, dass er mich unterhält. Er muss mich in eine andere Welt entführen, mich zum Lachen, zum Weinen oder zum Träumen anregen. Er darf mir natürlich auch Angst und Hoffnung machen. Im Kern muss er mich einfach auf irgendeine Art berühren. 

Sie sind bei der Aufnahmeprüfung an der Filmschule zunächst gescheitert. Braucht es für den Beruf des Regisseurs überhaupt eine Ausbildung oder hat man dieses Gefühl fürs Filmmachen einfach oder eben nicht? 
Florian Froschmayer: Filmemachen ist in meinen Augen vor allem ein Handwerk. Natürlich ist es auch eine Kunstform. Aber genau wie Malen, Schreiben, Singen, Schauspielern oder auch Profisport braucht es neben dem Talent und dem Gefühl das Handwerk. Dies kann man an einer Schule erlernen oder einfach in dem man anfängt Filme zu machen. Ich war immer mehr der Praktiker und mein Weg war am Ende „learning by doing“. In meinen Augen muss aber jeder seinen eigenen Weg finden, es gibt nicht DEN Weg zum Regisseur. 

Schauen Sie seit Sie den Film zu Ihrem Beruf gemacht haben, Filme in Ihrer Freizeit anders?
Florian Froschmayer: Nur Filme, die mich nicht berühren. Da fange ich an über die Machart nachzudenken. Ich kann mich heute noch voll und ganz auf einen Film einlassen, genauso wie bevor ich professionell Filme gemacht habe. 

Was halten Sie als Regisseur von der immer stärker werdenden Macht von Streamingdiensten wie Netflix und Co. Ist es Ihnen egal, für welche Plattform Sie Ihre Filme machen? 
Florian Froschmayer: Ich finde Macht ein schwieriges Wort, weil es so negativ besetzt ist. Netflix und Co. haben eine neue Verbreitungsform geschaffen, was in erster Linie etwas ganz Tolles ist. Es ist heute einfacher die Filme einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Unsere Branche befindet sich in einer extrem spannenden Zeit des Umbruchs. Das macht vielen Angst, ich finde das vor allem spannend und bin gespannt, wohin die Reise noch geht.  

Sie sind nicht nur Regisseur, sondern auch als Drehbuchautor tätig. Man hat in Deutschland ein bisschen das Gefühl, dass es Drehbuchautoren nicht leicht haben. Können Sie diesen Eindruck bestätigen? Wenn ja, woran liegt das?
Florian Froschmayer: Das könnte womöglich daran liegen, dass Drehbuchautoren in der Regel zunächst alleine in ihrem Zimmer anfangen eine Geschichte zu schreiben und dann irgendwann mit den Wünschen von Programmplanern, Verleihern oder Produzenten konfrontiert werden. Hinzu kommen dann oftmals auch noch enge Deadlines. Das kann frustrierend sein. Ich denke aber, dass die Streamingdienste gerade helfen, dies etwas aufzubrechen und den Kreativen wieder mehr Mitspracherecht geben. 

Wenn man Projektbezogen arbeitet, gibt es vermutlich auch immer wieder Phasen, in denen man auf Arbeit wartet und auch mal nichts zu tun hat. Als aktiver Mensch stelle ich mir diese Zeit schwer vor. Wie kann man solche „Durststrecken“ aushalten? 
Florian Froschmayer: Das ist die schwierigste Zeit überhaupt. Das Arbeiten ist ja der Bonus. Ich mache das jetzt schon über 20 Jahre und tue mich immer noch schwer, den Mut in den Zwischenphasen nicht zu verlieren. Aber ich versuche die Zeit dann für andere Dinge zu nutzen, schreibe eigene Projekte, fotografiere viel…

In Deutschland ist man mit hochwertigen Erstausstrahlungen im Fernsehen verwöhnt. Was müssen Kinofilme mitbringen, um da überhaupt noch mithalten zu können? 
Florian Froschmayer: Kino ist ein Gemeinschaftserlebnis. Um kommerziell erfolgreich zu sein, muss ich einen Kinosaal mitreißen können. Das schaffen zurzeit nur Superhero Filme und in Deutschland oft Komödien. Wenn Filme Menschen zwei Stunden aus ihrem Alltag reißen und sie zum Lachen bringen, finde ich das super!

Wie stehen Sie zur Quote im deutschen Fernsehen? 
Florian Froschmayer: Am Ende macht die Quote den Film weder besser noch schlechter. Ich selber habe aufgrund einer Rekordquote noch nie sofort einen Folgeauftrag bekommen. Ich denke, die Einschaltquote ist etwas extrem Abstraktes und von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, wie zum Beispiel Konkurrenzsendungen oder dem Wetter. Als Regisseur geht es für mich nur darum, den bestmöglichen Film zu machen.

Würden Sie sagen, dass immer nur die guten Filme erfolgreich sind, oder gibt es manchmal einfach nur ein Momentum für bestimmte Themen und bestimmte Projekte? 
Florian Froschmayer: Im Kino sind das Marketing und die Bewerbung des Films oft auch mitverantwortlich für einen Erfolg. Ich denke aber, dass ein guter und gleichzeitig zugänglicher Film auch immer sein Publikum findet. 

Die Deutschen scheinen nach wie vor „Tatort-verrückt“. Was macht einen Tatort für Sie als Regisseur besonders? 
Florian Froschmayer: Ich habe fünf Tatorte gemacht. Fünf total unterschiedliche Filme. Diese Vielseitigkeit schätze ich an dem Format und ist für mich auch der Ansatz, sollte es zu einem sechsten kommen. 

Der Regisseur Ilker Catak hat mal gesagt „Film darf kein pädagogisches Instrument sein“. Wie sehen Sie das? 
Florian Froschmayer: Ein Film darf alles, außer mich langweilen! (lacht)

Gerade in den Tatorten, die jeden Sonntag über die Bildschirme der meisten deutschen flimmern, werden ja immer öfter wichtige gesellschaftliche Themen behandelt. Eine Art Bildung außerhalb der Nachrichten? 
Florian Froschmayer: Der Tatort versucht gesellschaftlich relevante Themen in einem Unterhaltungsumfeld aufzuarbeiten. Das finde ich prinzipiell super, solange es nicht mit einem Zeigefinger passiert. Das tut der Tatort höchst selten, deshalb glaube ich auch, ist er bei allen Gesellschafts- und Altersgruppen immer noch so beliebt. 

Wo zieht man als Regisseur da die Grenze, gerade wenn es um Gewalt geht? 
Florian Froschmayer: Wie alle gestalterischen Mittel sollte die Gewalt immer so eingesetzt werden, dass sie der Geschichte dient und ihr gerecht wird. Sie darf in Filmen aber nicht verharmlost werden, nur damit sie mehrheitsfähig sein können. 

Neben Ihrer Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor haben Sie auch die das Programm „SCRIPTtoMOVIE“ auf den Markt gebracht. Eine Software, die versucht alle Bedürfnisse beim Filmedrehen zu berücksichtigen. Wie läuft es aktuell?
Florian Froschmayer: Es ist wie ein Baby, das ich liebe, welches aber auch viel Betreuung braucht. Ich glaube ganz fest daran und versuche es in eine möglichst selbständige Zukunft zu begleiten. 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s