Rabea Schif © Franziska Ambach

Die Reizüberflutung und das Tempo schränken den Raum für Kreativität enorm ein.

von Laura Bähr

Rabea, du hast Art und Design in London studiert. Welche Rolle spielt Kunst heute in deinem Leben? 
Rabea Schif: Kunst spielt schon immer eine besondere Rolle in meinem Leben. Mein Vater ist leidenschaftlicher Kunstsammler, ich bin mit Kunst groß geworden. Daher auch meine Liebe zur Kunst. Ich selber sammele heute auch gerne, hauptsächlich Fotografien, und bin Mitglied der Künstlerhilfe Frankfurt, die junge Frankfurter Künstler unterstützt. Fotografie ist außerdem eine große Leidenschaft von mir und ich versuche dieser Passion täglich weiterhin nachzugehen, wenn auch nur mit dem Handy. 

Du warst bereits als Produzentin, Styling-Assistentin, Designerin, Schauspielerin, Model und Journalistin tätig. Was kannst du am besten? 
Gute Frage! Ich behaupte immer von mir – I’m a jack of all trades, professional at nothing. Da mein Job heute aber eigentlich ein bisschen was von all diesen Tätigkeiten beinhaltet – ich style mich selber, habe schon Schmuck und Anzüge designt, muss mich journalistisch für meine Moderationsjobs vorbereiten, organisiere viele Drehs mit und Model für viele Marken – würde ich sagen, dass ich das alles kann und gut und gerne mache. Wenn ich mich aber einschränken müsste, würde ich sagen, dass ich mittlerweile am besten moderiere.

Du bist in erster Linie durch die Moderation von Webformate im Internet bekannt geworden. Worin unterscheidet sich die Arbeit einer Web-Moderatorin von der einer Fernsehmoderatorin? 
Es herrschen viel weniger Regeln im Web als im Fernsehen – man ist dort viel freier als im TV. Es fängt schon damit an, dass es seltener Vorschriften gibt, wie man sich zu kleiden hat oder ob man Anglizismen benutzen darf oder nicht. Außerdem kann man online Texte und Interviews freier gestalten. Das Internet ist einfach internationaler und zeitgemäßer.

Oft heißt es man muss als „Gesicht“ bekannt werden, um es in die großen Medien zu schaffen. Was braucht man heute deiner Meinung nach als Gesicht, um sich in der Öffentlichkeit zu etablieren? 
Oft wird gesagt, dass es wichtig sei eine Haltung zu haben oder authentisch zu sein, um sich in der Öffentlichkeit zu etablieren. Das stimmt gewissermaßen, aber ich denke, dass man auf jeden Fall auch originell sein muss, einen gewissen Stil und vor allem eine positive Ausstrahlung haben sollte – das hilft in meinen Augen noch viel mehr, um als „Gesicht“ bekannt zu werden.

Haben es junge Menschen in dieser Sache leichter, weil sie es gewohnt sind sich ständig überall zu präsentieren und ihre Persönlichkeit als Marke zu verkaufen?
Ja und nein. Die Konkurrenz ist viel größer geworden dank Instagram und Co. Dadurch ist es viel schwieriger geworden aus der Masse herauszustechen.

Du hattest in deiner Zeit in der PR Kontakt zu großen Modefirmen wie Celine und Co. Was sagst du zum aktuellen Aufmarsch der Influencer in dieser Szene. Inwiefern ist die Modebranche eine andere geworden? Wie stehst du zu diesen Veränderungen und der immer größeren Verbreitung der High-End-Marken – auch schon unter jungen Menschen?
Die Veränderung lässt sich nicht leugnen. Aus Sicht der Marken ist es eine spannende Entwicklung. Das Budget, dass früher in teure Werbeanzeigen investiert wurde, wandert heute in den Influencer Bereich. Die sozialen Medien haben neue, sehr schnelle Wege der Kommunikation eröffnet, durch die es möglich ist, ohne aufwendig produzierte Kampagnen eine breite Masse zu erreichen. Und ein Influencer versteht seine Follower – oder vermutlich sogar die gesamte „Generation Z“ besser – und kann die Marke auf eine nahbare Weise repräsentieren, die früher so nicht möglich war. Ich sehe ja grundsätzlich in allem etwas Positives und würde hier sagen, die Magie der großen Modehäuser wird nun auf andere Weise mit einem viel größeren und eben jüngeren Publikum geteilt. 

Wofür brauchst du die Mode in deinem Leben?
Mode ist ein kreatives Ventil für mich. Ich benutze Mode täglich als Ausdruck meiner Laune. Sich schön zu kleiden macht mir Spaß und ich liebe es auf Vintage Märkte und in second-hand Shops zu stöbern und Schmuckstücke zu finden. Ich versuche mir dann immer vorzustellen wer die Sachen vor mir getragen hat und wo die Teile schon überall waren.

Haben durch diese vorgesetzten „In-Themen“, die aktuell durch Social Media verbreitet werden wahre Trends deiner Ansicht nach überhaupt noch eine Chance?
Trends werden so zwar von den Influencern mit bestimmt, ich glaube aber weiterhin daran, dass die Trends in den großen Modehäusern und auf der Straße, offline, entstehen. Das, was von den großen Modehäusern entworfen wird, wird adaptiert, verjüngt und einer breiten, jungen Masse angepriesen. Durch die sozialen Medien werden die Trends nur schneller verbreitet. 

Hat es Deutschland in Sachen Trendsetzung auf vielen Gebieten setzen schwer? Wenn ja, wieso?
Ich denke, in Deutschland entstehen viele toll Trends, die sich auch immer noch von den internationalen Trends unterscheiden. Vor allem in Berlin herrscht ein großes Trendgespür. Auch international ist Berlin eine sehr gehypte Stadt.  Trotzdem muss ich zugeben, dass ich persönlich mich immer noch viel von London, meiner ehemaligen Wahlheimat inspirieren lasse.

Aktuell scheint die Zeit des Individualismus zu herrschen, jeder möchte sich selbst verwirklichen. Was macht Individualismus für dich aus? Wie sieht dein Plan einer erfolgreichen Selbstverwirklichung aus? 
Es ist doch toll, dass wir in Zeiten leben, in denen das möglich sein sollte, dass sich jeder so auslebt, wie er möchte, zumindest Modetechnisch. Für mich geht es bei Selbstverwirklichung darum, ich selbst zu sein, mich nicht zu verstellen, glücklich zu sein, ein erfülltes, zufriedenes Leben zu leben und dabei die Mitmenschen nicht aus den Augen zu verlieren. Selbstverwirklichung sollte niemals auf Kosten anderer passieren. Ich sehe das so – je glücklicher ich bin, umso mehr Kapazitäten habe ich, mich um mein Umfeld zu kümmern.  

Du hast mal gesagt „Qualität und Quantität sind heutzutage einfach total ungleich verteilt. Deswegen haben wir eine riesige Marktsättigung, die unsere Kreativität kaputt macht“. Was meinst du damit?
Das habe ich mal gesagt? (lacht) Die Schnelllebigkeit unserer Gesellschaft, getrieben durch das Internet und die sozialen Medien, hat in meinen Augen dafür gesorgt, dass wir das relevante, die Qualität, aus den Augen verloren haben. Die Reizüberflutung und das Tempo schränken den Raum für Kreativität enorm ein.

Ist in der heutigen Gesellschaft Kreativität überhaupt noch so möglich wie früher?
Na klar! Kreativität ist immer möglich. Man muss nur die richtige Quelle für die Kreativität finden. Kreativität heißt ja nicht, dass man das Rad neu erfinden muss. Manchmal sind es leichte Abänderungen von etwas schon da Gewesenem, was den Unterschied macht. Die clevere Kombination bestehender Dinge kann so viel Neues entstehen lassen. Und die Vergangenheit hat gezeigt, fast alle Trends kommen irgendwann zurück. 

Aktuell spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle in unserer Gesellschaft. Wir sollten auf unseren Konsum achten, weniger Auto fahren und reisen und im Biosupermarkt einkaufen. Muss man sich Nachhaltigkeit deiner Meinung nach erstmal leisten können? 
Nein! Auf keinen Fall! Jeder kann sich Nachhaltigkeit leisten. Nachhaltigkeit bedeutet ja zum Beispiel schon weniger Plastik zu verwenden, weniger Fleisch und Milchprodukte zu essen, Mülltrennung, weniger Autofahren und dafür mehr Bahn oder Fahrrad zu fahren oder zu Fuß gehen. Man kann außerdem versuchen Flüge auf das nötige Minimum zu reduzieren. Weniger Fast Fashion zu kaufen und generell weniger zu konsumieren bedeutet auch nachhaltig zu leben. Für mich persönlich bedeutet nachhaltig zu leben bewusster zu Leben und bewusstere Entscheidungen zu treffen und das kostet ja schließlich nichts!

Achtsamkeit ist dein Lebensmotto. Sind wir heute unachtsamer geworden? Was können wir dagegen tun?
Leider sind die Menschen heutzutage viel unachtsamer geworden, unsere Gesellschaft ist nun mal sehr schnelllebig. Ich glaube, es würde schon helfen, wenn wir uns gegenseitig daran erinnern achtsam zu sein. Lasst uns unseren Kindern und der nächsten Generation beibringen, dass wir Mutter Erde und den Rest der Menschheit respektvoll und achtsam behandeln. Nächstenliebe ist das Höchste Gebot und das steckt in jedem von uns. Wir haben es nur leider scheinbar über die Jahre verlernt. Aber es ist noch nicht zu spät und wie sagt man so schön auf englisch – every little helps. Also fang bei Dir an and start making a change.

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