Julien Backhaus © Rene Hundertpfund 

Glück ist Einstellungssache, das hat mit den äußeren Faktoren nichts zu tun. 

von Laura Bähr

Julien, du giltst in der Branche als Menschenfänger. Ein Kompliment oder eine Beleidigung?
Julien Backhaus: Ich sehe das neutral. Für mich ist ein Menschenfänger jemand, der besonders einfach und besonders überzeugend kommunizieren und Menschen für seine Ideen gewinnen kann. Das ist etwas, was ich schon immer konnte, deswegen ist das für mich weder ein Kompliment noch eine Beleidigung, sondern einfach eine Beschreibung meines Charakters. 

Ein angeborenes Talent oder kann man sowas lernen?
Es geht beides. Bei mir ist es mit Sicherheit ein angeborenes Talent, jedoch kenne ich viele Menschen, die überhaupt nicht mit solch einer Fähigkeit gesegnet waren und durch viel Übung auch zu tollen Kommunikatoren geworden sind. 

Gehört das „gut kommunizieren können“ heute mit zu den wichtigsten Eigenschaften, die man mitbringen muss, um erfolgreich zu sein? 
Ich glaube das war schon immer eine wichtige oder entscheidende Fähigkeit und es gab in der Geschichte auch schon immer Menschen, die besonders gut auf ihre Mitmenschen gewirkt haben und dass für ihre Zwecke genutzt haben. Früher waren das Könige, heute sind es Menschen in den Medien und Unternehmen. Diejenigen, die ihre Ideen einfach und überzeugend rüberbringen können, haben glaube ich früher wie heute mehr Erfolg im Leben. 

Du hast in deinem Leben schon viel ausprobiert. Warst Automobil-Kaufmann, hattest einen Online-Versandhandel, hast in einer Werbeagentur gearbeitet. Waren diese ganzen Stationen für dich wichtig, um dahin zukommen, wo du heute bist? 
Ich glaube Erfolg ist eine Treppe und die hat nun mal viele Stufen. Ich bin mir sicher, dass ich auf jeder Stufe viel gelernt habe, vor allem über mich selbst. Grundsätzlich bin ich ein neugieriger und kreativer Typ und probiere gerne Dinge aus, ob sie mir liegen oder nicht. Ich würde sagen meine Schulzeit und meine Berufsausbildung haben vor allem dazu geführt, dass ich die Motivation entwickelt habe, auf eigenen Beinen zu stehen. Das war eine Negativ-Motivation. Meine Schulzeit habe ich als sehr schrecklich wahrgenommen. Und auch meine Ausbildung hat mir nicht das gegeben, was ich wollte. Seit dieser Zeit ist mir klar, dass ich niemals abhängig beschäftigt sein möchte und unbedingt etwas Eigenes brauche. 

Hast du das Gefühl, dass das Schulsystem heute zwangsläufig in die berufliche Abhängigkeit führt? 
Das Schulsystem ist darauf ausgelegt, wirtschaftliche Abhängige zu züchten. So lange die künstliche Intelligenz noch nicht so weit ist, dass sie die Arbeiter ersetzen kann, brauchen wir schließlich die Menschen, die diese Dienste ausführen und für die Unternehmer die Handarbeit erledigen. Von daher ist dieses Schulsystem aus der Historie heraus, schon immer darauf ausgelegt gewesen, die Themen Wirtschaft und Finanzen außenvorzulassen. Das ist für uns Unternehmer natürlich ein Segen, da wir so an unsere Kräfte kommen. Dadurch, dass die jungen Menschen von Wirtschaft und Finanzen keine Ahnung haben, wissen sie auch nicht, was sie wert sind und was sie den Unternehmern einbringen. Solange sie das nicht wissen, können wir sie günstig einkaufen und durch sie einen hohen Profit erzielen. 

Woran liegt es, dass so viele junge Menschen ihren Wert nicht kennen? 
Das ist eine gute Frage. Es gibt schließlich genügend Bücher und Blogs und Möglichkeiten der Information. Ich glaube dieses Phänomen spiegelt ganz gut wieder, dass der Großteil der Menschen zu faul ist, über solche Dinge nachzudenken und lieber in ihrem Jetzt-Zustand verweilen. Es ist immer nur ein kleiner Prozentsatz der Menschheit, böse Zungen nennen ihn Elite, die sich über den Tellerrand hinaus informieren und Dinge hinterfragen. Der Rest lässt sich lieber treiben. 

Wie stehst du zu dem zunehmenden Einsatz von Robotern und künstlicher Intelligenz?
Ich habe neulich in einer Studie gelesen, dass die künstliche Intelligenz 2062 genauso intelligent sein wird, wie der Mensch selbst. Das ist sicherlich auch eine Entwicklung, die einem auf den ersten Blick Angst macht, aber wir werden das Ganze nicht aufhalten können. Was wir tun können und sollten, ist diese zu reglementieren. Wir sollten zum Beispiel Wert darauf legen die Emotionen bei der künstlichen Intelligenz rauszulassen, damit keine Egogeschichten in Kraft gesetzt werden. Kurz gesagt, sollten wir alles weglassen, was bei der Menschheit schiefgelaufen ist. Auf der anderen Seite gibt es auch viele Stimmen, die behaupten, dass die Welt durch eine künstliche Intelligenz besser würde, da diese ganz objektiv nach dem größten Nutzen für die Menschheit entscheidet und sich somit zum Beispiel gegen einen Krieg aussprechen würde. 

Du warst mit 24 einer der jüngsten Verleger weltweit. Muss man vor seinem 30 Lebensjahr seine Nische gefunden haben, um etwas Großes zu schaffen? 
Ich glaube nicht, dass es nach dem 30 Lebensjahr dafür zu spät ist. Jedoch bin ich der Meinung, dass es eine natürliche Entwicklung von Menschen gibt, die ihrer Leidenschaft folgen. Diese Menschen probieren meist schon früh verschiedene Dinge aus und erkennen dann häufig auch recht schnell, was sie können und was sie nicht können. In meinem Buch „Erfolg“ bin ich auch auf dieses Phänomen eingegangen, dass die erfolgreichsten Menschen Deutschlands wie zum Beispiel Oliver Kahn eben schon als Kinder wussten, was sie wollten, zum Beispiel Bälle fangen. (lacht) Und wenn man dann noch eine starke Persönlichkeit mitbringt, lässt man sich von diesem Ziel auch nicht mehr so leicht abbringen. 

Braucht jeder Mensch Erfolg, um glücklich zu sein? 
Andersherum. Wenn man glücklich ist, dann hat man auch Erfolg. Wenn man jedoch nur technischen Erfolg hat, wie zum Beispiel viel Geld oder tolle Autos, dann muss das nicht unbedingt etwas mit Glück zu tun haben. Derselbe Mensch kann schließlich gleichzeitig jeden Morgen unglücklich aufstehen und sich fragen, wozu er den ganzen Scheiß überhaupt macht. Für mich ist Erfolg eher Erfüllung. Man sollte immer erst versuchen glücklich zu sein, dann folgt der Erfolg von ganz alleine. Glück ist Einstellungssache, das hat mit den äußeren Faktoren nichts zu tun. 

Eine deiner Thesen ist, dass man, um gut mit Geld umgehen zu können, Geld verstanden haben muss. Wie funktioniert Geld? 
Geld folgt dem größten Nutzen. Die Menschen, die mit ihrem Projekt oder ihrer Idee den größtmöglichen Nutzen für den Einzelnen schaffen, ziehen das größtmögliche Geld an. Das kann zum Beispiel auch ein Redner sein, der einen so inspirierenden Vortrag hält, dass alle Menschen ihn hören wollen, wie ein Eckert von Hirschhausen oder Richard David Precht, die auch in der breiten Öffentlichkeit einen breiten Nutzen schaffen und eine gute Mischung zwischen Intellekt und Entertainment liefern. Auch ein Unternehmen, was es geschafft, das zehnfache des Herstellungspreises für ein Mobiltelefon verlangen zu dürfen, hat verstanden, dass der Nutzen den Markt reguliert. Geld hat immer etwas mit Mehrwert und Selbstwert zu tun. Wenn ich selber von mir überzeugt bin und sagen kann, ich schaffe einen solchen Mehrwert, dass ich es verdient habe, mehr zu verdienen, dann fühlt sich das Geld schon direkt wohler bei mir, weil ich viel respektvoller mit ihm umgehe. Grundsätzlich hört man viele reiche Menschen sagen, dass sie es sich wert sind, dass das Geld zu ihnen fließt. Es scheint also auch ein bisschen was Spirituelles zu sein, das mit dem Geld. 

Der Schauspieler Aleksandar Jovanovic hat in einem Interview gesagt, „Geld ist nur eine Zwischenwährung für Lebenszeit“. Wofür gibst du dein Geld und deine Lebenszeit aus?
Ein Freund von mir aus dem Finanzbereich sagt immer, „dein Gehalt ist deine geronnene Arbeitszeit“. Ich gebe mein Geld gerne für Komfort und für besondere Erlebnisse aus. 

Stufst du es als gefährlich ein, wenn man dem Komfort beziehungsweise dem Luxus verfällt? 
Nein, ich halte Luxus für nichts Verwerfliches. Manchen ist Komfort wichtig, anderen nicht. Ich bin der Meinung, dass Geld den Charakter des Menschen immer nur verstärkt, ihn aber nie verändert. Wenn man vorher ein guter Mensch war, dann kann man mit seinem Geld auch Gutes bewirken und wenn man ein Arsch war, dann ist man später eben ein reicher Arsch. 

Neben deinen Printveröffentlichungen bist du seit einiger Zeit auch mit „Wirtschaft TV“ auf dem Markt. Wird die Welt bald komplett vom Film beherrscht?
Auf jeden Fall. „Wirschaft TV“ gibt es jetzt seit vier Jahren und wir haben bereits eine Kooperation mit Amazon Prime gestartet. Ich glaube Bewegt-Bild ist eine sehr starke Evolution – der Ton spielt allerdings in der Zweitverwertung auch eine wichtige Rolle. Die Menschen möchten immer mehr hören und sprechen, das erkennt man an den ganzen Sprachfunktionen, die das austauschen noch weiter vereinfachen. 

Apropos Amazon. Sollte man sich als Unternehmer immer mit den großen Playern wie Google, Apple oder Amazon gutstellen? 
Das ist eine gute Frage, weil es zwei sehr starke Lager gibt. Die einen sagen, es ist besser, wenn man sich auf seine Unabhängigkeit besinnt und die anderen sagen, man sollte mitnehmen was geht und auch große Plattformen für sich nutzen. Beides ist vermutlich irgendwie richtig. Ich glaube, es kommt darauf an, was man für ein Typ ist. Wenn man sich mit so einem Riesen einlässt, muss einem bewusst sein, dass das Gegenüber am längeren Hebel sitzt. Das bedeutet man kann sich entweder unterordnen oder man hat verloren. Ich würde jedem dazu raten, zu versuchen auf mehreren Plattformen erfolgreich zu werden, sodass man nie von nur einem Partner abhängig ist. 

Du warst vor einiger Zeit Thema bei Jan Böhmermanns Show „Neo Magazin Royal“ und meintest als Reaktion darauf, dass in erster Instanz jede Öffentlichkeit einen weiterbringt. Ist das „das“ wichtiger als das „wie“? 
Karl Lagerfeld hat mal gesagt, sie können über mich schreiben, was sie wollen, Hauptsache sie schreiben über mich. Was reine Publicity und Veröffentlichung angeht, ist das sicherlich ein wahres Argument. Jede Veröffentlichung ist besser, als keine Veröffentlichung. Das sorgt dann in erster Linie dafür, dass die Bekanntheit steigt. Die Bekanntheit hat im zweiten Schritt noch nichts mit den Inhalten zu tun. Ich persönlich finde es allerdings schöner bekannt zu sein und eine Botschaft zu vermitteln. Ich hätte kein Interesse daran, eine reine Projektionsfläche zu sein, wie eine Kardashian, die sind zwar bekannt, aber haben keinen Inhalt. 

Du wirst oft als Business-Influencer bezeichnet. Kannst du dich mit dieser Berufsbezeichnung identifizieren? 
Auf jeden Fall, ich teste zwar keine Lippenstifte, aber bei mir geht es ja auch um Ideen, nur eben im Wirtschafts- und Finanzbereich. 

Was macht einen guten Business-Influencer aus? 
Ich glaube, ein guter Business-Influencer muss authentisch sein und seine eigenen Erfahrungen teilen können. Außerdem muss er über Wissen verfügen, mit dem die Menschen ihren Alltag oder ihr Berufsleben bereichern können. 

Würdest du sagen, du bist ein gutes Vorbild für die aktuelle Generation?
Ich will kein typisches Vorbild sein, sondern einfach so leben, wie ich es für richtig halte. Und wenn manche sagen, hey, so ähnlich stelle ich mir das auch vor, dann können die gerne von mir lernen. Es gibt aber glaube ich auch genauso viele Leute, die gar nichts mit mir anfangen können und das ist auch gut so. Ich bin ja auch bekennender Egoist und schließlich können nicht alle Egoisten sein, sonst würde das System nicht funktionieren. 

Du hast als Verleger bereits einige neue Magazine auf den Markt gebracht. Ist der Publikationsmarkt nicht auch irgendwann überfüllt? 
Mich persönlich erstaunt es auch immer wieder, wie viele Nachrichtenmagazine oder noch schlimmer wie viele People-Magazine nebeneinander existieren können. Wir haben heute einen so starken Zeitschriftenmarkt wie noch nie. Von zehn neuen Titel werden zwar acht wiedereingestellt, aber zwei bleiben. Die Medienlandschaft wird sich stetig weiterentwickeln, weil es noch nie so eine große Nachfrage an Wissen und Unterhaltung gab. Die Leute googeln und youtuben und podcasten, was das Zeug hält und konsumieren mit ihrem Smartphone am Tag bestimmt acht Stunden Medien. Uns Medien wird es noch eine ganze Weile geben. 

Du publizierst trotz der aktuellen digitalen Welle immer noch einige Printmagazine. Hat das gedruckte Magazin doch noch eine Zukunft? 
Nein. Die Printauflagen sind lange nicht mehr so hoch wie früher. Sogar große Flaggschiffe wie der Spiegel oder die Bild haben was ihre Printprodukte angeht einen Rücklauf von über fünfzig Prozent. Bei unseren Magazinen kann man es noch nicht so gut messen, weil wir relativ jung sind. Ich selbst bin aber gar kein Freund oder Verfechter von Print, da es für mich als Unternehmer viel attraktiver ist, in den Digitalmarkt umzusteigen. Auf der seinen Seite habe ich natürlich viel geringere Fixkosten, auf der anderen Seite, tun wir damit unserer Umwelt einen großen Gefallen. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass das Gefallen von E-Papern nur mit Gewohnheit zu tun hat, deswegen müssen wir dieses neue Lesen langsam fördern.

Es macht den Eindruck, als ob auch immer noch viele Größen auf dem Markt, den Wechsel zum Digitalen noch nicht ganz verstanden hätten. Was machen sie falsch?
Ich glaube es hat viel mit der Kaufhemmung zu tun. Viele Magazine haben ein breites Publikum und ein noch breiteres Themenspektrum, das für den einzelnen Leser am Ende des Tages nur circa 20 Prozent der Inhalte interessant sind. Das bedeutet, wenn man für fünf Euro ein Magazin kauft, hat man für vier Euro Inhalte gekauft, die man eigentlich gar nicht möchte. Das ist glaube ich etwas was mittlerweile viele stört und weshalb auch viele besonders Periodika wie Wochenzeitungen meiden, weil sie wissen, dass sie es in der vorgegebenen Zeit gar nicht schaffen können das ganze Produkt zu konsumieren, bevor schon wieder drei neue Zeitungen auf dem Tisch liegen. Reichweite ist für Magazine viel wichtiger, als der Einzel- oder der Abo-Verkauf. Das haben viele aber immer noch nicht verstanden und rennen ihren Kunden mit Bohrmaschinen als Werbegeschenke hinterher. 

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