Sven Plöger © SWR/Christian Koch

Man kann heutzutage sein Geld nicht besser anlegen, als es in den Klimaschutz zu stecken und die Wirtschaft umzugestalten.

von Laura Bähr

Herr Plöger, sind Sie ein wetterfühliger Mensch? 
Sven Plöger: Nein, überhaupt gar nicht. Aber umso mehr bin wetterbegeistert und fasziniert von jedem Wetterphänomen. Aber ich weiß von Medizin-Meteorologen, dass es Wetterfühligkeit gibt und kenne auch einige Menschen, die wetterfühlig sind. 

Wann und wie haben Sie Ihre Leidenschaft fürs Wetter entdeckt? 
Das ist lange her. Ich weiß noch, dass wir in der Schule in der 3. Klasse plötzlich das Thema Wetter hatten und wir mussten uns Wolken anschauen und uns die Namen merken, Temperaturen und Regenmengen messen. Das habe ich mit großer Begeisterung gemacht und alle möglichen Bücher für Kinder gekauft und x-Mal gelesen, mich hat das einfach fasziniert. Und dann gab es 1976, da war ich in der 9. Klasse, am Ende des Sommers ein heftiges Gewitter, und das führte zu einem Blitzeinschlag in ein Stromverteilerhäuschen wie es die damals noch gab. Und dann gab es einen Schlag, und rums war die ganze Siedlung stockfinster und es hat weiter gehagelt und gestürmt. Das hat mich alles so wahnsinnig fasziniert, da wusste ich, dass ich Meteorologe werden wollte. Ich konnte das natürlich zu dem damaligen Zeitpunkt weder schreiben noch aussprechen (lacht). Aber es hat mich nie wieder losgelassen.

Sie wurden 2010 als bester Wetter-Moderator Deutschlands ausgezeichnet. Was macht einen guten Wetter-Moderator aus? 
Zunächst mal ist das eine Entscheidung der Jury, die mich sehr gefreut hat. Ich glaube, man muss erreichen, dass man durch eine Selbstverständlichkeit versucht, die fachlich komplizierte Welt des Wetters den Menschen nahezubringen, in dem man eine interessante Wetter-Geschichte erzählt. Man muss natürlich die Frage „Regenschirm ja oder nein“ beantworten. Aber statt alles vorzulesen, was auf der Karte steht – was ja sehr langweilig ist, da es ja jeder sieht – ist der Reiz für die Zuschauer und damit auch für mich das, was „On Top“ kommt. Eine inhaltliche Bereicherung, ein kleines Erklärstück von meteorologischen Zusammenhängen, das aber jeder verstehen kann. Wenn ich im Fernsehen „postfrontale Subsidenz“ sage, muss ich natürlich erklären, was ich damit meine, ansonsten habe ich die Aufmerksamkeit der Zuschauer verloren. Da ich ja immer mal wieder auch Castings für angehende TV-Wetterfrösche mache, ist mein Ratschlag immer dieser „lernt nichts auswendig, sondern „lebt“ das Thema und seid keine „Sprechpuppe“. Und seid wie ihr seid, für zwei Minuten so zu tun als sei man jemand anders, ist irre schwer und geht eigentlich immer nach hinten los“  

Meteorologen werden immer wieder kritisiert, dass viele ihrer Vorhersagen nicht stimmen. Wie nehmen Sie solche Kritik auf? 
Erstens stimmt es ja nicht, das ist das Beruhigende für mich, sehr, sehr oft liegen wir Wetterfrösche schließlich richtig. Sogar zu 90 % für den Folgetag. Aber das bedeutet natürlich auch, dass 10 % falsch sind. Und was merkt man sich besonders gut? Die Fehlprognose. Wenn die Vorhersage richtig ist, wird man kaum über den „Plöger vom Vorabend“ nachdenken. Wenn sie aber mal falsch ist und man ist darauf eingestellt, dass es trocken bleibt und man wird plötzlich patschnass, dann wird man diesen Wetterbericht so schnell nicht vergessen und erfindet vielleicht sogar ganz neue Namen für mich (lacht). Was mich aber sehr freut, ist, dass ganz viele Zuschauer mir bei meinen Vorhersagen, Prognosen und Erklärungen vertrauen, das bekomme ich durch Gespräche nach meinen Vorträgen oder auch in vielen Mails immer wieder vermittelt. Und für mich gehört auch Kritik dazu. Wenn sie solide argumentiert ist, ist sie schließlich sehr bereichernd. Anders ist es mit dumpfen Beleidigungen. Die wandern sofort in die Ablage P – den Papierkorb – denn ich möchte mir von niemandem meine kostbare Zeit rauben lassen.  Und dann gibt es natürlich auch Wetterlagen, die sehr schwer vorherzusehen sind. Etwa bei Schauern oder Gewittern, die ich für das mit eindrücklichste Phänomen in unserer Atmosphäre halte. Solche Regengüsse sind – wie jeder schon einmal selbst erlebt hat – sehr kleinräumige Phänomene. Deshalb kann ich sehr gut sagen, wo es das Potential für Schauer, Gewitter oder Unwetter gibt, aber ob es in diesem oder jenem Stadtteil um 13:43 Uhr einen Regen, der 27 Liter Niederschlag bringt, das lässt sich kaum sagen. Dafür sind die physikalischen Prozesse einfach zu komplex und es gibt auch mathematische Grenzen in der Modellierung. Selbst in einigen Jahrzehnten wird eine solche Vorhersage nicht möglich sein, auch wenn stets an Verbesserungen gearbeitet wird. Das ist ein bisschen vergleichbar mit dem Blick in einen Kochtopf mit kochendem Wasser. Jeder sieht sofort, dass dort ständig Blasen entstehen und es stets blubbert. Wenn aber die Frage lautet, an welcher Stelle ganz genau im Topf die nächste Blase hochkommt, dann ist das schlicht unmöglich zu sagen. Zurück zur Wetterprognose: Fast alle Zuschauer begreifen, wo die Probleme bei einer sehr regionalen Prognose liegen und ich sage das auch im Fernsehen immer wieder mal. Nur sehr wenige bleiben dann dabei, den Meteorologen wegen persönlicher Unfähigkeit zu beschimpfen. Aber da kann ich dann leider auch nicht weiterhelfen, denn schlichtes Rumnörgeln ist ja kein konstruktiver Beitrag.  

Die Meteorologie erlebt in den letzten Jahren eine starke Automatisierung. Zahlreiche Stationen, die jahrzehntelang bemannt waren, werden vollständig automatisiert, der klassische Wetterbeobachter scheint nicht mehr gebraucht zu werden. Sehen Sie diese Entwicklung positiv oder negativ? 
Rein meteorologisch ist das natürlich nicht gut, denn eine Augenbeobachtung des Himmels durch einen ausgebildeten Wetterbeobachter ist das Beste, was man bekommen kann. Früher wurden solche Beobachtungen dann verschlüsselt per Fernschreiber als SYNOP-Code weitergegeben, heute haben wir natürlich andere Möglichkeiten, die Daten aufzubereiten. Auf der anderen Seite müssen die Beobachter auch bezahlt werden und das ist natürlich erheblich teurer als automatisierte Stationen einzusetzen, deren Unterhaltskosten vergleichsweise niedrig sind. Dass also der wirtschaftliche Gesichtspunkt ebenfalls gesehen werden muss, sehe ich schon ein. Einiges wird auch ausgeglichen. So können Webcams hier und da helfen und die Qualität von Satelliten ist ja auch immer besser geworden, weshalb sie eine ganze Menge an Information ersetzen können. Aber da sie immer von oben durch alle Atmosphärenschichten durchschauen, ist die Bodenbeobachtung trotzdem noch das Präziseste. Das größte Problem gibt es übrigens bei der Messung der Schneehöhe, die gerade bei Schneeverwehungen mit Automaten nur sehr schwer vorzunehmen ist oder auch bei der Wetterbeobachtung auf dem Ozean. Feuerschiffe, die sich durchweg an einem Standort befanden, gibt es heute – auch aus Kostengründen – immer weniger. Damit wird auch den Datensatz, der in die Vorhersagemodelle eingeht, etwas ungenauer, was die Vorteile der Verbesserung der Rechenleistung der Computer teilweise wieder auffrisst.

In Ihrer neuen Youtube-Reihe „Sven Plögers Klimablick“ sprechen Sie Fragen an, die Sie rund um den Klimawandel beschäftigen. Fällt es Ihnen schwer, diese wichtigen Aspekte in ein „Wissen2Go“-Format zu verpacken? Man hat ja auch das Gefühl, dass die Menschen nur noch solche kurze Wissensbrocken in den Alltag integrieren können?
Ja, aber ich glaube das Gefühl täuscht ein bisschen, das wir alle nur noch kurz zuhören können und unsere Aufmerksamkeit nach wenigen Sätzen schon wieder nachlässt. Das sieht man ja auch an diversen Podcasts, wie zuletzt bei dem bekannten NDR-Podcast mit dem Virologen Christian Drosten über das Corona-Virus. Da wurde ja teilweise über eine Stunde gesprochen und viele fanden das hochinteressant, weil sie mal etwas Differenziertes erfahren und nicht immer nur im Schlagwortsumpf versinken. Der Philosoph Sir Francis Bacon hat mal gesagt: „Wissen ist Macht.“ Und wenn man diese Weisheit umdreht kommt raus: „Unwissen ist Ohnmacht“. Das finde ich sehr zentral. Wir müssen unser Wissen verbessern. Genau darin sehe ich auch die große Chance eines Kanals wie „Sven Plögers Klimablick“. Ich habe damit die Möglichkeit  in einem Thema zu differenzieren und ich habe keine feste Zeitvorgabe. Ich kann mich also beim Zeitbedarf rein nach dem Thema richten, das können also mal 10 Minuten und vielleicht auch mal mehr als 45 Minuten sein, wobei ich mich bisher meist bei 10 bis 20 Minuten eingependelt habe. Interessant ist auch, dass ich Themen verknüpfen kann. Ich muss mich nicht nur darauf beschränken, physikalische Zusammenhänge des Klimasystems zu erläutern, sondern ich kann auch eine gesellschaftspolitische Einordnung vornehmen, die dann wieder Grundlage für Diskussionen werden kann. Völlig klar ist schließlich, dass man über Physik schlecht diskutieren kann, sie muss man einfach verstehen und wenn man das nicht tut, hat man ein Problem. Bei Maßnahmen für oder gegen etwas sieht das ganz anders aus. Hier will mein Klimablick auch den ein oder anderen Anstoß geben. Kontroverse Positionen dürfen und sollen dabei gerne eingenommen werden. Das macht eine Gesellschaft ja aus. Nur – wie beim Wetter auch: Persönliche Beleidigungen sind auch hier überflüssig, helfen niemandem und verschwenden – abgesehen von ihrer grundsätzlichen Stillosigkeit – nur Zeit. Ich finde an dem Format auch toll, das ich plötzlich generationsübergreifend, auch junge Menschen erreichen kann. Nicht mit der Zielsetzung so zu tun, als wäre ich jetzt Berufsjugendlicher geworden (lacht). Ich will nicht missionieren, sondern übersetzen! Ich will auch nicht in eine Jugendsprache verfallen, sondern einfach Zusammenhänge erklären. Als 53-Jähriger bekomme ich nun plötzlich und nach 20 Jahren Medienerfahrung von 23-jährigen die Medienwelt – eben die im Netz – erklärt (lacht). Das ist spannend und sehr bereichernd. Generationen müssen beim Thema Klimawandel schließlich zusammen wirken und sich daher gedanklich auch verstehen. Genau das passiert bei dieser Arbeit. Am Ende muss „Unwissen ist Ohnmacht“ verschwinden, dann können auch Klimaforschungsleugner nicht mehr so viel erreichen. Dann haben wir eine kluge Gesellschaft, die auch die wissenschaftlichen und physikalischen Zusammenhänge versteht und bei absurden Argumentationen schnell parieren kann. 

Im Gegensatz zu vielen aktuell auch greifbareren Problemen stellt der Klimawandel nach wie vor eine Aufgabe dar, die irgendwann, irgendwo, irgendwem passieren wird und häufig siegt die Bequemlichkeit. Können wir auf der Basis der Freiwilligkeit so überhaupt arbeiten?
Mit Freiwilligkeit schaffen wir das nicht. Die ganze Menschheitsgeschichte zeigt auch, dass das noch nie funktioniert hat. Wir Menschen sind kognitiv dissonant. Man sagt A und macht B. Und dann kommt ganz häufig C dabei raus, „ja ich muss klimafreundlicher werden und einiges verändern und ich möchte das auch, aber in diesem Fall jetzt gerade – zum Beispiel bei meiner schon lange geplanten einwöchigen Shoppingtour nach New York – muss ich mal eine Ausnahme machen, weil ich mich doch so sehr darauf gefreut habe“. Total verständlich und menschlich, aber wenn ganz viele so handeln, dann kommt eben am Ende bei 7,8 Milliarden Menschen etwas anderes heraus, als wir eigentlich gemeinsam wollen. Dass uns das Thema extrem beschäftigt, zeigt ja nicht nur die unglaubliche Anzahl von Jugendlichen, die sich weltweit für „Fridays for Future“ engagieren, sondern auch die Tatsache, dass noch nie so viel über Umwelt und Klima diskutiert wurde wie 2019. Und gleichzeitig haben wir noch nie so viele SUV´s zugelassen, es gab noch nie so viele Flugreisen und Kreuzfahrten und noch nie so viel Plastikmüll. Das passt einfach nicht zusammen. Natürlich ist es schön, wenn vielleicht 10 % der Menschheit Idealisten sind, die ihr Verhalten durch die Einsicht, ändern. Aber wenn 90 % das nicht tun, wird man keinen Erfolg erzielen. Deshalb muss man, um alle mitzunehmen, Rahmenbedingungen schaffen. Das müssen politische Rahmenbedingen sein und das wäre auch ein Moment wo wir unsere Demokratie, die wie ich finde, im Moment ein bisschen schwächelt, stärken können, wenn wir eine sachbezogene Diskussion führen, die aber schnell zu einem Ergebnis kommen muss. Beim Klimawandel haben wir leider nicht mehr ewig Zeit, Was will die Gesellschaft? Wollen wir unsere Umwelt zerstören, ja oder nein? Und wenn die Antwort nein lautet, müssen wir Konsequenzen ziehen. Das ist zum einen die Preissteuerung. Es ist nicht verständlich, dass eine Taxifahrt nach München zum Flughafen 70 Euro kostet und der Flug nach Hamburg dann 29 Euro. Da müssen die Preise so angepasst werden, dass sie sinnvoll sind. Auf Strecken, wo es mit der Bahn eine gute und etwa gleichschnelle, aber umweltfreundlichere Alternative gibt, kann es nicht sein, dass letztere einfach viel teurer ist, weil man zum Beispiel bei der Luftfahrt auf eine Kerosinsteuer verzichtet. Warum dieser künstlich erzeugte Vorteil für die Umweltverschmutzung, wenn man selbige doch sauber halten will? Falsche Regeln führen zu einem falschen Ergebnis, das ist eigentlich leicht zu verstehen. 

Ähnlich wie beim Corona-Virus sind wir auch beim Klimawandel auf den Zusammenhalt der Gesellschaft angewiesen. Die Freiheit des einen bedeutet jedoch oft die Unfreiheit des anderen. Müssen wir vor der Lösung aller Probleme zunächst den Egoismus aus der Gesellschaft vertreiben?
Es wäre schön, wenn das gelänge, aber wir sind nun mal, wie wir sind. Dass 7,8 Milliarden Menschen auf einen Schlag von der großen Einsicht durchdrungen werden, von einem auf den anderen Tag anders zu werden und ihr Verhalten komplett ändern, ist meiner Ansicht nach ein naiver Traum. Das besagt übrigens nicht, dass es nicht jeder versuchen sollte und es hier und da sicher auch gelingt, was sehr schön ist. Aber wenn wir ehrlich sind, dann brauchen wir einfach Regeln, mit denen wir uns selbst „austricksen“. Und das erreichen wir, indem wir Rahmenbedingungen schaffen, die für alle gelten und anhand derer auch überprüft werden kann, wer sich nicht daran hält. Maßnahmen, die bestimmte Dinge einfach nicht erlauben. Denn wenn wir einfach nur sagen, dass Freiheit bedeutet, dass jeder Mensch zu einem viel zu geringen Preis ständig das tun kann, was er möchte, dann geht das bei dieser großen Anzahl von Menschen eben schief… Unser Planet, die Erde, interessiert sich nämlich nicht dafür, ob wir hier leben oder nicht. Das ist ihm egal, dieser Planet braucht uns nicht, wir brauchen ihn. Wenn wir uns also Maßnahmen zum Klimaschutz überlegen, dann tun wir das ausschließlich für uns – der Planet selbst erträgt jedes Klima. Wenn´s denn sein muss, hat er auch kein Problem damit, eine leblose Gesteinswüste zu sein. Es hat einfach keinen Sinn, dass wir versuchen, uns die Welt schönzureden. Wir müssen die Zusammenhänge verstehen und uns vernünftig einfügen. Und manchmal auch mit den eigenen Waffen schlagen: So umkreisen täglich viele Billionen Dollar und Euro  diese Welt. Also müssen wir es schaffen, diese Geldmassen in die richtige Richtung zu lenken. Neben der Politik tragen hier meiner Ansicht nach auch die Banken eine große Verantwortung, indem sie dem Gedanken eines „Green Deals“ folgen und damit das Anlegerverhalten in diese Richtung beeinflussen. Mir ist es am Ende lieber, dass jemand unwahrscheinlich reich damit wird, wenn er die Umwelt schützt, anstatt sie zu verschmutzen. 

Aufgrund der Corona-Krise liegt der Fokus vieler Menschen in naher Zukunft vermutlich auf der Stabilisierung der Wirtschaft. Kann das ein Rückschritt in Sachen Klimawandel bedeuten?
Corona ist eine Zäsur und die Politik hat sehr viel Geld zur Verfügung stellen müssen, um die extremen Folgen für die Menschen und für die Wirtschaft weltweit abzuschwächen und das war auch wichtig, das muss man tun. Aber das hat natürlich Folgen. Die Frage ist jetzt, schaffen wir es, diese Gelegenheit zu nutzen und wirklich umzusteuern, denn bisher beruht unser Wohlstand zwingend darauf, dass wir entweder Menschen oder die Natur ausbeuten. Das wird auf Dauer so nicht funktionieren, das ist nicht nachhaltig. Auch das wissen alle. Wenn wir mit unserem bisherigen Verhalten im 21. Jahrhundert so weitermachen, wie im 20. Jahrhundert, dann wird uns das den Wohlstand kosten. Das heißt, nichts zu verändern ist überhaupt keine Option, wir brauchen eine Transformation. Wir kennen auch die ganzen Stellschrauben schon, wir müssen sie nur anziehen. Der Impfstoff für den Klimawandel sind die erneuerbaren Energien. Den müssen wir viel intensiver einsetzen. Eine Chance, die sich weltweit auch durch die Abwahl des 45. amerikanischen Präsidenten verbessert. Wir dürfen nicht an dem Ast sägen, auf dem wir sitzen und wir müssen Gelder vernünftiger einsetzen. Alle Studien zeigen, dass jeder heute nicht in den Klimaschutz gesteckte Euro später mit – je nach Studie – 2 bis 11 Euro zurückzuzahlen ist. Selbst der konservativste Fall ist folglich eine Verdopplung der Kosten. Man kann heutzutage sein Geld nicht besser anlegen, als es in den Klimaschutz zu stecken und die Wirtschaft umzugestalten.

Virologen wie Professor Christian Drosten sind während der Corona-Krise zu verehrten und zugleich verhassten Stars aufgestiegen. Macht die Arbeit als Wissenschaftler überhaupt noch Spaß, wenn man sich ständig für seine Einschätzungen rechtfertigen muss? 
Ich versuche einfach, sachliche Informationen weiterzugeben und genau das macht auch Professor Drosten. Dass die Dinge, die die Forschung zutage fördert, uns nicht immer gefallen, ist eine schlichte Tatsache. Wie wir damit umgehen, eine andere. Herr Drosten macht für mich eine tolle, informative und transparente Arbeit, wenn man sich die Zeit nimmt, ihm wirklich zuzuhören und sich nicht auf das Lesen von Schlagzeilen beschränkt. Und es geht bei all dem um WissenSCHAFT. Man muss sich immer wieder vor Augen führen, dass man ja erstmal Wissen schaffen muss. Die Wissenschaftler wissen ja auch nicht von vorneherein alles. Auch beim Klimawandel mussten wir erst forschen, um Zusammenhänge und Auswirkungen zu verstehen. Ich selbst sehe mich in der Rolle eines inhaltlichen Übersetzers. Ich bin weder Missionar, noch muss ich von allen gemocht werden, wenn ich einige Klimarealitäten ungeschönt benenne. Es freut mich aber bei aller nachvollziehbaren Schwierigkeit mit einem so komplexen Thema wie dem Klimawandel, dass es in unserer Gesellschaft ein großes Verständnis für die Notwendigkeit gibt, dass wir Dinge verändern müssen. Die Gesellschaft ist hier nicht sonderlich gespalten, einige Extremansichten werden aber – auch medial – gerne mal überbewertet. Wie bei Corona. Es gibt in unserem Land so viele Menschen, die die Maßnahmen mittragen und es könnten bei klarerer politischer Linie sogar noch mehrere sein.  Wenn man aber so manche Berichterstattung verfolgt, dann hat man durchaus mal den Eindruck, die meisten Leute wären „Querdenker“. Das ist definitiv und Gottseidank nicht der Fall. Am Ende steht für mich aber auch immer dies: Wenn ich versuche, Sachzusammenhänge zu erläutern, dann muss der Zuschauer oder Zuhörer am Ende selbst entscheiden, ob er mir glaubt oder nicht. Das ist in der Tat die Freiheit, die jeder selbst hat. Das akzeptiere ich und damit macht mir mein Beruf wirklich Spaß – es gibt wenige Dinge, die interessanter sind, als sich mit den Vorgängen in unserer Atmosphäre und damit der Lufthülle, derentwegen wir alle überhaupt leben können, zu beschäftigen.

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