© Sandra Pinto

Sandra Pinto: Wir möchten, dass unsere Kunden am Morgen keine Zeit verlieren und gute Basics im Schrank haben, eine „Essential Wardrobe“.

von Laura Bähr

Sandra, was macht für dich ein nachhaltiges Modelabel aus? Hat sich die Branche in den letzten Jahren dahingehend in die richtige Richtung entwickelt oder ist auch viel Greenwashing und Marketing? 
Sandra Pinto: Ich denke, dass es in dieser Branche Greenwashing gibt und dass viele nicht wissen, was Nachhaltigkeit bedeutet. Nachhaltigkeit besteht aus drei Faktoren: Soziales, Ökologie und Wirtschaft. Als kleines Start-Up versuchen wir, eine Balance aus diesen drei Faktoren zu finden, da wir oft keine Verhandlungsmacht haben. Für uns ist es eine Challenge, an nachhaltige Stoffe zu kommen, da die Nachfrage noch sehr klein ist, oft scheitert es daran, dass die Mengen so groß wären, dass wir es uns nicht leisten können und/oder wir enormen „waste“ produzieren würden. Ich denke Greenwashing passiert, wenn große Brands eine „nachhaltige“ Linie für sehr wenig Geld anbieten können, da diese es sich leisten können, die großen Mengen einzukaufen, jedoch geht der soziale und wirtschaftliche Aspekt völlig verloren. Dieser ist auch verloren gegangen, als viele Brands ihre Produktionen gestoppt haben während der Coronakrise und diese bis heute liegen gelassen haben. 

Wenn du einen Appell an die Branche aussprechen dürftest, wie würde der lauten? 
Seid transparent und wächst mit eurer Community. Bei lamarel sind wir sehr offen – wir teilen mit unserer Community, dass wir noch keine nachhaltigen Stoffe benützen können und wieso. Für 2021 planen wir eine kleinere Kollektion zu produzieren, diese jedoch dann 100% nachhaltig.

Die Bloggerin Karoline Herr meinte zu uns: „Durch die sozialen Medien wie Instagram ist die Mode jetzt aber auf einmal demokratisch geworden und alle können daran teilhaben.“ Ist das deiner Ansicht nach eine Chance oder eine Gefahr für die Branche?
Meiner Meinung nach ist es eine Chance. Wir sind sehr dankbar für Feedback, auch wenn dieses manchmal harsch und hart ist, aber nur so können wir wachsen. 

Wie hast du die Corona-Krise wahrgenommen? Was müssen Labels aus dieser Krise mitnehmen?
Für mich war die Corona-Krise eine Chance mich umzustrukturieren. Vorher habe ich 80% für @entre_dois (Influencer) gearbeitet und 20% für meine Brand lamarel; jetzt ist es umgekehrt. Ich arbeite mehrheitlich nur noch für meine Brand und habe nun auch bereits ein kleines Team. Ich denke es ist schwierig zu sagen, was andere Brands aus dieser Krise mitnehmen müssen, denn ich denke, dass diese Pause für viele eine Chance war und für viele leider nicht, daher ist es sehr schwierig, darüber zu argumentieren.

Um deine Produktion weiter am Laufen zu halten, hast du dich entschieden Trainingsanzüge herzustellen – die super laufen. Warum sind Home-Anzüge deiner Ansicht nach so beliebt? 
Ja, es ist ein 360 Grad Wechsel. Vor einem Jahr habe ich elegante Kleider produziert, nun haben wir eine sporty Kollektion. Ich denke, dass die Anzüge beliebt sind, da der Schnitt oversized ist und mit einem Mantel auch sehr elegant aussehen kann für einen Spaziergang draußen.

Welche Mode braucht unsere Generation heute? 
Wir bei lamarel versuchen langsam eine „Essential Wardrobe“ aufzubauen. Wir möchten, dass unsere Kunden am Morgen keine Zeit verlieren und gute Basics haben. Für mich sind weiße und schwarze T-Shirts essentiell,  3-4 tolle Sweaters oder Hoodies und gut sitzende Jeans.

Du verweist bei deinen Teilen häufig auf den Begriff „Gender free“. Wird es in Zukunft überhaupt noch klassische Männer und Frauenmode geben?
Ich denke schon, dass es zukünftig noch klassische Mode geben wird, jedoch denke ich, dass es bei Basics nicht nötig ist. Bei der Abendgarderobe sieht dies bereits anders aus. 

Designst du deine Entwürfe selbst? Worauf achtest du bei den Modellen? Spielen auch schweizerische oder portugiesische Einflüsse mit rein?
Ich habe die Idee und die Schneiderin in Porto setzt es um, leider habe ich nie gelernt, wie man Schnittmuster designt. Als ich die Marke begonnen habe, hatte diese 100% portugiesischen Einfluss, jetzt ist es ein Mix.

Das Model Marie Nasemann meinte in einem Interview mit uns „Ich finde die Idee eines Sales prinzipiell falsch, ja. Ein Kleidungsstück sollte zu einem fairen Preis produziert und verkauft werden.“ Wie siehst du das?
Bei lamarel haben wir nie Sales, wir haben bereits die kleinste Marge, welche man sich vorstellen kann, um faire Mode anbieten zu können. 

Was braucht es, um mit einem eigenen Modelabel durchzustarten? Ist der Markt nicht irgendwann gesättigt? 
Man braucht auf jeden Fall Durchhaltevermögen. Ich habe dieses Projekt aus Leidenschaft begonnen, wer dabei nur an Geld denkt, wird schnell aufgeben. Es ist sehr schwierig am Anfang davon zu leben.

Was sind deine Top 3 Tipps für junge Unternehmerinnen und Unternehmer? 
1. Durchhaltevermögen & Geduld, 2. Guter Business Plan, 3. Gutes motiviertes Team.

Welche Rolle spielen die sozialen Medien und vor allem Instagram in deinem Leben? 
Die sozialen Medien haben dazu geführt, dass ich meine eigene Marke gründen konnte – das war immer schon mein Traum, dafür bin ich sehr dankbar.

Kann eine Marke heute noch ohne Social Media überleben? Auf welche Gefahren muss man dabei achten?
Ich denke es kommt immer auf die Zielgruppe drauf an. Ich denke Social Media ist eine Chance für viele Brands, welche jedoch richtig genützt werden muss. Instagram ist wie eine Visitenkarte. 

Fühlst du dich von dem Algorithmus und den Fans auf Social manchmal unter Druck gesetzt? Wie gehst du damit um?
Ich denke, dass ich eine gute Balance gefunden habe zwischen meinem privaten Leben und Instagram. Ich versuche abzuschalten sobald ich mit meinen Freunden und Familie bin – ironischerweise bin ich dann oft diejenige, welche nicht am Handy ist.

Du startest nach deinem Modelabel „Lamarel“ jetzt auch mit „Lamarel Home“ durch. Auf was dürfen wir uns freuen? 
Das Konzept von lamarel home ist limited edition. Ich werde mich für gewisse Kollektionen mit Designer zusammentun und limitierte Kollektionen produzieren.

Was fasziniert dich am Einrichten? 
Interior Design gibt mir Inspiration zu kreieren. Wir werden ständig bewusst oder auch unbewusst vom Interior Design beeinflusst und das fasziniert mich. 

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