Céline Flores Willers: LinkedIn ist wie eine Konferenz, die 365 Tage im Jahr stattfindet und für alle ständig erreichbar ist.

von Laura Bähr

Celiné, du bist eine der größten LinkedIn-Influencerinnen des Landes. Wie hat LinkedIn dein Leben verändert? 
Céline Flores Willers: LinkedIn hat mir ermöglicht, meinen Traumjob zu leben. Schließlich gab es den Job, den ich mache vor ein paar Jahren so noch gar nicht. Ich habe eine Firma gegründet, die sich damit beschäftigt, anderen zu helfen, Reichweite auf LinkedIn zu generieren. In den letzten 3 Jahren, seitdem ich aktiv geworden bin, hatte die Plattform einen großen Aufschwung. Alles, was ich mache, basiert auf dieser Plattform. Gäbe es kein LinkedIn gäbe es meinen Job so nicht und das bestimmt natürlich meinen ganzen Alltag und mein Leben. 

Hast du manchmal Angst, was passiert, wenn es die App, auf der alles basiert, irgendwann nicht mehr gibt? 
Céline Flores Willers: Ich wollte nie „nur“ Influencerin sein und mein Geld mit Werbesponsorings verdienen, den klassischen Influencer-Werdegang. Stattdessen war es mir wichtig, direkt auf mehrere Standbeine zu setzen, weshalb ich relativ schnell mein Unternehmen gegründet habe. Schließlich kann alles ganz schnell vorbei sein. Trotzdem weiß ich natürlich, dass unser Business auf LinkedIn fußt und wenn dann zum Beispiel, was schon vorkam, ein Post gesperrt wird, ist die Aufregung groß. Würde mein Account gesperrt, wäre das natürlich eine Katastrophe für das Unternehmen.

„LinkedIn hat mir ermöglicht, meinen Traumjob zu leben.“

Schließlich ist der Account häufig das erste Kennenlernen, der Türöffner. Die Kunden kennen mich oder werden auf LinkedIn auf mich und damit auch auf meine Produkte aufmerksam. Eine gewisse Abhängigkeit lässt sich also nicht leugnen. Deshalb versuche ich auch gerade, andere Accounts neu für mich zu erschließen. Auf TikTok haben wir mittlerweile zum Beispiel bereits 12.000 Follower, das ist ein Anfang. Das Wichtigste ist es aber, eine treue Fangemeinde zu haben, die einem auf jeder Plattform folgt. Dann braucht es auch kein LinkedIn, TikTok oder Instagram, sondern nur die richtige Community und Themen, die die Trends überdauern.

Für viele ist LinkedIn immer noch nicht ganz greifbar. Wie unterscheidet sich die Plattform von Instagram, Facebook und Co. – was kann LinkedIn jedem von uns bieten? 
Céline Flores Willers: Ich würde sagen, bei LinkedIn steht das Netzwerk im Fokus. Auf LinkedIn bewegen sich viele Entscheider, Chefs mit Budget, Leute, die in der Branche gefragt sind und etwas verändern können. Wer diese Menschen ansprechen will, findet sie nirgends sonst so gebündelt und aufmerksam wie hier. Wenn man sich hier gut positioniert, hat man einen extremen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt.

Wird vielleicht sogar aufgrund der eigenen Expertise proaktiv angeschrieben. Wenn man hier sichtbar ist, passiert vieles von allein. Und auch für die Unternehmen ist es eine tolle Sache, gerade in Sachen Mitarbeitergewinnung. Hier findet man ganz einfach Talente, die perfekt ins Team passen. 

„Das Wichtigste ist es eine treue Fangemeinde zu haben, die einem auf jeder Plattform folgt. Dann braucht es auch kein LinkedIn, TikTok oder Instagram, sondern nur die richtige Community und Themen, die die Trends überdauern.“

Bei LinkedIn geht es in erster Linie um gute Kontaktpflege. Wie baut man sich deiner Ansicht nach heute ein gutes Netzwerk auf? Worauf gilt es zu achten?
Céline Flores Willers: Eigentlich ist es ähnlich wie auf einer Konferenz, auf der man neue Leute kennenlernt. Man muss mutig sein, auf die Leute zugehen und von sich erzählen. Nur, dass LinkedIn eine Konferenz ist, die 365 Tage im Jahr stattfindet und für alle ständig erreichbar ist. Gerade uns Deutschen fällt es ja häufig schwer, einen Schritt auf „fremde“ Leute zuzugehen, aber diese falsche Schüchternheit muss man überwinden und proaktiv und offen allen gegenübertreten.

Und das ist digital einfacher als in der richtigen Welt. Für alle schüchternen, introvertierten Menschen bieten Social-Media-Plattformen wie LinkedIn folglich einen großen Vorteil. Sie müssen nicht am Stehtisch mit anderen diskutieren und sich mit lauter Stimme in den Mittelpunkt drängen. Wenn sie gute Inhalte und Themen haben, spielt sie der LinkedIn-Algorithmus automatisch nach vorne.

Welche drei Tipps kannst du jedem für sein LinkedIn-Profil mit auf den Weg geben? Ist es besser überhaupt keinen, oder einen schlechten Auftritt zu haben? 
Céline Flores Willers: Was kann man schon groß falsch machen? Das ist Social-Media, da sterben keine Leute, da kann nichts passieren (lacht). Zu Beginn werden die eigenen Aktionen sowieso kaum wahrgenommen, da muss man erst mal hinkommen und eine Weile gutes Personal Branding auf LinkedIn betreiben. Ich würde jetzt nicht rausgehen und einfach irgendwas machen.

„LinkedIn ist wie eine Konferenz, die 365 Tage im Jahr stattfindet und für alle ständig erreichbar ist.“

Es ist natürlich wichtig, sich strategisch zu überlegen, wo man hin will und was man dazu braucht, aber dann sollte man sich einfach trauen und nicht allzu lange überlegen. Irgendwann hilft die Planung nichts mehr, dann muss man einfach machen. Und es ist ja auch nichts in Stein gemeißelt, das darf man auch nicht vergessen. Das Profilbild oder der Beschreibungstext kann auch wieder schnell geändert werden. „Learning by Doing“ – es kann nichts passieren! 

Kann man heute ohne Personal Branding überhaupt noch erfolgreich sein? 
Céline Flores Willers: Natürlich kann man auch ohne LinkedIn und ohne Personal Branding erfolgreich ein Business führen. Es gibt genug Leute, die da nicht angemeldet sind und trotzdem erfolgreich sind. Ich frag mich nur immer, wie viel erfolgreicher wären sie, wenn sie zusätzlich auf LinkedIn wären (lacht). Es gibt Branchen, in denen die öffentliche Positionierung nicht so wichtig ist und dann gibt es andere, da kommt man eigentlich nicht mehr drum herum. Andererseits: Nur weil die Kollegen und Konkurrenten heute noch nicht auf LinkedIn sind, heißt es nicht, dass sie es vielleicht morgen schon sind. Es kann also nie schaden, seiner Branche einen Schritt voraus zu sein. 

Wie hat sich LinkedIn während Corona verändert?
Céline Flores Willers: Die Konversationsrate ist im Vergleich zum Vorjahr um 55 % gestiegen. Also richtig krass. So ein Wachstum spielt natürlich den aktiven Mitgliedern der Plattform in die Karten. Der Trend ging in den letzten Jahren stetig nach oben, aber die Zeit ohne persönliche Meetings und Zusammenkünfte hat das Wachstum natürlich noch ein bisschen gepusht. 

„Natürlich kann man auch ohne LinkedIn und ohne Personal Branding erfolgreich ein Business führen. Es gibt genug Leute, die da nicht angemeldet sind und trotzdem erfolgreich sind. Ich frag mich nur immer, wie viel erfolgreicher wären sie, wenn sie zusätzlich auf LinkedIn wären.“

2018 wurdest du zur Miss Universe Germany gewählt sowie als „LinkedIn Top Voice“ ausgezeichnet. Spielt gutes Aussehen beim Erfolg nach wie vor eine Rolle?
Céline Flores Willers: Ich glaube, das ist sogar wissenschaftlich bewiesen, ja. Für mich persönlich spielt es allerdings keine große Rolle. Mir ist am wichtigsten, dass meine Mitarbeiter motiviert sind. Es sind auch nicht die Leute, die die größten Erfolge verzeichnen, die auf LinkedIn per se die meisten Follower haben. Es sind die Leute, die die besten Geschichten erzählen können. Deshalb könnten in meinen Augen auch vor allem Journalisten sehr gute Influencer und Content-Creator werden, schließlich verstehen die doch am besten, wie man Storytelling betreibt/Geschichten erzählt. Vielleicht kommt das noch (lacht). 

Braucht es auf LinkedIn neben der Darstellung von Infos vor allem auch Unterhaltung? 
Céline Flores Willers: In erster Linie geht es um das große Wort Authentizität. Man darf keine Litfaßsäule sein, an der nur Werbung hängt. Man muss etwas mit den Menschen teilen, etwas mit Mehrwert, Geschichte, Gefühle und Erfahrungen. Und dann muss man schauen, was zu einem passt. Es gibt auch genügend erfolgreiche Menschen auf LinkedIn, die überhaupt nicht unterhaltsam sind. Aber das würde auch nicht passen und das wird bei ihnen auch nicht gesucht und verlangt. Man muss seine persönliche Personal-Branding-Strategie finden und sollte seinen Content nicht einfach nur kopieren oder zu viel nach links und rechts schauen. Denn genau dann leidet die Authentizität! 

„Man darf keine Litfaßsäule sein, an der nur Werbung hängt. Man muss etwas mit den Menschen teilen, etwas mit Mehrwert, Geschichte, Gefühle und Erfahrungen.“

Wie schafft man das? 
Céline Flores Willers: Damit habe ich mich in den letzten zwei Jahren ausgiebig beschäftigt und auch einen Kurs entwickelt. In erster Linie muss man die richtigen Fragen stellen. Und zwar zunächst sich selbst. Man muss sich intensiv mit sich selbst auseinandersetzen, sich fragen, wer man eigentlich ist, was die Stärken und Schwächen sind und wo man in Zukunft hinwill. Für welche Themen das Herz brennt, was einen nicht loslässt. 

Man hat heute das Gefühl, dass für viele junge Menschen, in ihrem Beruf alles finden wollen, Sinn, Leidenschaft, größtes Hobby und natürlich eine angemessene Bezahlung. Autorin Nina Kunz spricht in diesem Fall von dem Begriff „Workism“, dass wir uns ganz und gar mit unserer Arbeit identifizieren. Ist das deiner Ansicht nach manchmal vielleicht zu viel oder darf man sich gar nicht mit weniger zufriedengeben?
Céline Flores Willers: Sagen wir mal so, ich glaube nicht, dass es jeder erreichen wird, und es sollte in unserer Gesellschaft auch nicht das Ziel sein. Schließlich gibt es so viele Influencer und Menschen in der Medienbranche, die sich gut darstellen, dass das allgemeine Bild eines erfolgreichen Jobs vielleicht ein bisschen verschoben wurde.

Es können nicht alle mit Instagram Geld verdienen. Dann gibt viele Jobs, die Ups und Downs mitbringen und auch die müssen alle gemacht werden. Ich sehe das als absolutes Privileg und bin jeden Tag dankbar, das machen zu dürfen.

„Es können nicht alle mit Instagram Geld verdienen.“

Trotzdem wünsche ich natürlich jedem, dass er einen Job findet, der jeden Tag Spaß macht, aber ich glaube, das ist utopisch. Schließlich macht mir mein Job auch nicht jeden Tag Spaß, ich habe auch Momente, wo ich denke – was eine Scheiße (lacht). Und dann gibt es ja auch noch die Menschen, bei denen der Job gar nicht so einen hohen Stellenwert einnimmt. Da ist die Familie, Kinder oder Hobbies viel wichtiger. Da geht es beim Job in erster Linie ums Geld verdienen. Und das ist auch völlig ok.

Jeder hat ein anderes Wertesystem mit unterschiedlichen Prioritäten. Das Wichtigste ist, dass man sich darüber bewusst wird, wie hoch der Job beim persönlichen Prioritätsranking abschneidet und danach plant. Wenn man im Leben viel Zeit für Freunde, Hobbies oder Sport haben will, wird man in meinem Job nicht lange überleben. Diese Entscheidung muss jeder selber treffen. Für mich hat Erfolg zum Beispiel auch weniger mit Gehalt und Geld, sondern mehr mit Verantwortung und Teamgeist zu tun. 

Fühlst du dich manchmal von den sozialen Medien unter Druck gesetzt? 
Céline Flores Willers: Oh ja! Es gibt Phasen, da kann ich das an mir abprallen lassen und Phasen, da nehme ich mir alles zu Herzen. Und dann gibt es noch Momente, wo ich alles hinterfrage. Man muss bei so was auch so eine Scheiß-Drauf-Mentalität mitbringen, sonst geht man unter.

„Wenn man im Leben viel Zeit für Freunde, Hobbies oder Sport haben will, wird man in meinem Job nicht lange überleben.“

Wir haben vor kurzem mit der Influencerin und Moderatorin Liberta Haxhikadriu gesprochen, die meinte „Wenn du dich selbst zur Marke machst, lässt sich nicht verhindern, dass deine Arbeit und dein Leben ineinander verschwimmen.“ Wie siehst du das? Kannst und willst du die beiden Bereiche überhaupt noch trennen? Welche Gefahren bringt solch eine Verschmelzung mit?
Céline Flores Willers: Für mich wird das nur immer dann zum Problem, wenn mir alles über den Kopf wächst und ich merke, wie dringend ich gerade Zeit für mich brauche, ohne Marke. Aber ich liebe meine Arbeit und lebe für den Job, dann geht vieles automatisch Hand in Hand. Ich treffe genauso gerne meine Freundinnen, wie ich an einem neuen Projekt feile.

Trotzdem ist es wichtig die richtige Balance zu finden, denn irgendwann ist Schluss. Wenn ich am Wochenende nicht nur Termine vorbereiten will, sondern in Berlin an der Spree einen Aperol trinke, muss ich auch mal was absagen. Da muss man seine eigenen Grenzen kennen.

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