Langston Uibel © Bild 1: Shirin Esione; Bild 2: Lottermann & Fuentes

Langston Uibel: Ich merke immer wieder, wie Menschen aus Bequemlichkeit ihre Meinungen zurückhalten.

Herr Uibel, sind Sie ein guter Freund? 
Langston Uibel: Das ist natürlich eine Frage, die eher meine Freund:innen beantworten müssten. Meine Freundschaften sind mir aber sehr wichtig und ich gebe mein Bestes, ein guter Freund zu sein.  

Welche Rolle spielen Freundschaften in Ihrem Leben? Sollten wir uns Ihrer Ansicht nach von Freundschaften, die uns nicht mehr guttun oder nicht mehr zu uns passen, häufiger trennen als von einem Partner? 
Langston Uibel: Ich denke wir müssen lernen, eigene Werte und Haltungen zu entwickeln und vor allem dann auch nach diesen zu leben. Dazu gehört auch die Natur der Beziehungen zu anderen Menschen zu hinterfragen – ob Freundschaft oder Beziehung. Ich merke immer wieder wie Menschen aus Bequemlichkeit ihre Meinungen zurückhalten. Ich glaube, unsere Diskurse könnten so differenzierter werden und weniger von Extremen leben. 

In einem Interview sagten Sie, Sie haben irgendwann angefangen, „sich für jeden Ihrer Filme ein Geschenk zu machen, eine Art Belohnung“. Belohnen wir uns heute zu wenig und sind zu wenig stolz auf unsere Leistungen?
Langston Uibel:Wir leben schon in einer Welt, in der wir unsere Mitmenschen eher kritisieren, statt sie zu loben. Ich glaube wir denken oft es gibt nicht genug Platz für jeden. Das ist Quatsch. Jeder geht seinen Weg und es wäre doch schön, wenn wir diese Wege angenehmer gestalten. Sich gegenseitig zu helfen und in den Austausch zu kommen ist auch viel wertvoller als das Gegenteil.

„Wir leben in einer Welt, in der wir unsere Mitmenschen eher kritisieren, statt sie zu loben.“

Apropos stolz sein… Wann waren Sie das letzte Mal richtig stolz auf sich? 
Langston Uibel: Als ich neulich an meine vergangenen drei Jahre gedacht habe. Ich bin immer sehr selbstkritisch, aber muss auch mal genießen was ich bereits habe und nicht nur an Morgen denken. 

Sie sind unter anderem durch die Serie „Unorthodox“ bekannt geworden. Ein großer Aspekt der Serie ist das Thema Freiheit. Heutzutage hat man häufig das Gefühl, dass wir uns selbst am meisten einschränken. Sie auch? 
Langston Uibel: Ich habe das Gefühl, dass wir freier sind als je zuvor. Vor allem durch das Internet haben wir Zugang zu so vielem erlangt. Hier würde ich Wissen hervorheben. Wir können ständig unser Wissen aktualisieren und an neues gelangen. Hier verbirgt sich natürlich eine Verantwortung wie auch Chance, wenn ich an das Beispiel Sprache denke. Man kann sich einfach weiterbilden und informieren, zu Themen wie der Selbstbezeichnung marginalisierter Gruppen. Das ist doch toll.                                                                                     

Die Schauspielerin Lea van Acken sagte in einem Interview mit uns: „Wenn man alles kann, muss man sich noch genauer überlegen, was man wirklich will.“ Wie stehen Sie dazu? Sind Sie in der heutigen Welt vor lauter Möglichkeiten manchmal überfordert zu wissen, was Sie eigentlich wollen? 
Langston Uibel: Ich weiß eigentlich immer sehr genau was ich will. Die Frage, vor der ich oft stehe ist eher: Wie komme ich da jetzt hin? Das ist ein erdrückendes Gefühl.

„Ich weiß eigentlich immer sehr genau was ich will. Die Frage, vor der ich oft stehe ist eher: Wie komme ich da jetzt hin? Das ist ein erdrückendes Gefühl.“

Ihre letzten großen Auftritte waren alles Netflix-Produktionen. In einem Interview sagten Sie „ich glaube, dass kein Sender in Deutschland solche Serien wie „Unorthodox“ oder „How to sell drugs online (fast)“ ermöglicht und uns Schauspielern so viel Vertrauen geschenkt hätten.“ Schaufelt sich die Fernsehbranche gerade ihr eigenes Grab?
Langston Uibel: Ich denke nicht, dass sie sich ihr eigenes Grab schaufelt. Die Streamingdienste beeinflussen aber natürlich die Branche. Vor allem, inhaltlich. Die herkömmlichen Sender müssen nun nachziehen. Ich hoffe, dass sie sich jetzt mal mehr trauen, spannende, junge und frische Formate zu entwickeln. Erste Tendenzen zeichnen sich ja ab!

2018 sagten Sie in einem Interview „in Deutschland herrsche gerade ein sehr unfreundliches Klima“. Wie sieht es drei Jahre später aus? Geht uns die Höflichkeit immer mehr verloren und was macht das mit einer Gesellschaft?
Langston Uibel: Ich kann natürlich nur für Berlin sprechen, aber in meiner Wahrnehmung hat sich etwas getan. Berlin scheint immer wichtiger und relevanter zu werden. Ich finde es nach wie vor sehr wichtig, dass man höflich und freundlich zueinander ist. Man weiß doch nie was jemand gerade durchmacht oder erlebt hat. Da kann eine unüberlegte Unfreundlichkeit viel verursachen. Man sollte vorsichtig und umsichtig mit seinen Mitmenschen sein.

Sie sagten außerdem, dass wir in Deutschland „eine politische Kultur haben, in der alles sehr weit weg entschieden wird.“ Welche Themen müssen wir dringend angehen?
Langston Uibel: Ich sehe gerade drei große Themen: Klimaschutz, Soziale Gerechtigkeit und die Digitalisierung. Ich finde alle Themen gleich wichtig. Wobei die nicht vorhandene Digitalisierung in Deutschland schon deutlich ist. Wir müssen Stand jetzt Geld bezahlen um Geld abzuheben. Ich glaube wir haben hier noch viel zu tun.

„Wir müssen Stand jetzt Geld bezahlen, um Geld abzuheben. Ich glaube wir haben hier noch viel zu tun.“

Muss die Filmbranche noch mehr die gesellschaftliche Aufgabe wahrnehmen Missstände, Probleme und Thematiken aufzuzeigen oder wird dem Medium und der Kunst so die Leichtigkeit aberkannt? 
Langston Uibel: Ein Film muss nie irgendetwas außer gut sein. Ich finde die Qualität muss immer über Allem stehen. Solange etwas gut ist, hat es immer eine Daseinsberechtigung. Kunst hat zudem mindestens etwas Gesellschaftskritisches. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt. 

Welche Rolle spielt Ihr Aussehen in Ihrem Leben? 
Langston Uibel: Ich finde Äußerliches auch wichtig. Nicht unbedingt bei Menschen, aber bei allem anderen im Leben. Ich finde Dinge sollten gehaltvoll sein, aber sie können dabei auch gut aussehen. Egal ob ein Pitch, eine Wohnung, ein Theaterstück oder ein Kinderwagen.

„Kunst hat zudem mindestens etwas Gesellschaftskritisches. Beabsichtigt oder unbeabsichtigt.“

In einem Interview sagten Sie, dass Lebensqualität für Sie mit Bildung gleichzusetzen ist. Bildung, um sich die Welt erschließen zu können. Was bedeutet für Sie Glück?
Langston Uibel: Mein Glück ist es meine Umwelt zu verstehen. Das verdanke ich natürlich auch meiner Bildung aber auch meinen Eltern und meinem persönlichen Umfeld. Das wertschätze ich sehr und empfinde es auf keinen Fall als Selbstverständlich.

Sie wollen, so macht es den Eindruck, als Künstler gerne auch politisch aktiv sein und die Macht gehört zu werden dazu nutzen, etwas zu verändern. Worin sehen Sie den Sinn des Lebens?
Langston Uibel: Das man sich findet und sich wohl fühlt bei den Sachen, die man macht. Und wenn man noch Zeit hat der Welt irgendwas Schönes zu hinterlassen.

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